Kritische Bewertung – Auswirkungen?

Hallo zusammen,
ich bin noch relativ frisch dabei und hätte mal eine Frage an euch + hoffe auf eure Erfahrungen.

Ich habe jetzt zum ersten Mal ein Buch über vorablesen gelesen, das mir leider wirklich nicht gefallen hat. Also nicht „war okay, aber nicht meins“, sondern ehrlich gesagt: kein gutes Buch. Entsprechend habe ich erstmals eine Zwei-Sterne-Bewertung abgegeben und diese auch sehr ausführlich und sachlich begründet.

Und jetzt merke ich: Ich fühle mich damit irgendwie unwohl.
Vorablesen ist ja eine tolle Chance – man bekommt ein Rezensionsexemplar, darf mitlesen, mitreden, entdeckt neue Bücher. Und dann sitzt man da und schreibt eine kritische Rezension und denkt sich: Bin ich zu undankbar? Hätte ich gnädiger sein sollen?

Gleichzeitig finde ich aber auch: Unehrlich sein kann und will ich nicht.

Jetzt meine Frage an euch:

  • Habt ihr schon einmal kritische oder negative Bewertungen geschrieben?

  • Hattet ihr danach das Gefühl, dass sich eure Gewinnchancen bei zukünftigen Verlosungen verschlechtert haben (dass man dann quasi raus aus dem Gewinntopf ist)?

  • Oder macht das eurer Erfahrung nach keinen Unterschied, solange die Rezension begründet und fair ist?

Ich bin gerade ein bisschen hin- und hergerissen zwischen Ehrlichkeit und dem Gefühl, eine Chance „kaputtgemacht“ zu haben. Umso mehr würden mich eure Erfahrungen interessieren.

Danke euch schon mal fürs Teilen!

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Also ich hab mir selber noch nie Gedanken darum gemacht, ob ich mir damit die Chance auf weitere Bücher verspielt habe. Persönlich bewerte ich Bücher genau so, wie ich sie auch finde.
Wenn ich mir bei Netgalley zB durch eine 1 Sterne Rezension meine Chance bei dem Verlag vertan hätte, dann ist das halt so. :thinking: Aber nur für weitere Rezensionsexemplare bei dem einen Lügen und es besser bewerten, als ich es wirklich gefunden habe, fänd ich persönlich falsch. :sweat_smile: Du hast dich auf das Buch nicht unter dem Aspekt “Ich bewerte es schlecht!” beworben, sondern weil du es lesen wolltest. Wenn’s dir dann nicht zugesagt hat, ist das halt so. :thinking:

Wenn ich das Buch schlecht fand → schlechte Bewertung.

Du solltest halt begründen was dir am Buch nicht gefallen hat.

Ergänzend zu deiner Frage:
Ich bin auf mehreren Portalen unterwegs und habe schon schlecht bewertet und noch nie eine geringere Gewinnchance deshalb bemerkt :slight_smile:

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Wenn Du Deine negative Bewertung ordentlich begründest und die Argumente vernünftig darlegst (alleine am obigen Post merke ich schon, dass Du das gut kannst - daher erwähne ich es nur der Vollständigkeit halber), ist es völlig in Ordnung, wenn Du nur wenige Sterne vergibst und Du musst auch kein schlechtes Gewissen haben.

Ich vergebe zwar eher wenig schlechte Bewertungen, was aber vor allem daran liegt, dass ich bei der Auswahl der Bücher Erfahrungen gesammelt habe und nicht mehr so oft an ein Teil gerate, dass mir gar nicht gefällt. Unmöglich ist es nicht. Wenn es nicht passt, schreibe ich das auch.

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Ich finde, Du solltest Deine Bewertung so schreiben, wie Du es fühlst. Ehrlich und begründet. Du musst Dich dabei nicht schlecht fühlen. Niemandem hilft es, wenn Deine Rezension nicht Deiner Meinung entspricht und wenn Du es gut begründen kannst, umso besser. Mach Dir nicht zu viele Gedanken. Mir ist es noch nicht aufgefallen, dass es Auswirkungen auf Gewinnchancen hat. Und wenn es so wäre, würde es meine Rezensionen nicht verändern.

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Ich habe hier auch schon eine 2/3 Sterne geschrieben und nicht danach keine negativen Auswirkungen gehabt. Das ein Buch anders ausfällt als erhofft kann passieren und ich finde eine Rezension sollte ehrlich sein und gut Begründet, egal ob positiv oder negativ.

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Wenn mir ein Buch überhaupt nicht zusagt, habe ich es auch in meiner Rezension mit Begründung geschrieben und nur wenige Sterne vergeben. Meistens sind es Bücher, die ich zusätzlich zu meinen gewonnenen Bücher lese und diese dann tatsächlich nicht immer meinen Geschmack treffen. Ich konnte bisher nicht feststellen, dass es sich auf meine Gewinnchancen ausgewirkt hat. Allerdings bewerbe ich mich immer nur auf ausgewählte Bücher, bei denen ich mir ziemlich sicher bin, dass es meinem Beuteschema entspricht.

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Ich kann mich den Anderen nur anschließen. Habe auch schon Bücher erwischt, die mir in der Leseprobe besser gefallen haben als dann im Ganzen. Dann bewerte ich diese auch dementsprechend.
Habe auch nicht das Gefühl, dass meine Gewinnchancen dadurch schlechter ausgefallen sind. Wichtig ist eben, dass man begründet warum man das Buch so schlecht bewertet.

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Wenn ich rezensiere, dann absolut ehrlich. Das bedeutet, dass ich auch nur einen Stern gebe, wenn ich das Buch als so schlecht empfinde. Ich bin in Leserunden schon Leuten begegnet, die offen schrieben, dass sie bei gewonnenen Büchern immer 5 Sterne geben, weil man ja nicht undankbar sein will. Wenn ich sowas lese, ärgert mich das sehr, denn solche Rezis braucht niemand. Ich hatte auch schon den Fall, dass mir jemand, der selbst 5 Sterne vergeben hat, unter meine 1-Stern Rezi kommentiert hat, dass ich mit meiner Einschätzung recht habe. Aha.

Ich bin neben Vorablesen auch bei Lovelybooks, der Lesejury, Thalia Book Circe/ehemals WasLiestDu und NetGalley unterwegs und habe noch bei keiner Plattform festgestellt, dass eine kritische Rezension sich negativ auf meine Gewinn- oder Anfragechancen auswirkt. Bei NetGalley entscheiden zB direkt die Verlagsmitarbeiter, ob eine Anfