Kritische Bewertung – Auswirkungen?

Das stelle ich bei mir auch manchmal fest, dass ich insgesamt kritischer geworden bin. Ich habe inzwischen mehr Erfahrung im Rezensieren, viel mehr Bücher gelesen und damit, wie Du schreibst, mehr Vergleichmaterial. Damit steigen dann auch die Ansprüche.

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Das ist mir letztens auch schon aufgefallen.. Hab mich schon gefragt, ob ich manchmal ZU kritisch bin… :wink: Aber am Geschmack kann man nun mal nichts ändern. :grin: Ich breche heutzutage auch viel schneller Bücher ab. Bringt nichts, mich durch ein Buch zu quälen. :frowning:

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Das liegt auch daran, dass man irgendwann schon zu viel vom selben Thema gelesen hat, nicht unbedingt am steigenden Anspruch. Zudem ändert sich mit den Jahren auch der Geschmack (bei allem, nicht nur bei Büchern).

Wir sind alle viel zu sehr verwöhnt. Heute gucken alle auf das Erscheinungsdatum. Ein Buch kann gar nicht neu genug sein, wenn es nicht gerade ein Klassiker ist. Finde ich nicht nur schade, sondern auch bedenklich.

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Das kann ich so nicht unterschreiben. Ich lese auch ältere Bücher, muss aber sagen, dass dort der Schreibstil einfach anders ist und teils auch ungewohnter. Grade wenn man eher neueres gewöhnt ist und bestimmte Vorlieben hat, dann kann es manchmal schon einfach nicht gefallen.

Ich denke, Du sprichst von anderem “älter” als ich. Zumindest in meinen Büchern der, sagen wir mal, 90er ab ist der Schreibstil nicht wirklich anders.

Allerdings kann man über das Empfinden ja eh nicht diskutieren, das ist nun mal individuell.

Das trifft zumindest bei mir nicht zu. Ich lese gerne und viel auch ältere Werke, auch mehrmals, und ganz egal, ob es 50 Jahre oder 5 Jahre auf dem Buckel hat. Ein Buch ist für mich kein Ex-und-Hopp-Wegwerf-Produkt. Ich finde es sogar sehr faszinierend, wie sich die Rezeption eines Werkes je nach Alter und Lebensphase verändert.

Da ich sehr breit lese, wiederholen sich Themen nicht zu sehr, bzw. ich meide Bücher, wenn ich ein Thema über habe (ich kann momentan zB keine Mutter-Tochter-Bücher mehr sehen, und bei Büchern zu Feminismus ist mein Bedarf inzwischen auch gesättigt). Deswegen bewerte ich diese nicht schlechter, sondern mache einen Bogen drum herum.

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Hm, ich hab auch aus der Zeit ein paar Fantasy-Bücher gelesen, und ich sehe schon Unterschiede aus der Zeit der 90er zu den 2010ern und jeweils zu jetzt.
Aber ja, das Empfinden ist individuell unterschiedlich.
Ich finde nur jedes Buch hat seine Berechtigung, ich persönlich kann aber auch ehrlich mit den Büchern aus der Kindheit meiner Eltern (70er-80er) wenig anfangen, sei es von den Themen oder dem Schreibstil her.

Manche Bücher altern einfach schlecht, das fällt mir auch immer wieder auf. Da passen die Sprache oder auch die Themen heute nicht mehr.

70er/80er: Konsalik und Simmel will heute wirklich niemand mehr sehen. “Das Parfüm”, “Der Name der Rose”, “Der Report der Magd” finde ich nach wie vor lesenwert. “Jakob der Lügner” von Jurek Becker und “Die Farbe Lila” finde ich auch stark.

Aus den 40er und 50er Jahren gibt es sooo viele Bücher, die ich sehr liebe und die bis heute brandaktuell sind.

Bei Kinderbüchern würde ich aber die meisten, die ich selbst gelesen habe, meinem Sohn nicht mehr geben (selbst wenn ich sie noch hätte): Veraltete Rollenbilder, diskriminierende Sprache, teils mit fragwürdigen Stereotypen behaftet (TKKG finde ich da ganz schlimm) und die Lebenswelten sind sehr weit weg von denen der heutigen Kinder. Auch bekannte Autor:innen sind da nicht gefeit. Ich fand zB “Räuber Hotzenplotz” ganz entsetzlich, als ich ihn meinem Sohn vorgelesen habe, und habe während des Lesens noch versucht, manches umzuformulieren. Gelang eher schlecht als recht, und das Buch ist nach einmal Lesen in die hinterste Ecke gewandert. Andere Werke hingegen haben bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt und meinen Sohn genauso begeistert wie mich damals.

Mir geht es ähnlich mit „alten“ Büchern wie dir. Man muss sie in ihrer Zeit einordnen, aber vieles ist auch einfach überholt und schlecht gealtert. Wenn ich mir die alten Auflagen Hanni und Nanni durchlese, dann ist auch der Sprachstil sehr alt, das ist einfach nicht mehr zeitgemäß.
Ich kann daher nachvollziehen, warum man eher neuere Bücher bevorzugt, mir geht es da ähnlich. Vielleicht liegt das daran, dass ich grade die „neueren“ Genre Romantasy und New Adult sehr gerne lese. Grade da hat sich in den letzten Jahren ganz viel neues entwickelt und ja, der Markt wird überschwemmt, aber es gibt auch wirklich einige sehr gute in der Masse.
Die Kritik nach dem immer neuen Wunsch nach Neuem ist nachvollziehbar, aber mir erschließt sich nicht, warum das bedenklich sein sollte.

Das kann ich erklären. Selbst 5 Jahre alte Bücher liegen auf den SuB der Leute in den diversen Buchforen. Beim Tausch will keiner ein Buch, das ein Jahr älter ist. Die Wertschätzung geht einfach verloren. Bücher stehen dann vielleicht noch im Regal und verstauben. Angeguckt werden sie gern von hinten, nicht viele lesen sie mehrfach (ja, Simone, ich weiß, Du schon). Auch ich lese Bücher nicht mehr mehrfach, aber ich gebe sie auch gleich weiter, sodass sie von vielen gelesen werden können. Büchereien nehmen ebenfalls nur brandaktuelle Bücher an. Sie fördern damit diesen Trend. Das finde ich nun mal bedenklich. Man beachte meine Formulierung “finde ich”. Es ist keine Behauptung “es ist”.

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Die Erfahrung habe ich auch schon gemacht, wenn die Bibs überhaupt was annehmen. Vermutlich tun sie das nicht ohne Grund, eben weil es niemand lesen will. Dein Unbehagen teile ich, ich finde es auch bedenklich, wenn Bücher nach 4 oder 5 Jahren schon auf dem Müll landen, weil sie als “alt” gelten und sie niemand mehr lesen will. Wenn man dann noch Nachhaltigkeitsaspekte bedenkt (Bäume werden gefällt, Papier wird hergestellt, Druckerfarbe verbraucht, hinzu kommen Lagerung und Transport, teilweise auch aus Fernost, wenn Bücher in China usw. gedruckt werden), ist das wirklich problematisch. Und binnen so kurzer Zeit ändern sich der Zeitgeist und die Lebensrealität üblicherweise nicht, so dass es keinen objektiven Grund gibt, dass die Bücher aufs Abstellgleis wandern.

Insgesamt finde ich es sehr gut, dass der Markt an Neuerscheinungen stark rückläufig ist. Es sind immer noch knapp 60.000 Bücher pro Jahr, die auf den Markt kommen, aber es werden jedes Jahr weniger, weil sich die Verlage immer stärker am Lesegeschmack orientieren und so punktgenauer verlegen.

Ich glaube, ich persönlich bin so ein Mittelding daraus. Ich liebe alle meine Bücher, tausche auch viel und vor allem aktuelles, aber auch älteres was ich nicht behalten möchte, aus welchen Gründen auch immer.
@simonef Ob die Bücher auf dem Müll landen wissen wir ja nicht, außer ich habe da eine spannende Reportage oder so verpasst. Ich sehe eher den Trend dahin, Bücher zu sammeln, was ich selbst ja auch tue. Meine Sammlung umfasst mittlerweile um die 650 Bücher und ich würde am liebsten jedes nochmal lesen, wenn nicht gleichzeitig mich noch so viel anderes ansprechen würde. Und ja, viele davon entspechen den aktuellen Trends, außer Dark Romance, das ist einfach nicht meins.
Diese Tendenz mit dem Sammeln sehe ich auch bei (noch) jüngeren LeserInnen. Für mich persönlich ist das immer noch die bessere Alternative als sein Geld für Partys und Alkohol oder Vapes oder was auch immer auszugeben. Dass mein 15jähriges Patenkind jetzt nicht hauptsächlich Bücher der 90er kauft, kann ich aber gut nachvollziehen. Und es sollte auch nicht vergessen werden, dass der Second-Hand-Markt für Bücher boomt, auch für Neuerscheinungen, die mittlerweile ziemlich zeitnah gebraucht angeboten und auch gekauft werden.
@simonef Ich weiß nicht, ob ich dieses gezielte Verlegen so gut finde. Dadurch fallen immer mehr Bücher ins gut verkaufbare Schema F und innovative Bücher werden seltener ins Programm aufgenommen. Ja, es wird viel Scheiß gedruckt, bin ich absolut dabei, aber ich finde Vielfalt ist gar nicht so verkehrt.

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Sie nehmen sie u. a. nicht an, weil das Personal zum Sichten fehlt (das ja bereits durch Rücknahmeautomaten ausgedünnt wurde), Geld für Material zum Ausleihfertigmachen oder weil sie für anspruchsvollere Bücher keine Benutzergruppe haben. Ein Buch ist ja nicht allein dadurch sinnvoll für den Bestand, weil es ein halbes oder ein Jahr alt ist.

Die kurze Lebensdauer am Markt ist noch viel schlimmer; denn verlagsneue Bücher werden bereits ca 1/2 Jahr nach Erscheinen ins Moderne Antiquariat oder als Mängelexemplare auf die Baumarkt-Paletten gepackt.

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Das ist mir auch schon aufgefallen, wie viele Mängelexemplare man mittlerweile schon gefült 3 Monate nach ET dann bei Arvelle oder in „Bücheroutlets“ findet. Ich liebe sowas total, stöbern und fündig werden, mich stört auch der Stempel gar nicht, aber es ist schon erschreckend, wie sehr da sich mit den Auflagen auch verschätzt wird.

Bei den Büchereien kommt es einfach drauf an. Eine Freundin von mir startet jetzt eine Ausbildung dort und es ist nicht so, dass die Büchereien das nicht annehmen wollen, aber sie müssen halt auch mit Platz und Nachfrage kalkulieren und bspw. Leseexemplare dürfen sie rein rechtlich nicht annehmen.

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Damit hast Du nicht unrecht, das ist vielleicht die Kehrseite. Andererseits zielt das gesamte Marketing auf die erwartbaren Publikumsmagneten ab, und Nischenbücher werden jetzt schon querfinanziert. Die echten Perlen der Indie-Literatur entdeckt man sowieso nur selten bei den großen Publikumsverlagen, die zielgenaues Marketing betreiben, sondern eher bei den kleinen, feinen Verlagshäusern, die ums Überleben kämpfen. (Nur 2% der Verlagshäuser generieren über 66% des Umsatzes am Markt…) Anspruchsvolle Literatur verkauft sich immer schlechter, und wenn man bedenkt, was zB Suhrkamp heute alles unter seinem Namen oder dem Insel-Imprint verlegt, das hätten die vor 20 Jahren nicht mit der Kneifzange angefasst. Es ist aber notwendig, um im Haifischbecken des Marktes überhaupt zu überleben.

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Ich hab doch überhaupt nichts von Wegwerfen geschrieben.

Das war ich, sie hat sich damit auf meinen Post bezogen ;-).

Entschuldige bitte, das war schon auf simonef bezogen. ich ändere das im Beitrag, sodass es besser verständlich ist.

Genau darum geht es mir auch.

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Das wird noch befeuert durch Papierknappheit, durch die ein Nachdruck viel schlechter zu organisieren wäre. Oft kann man ja wirklich nicht voraussagen, welches niedliche Buch ein Überraschungserfolg werden wird. Andererseits fände ich es gruselig, wenn Verlage heute vorausagen könnten, was ich im Dezember lesen möchte.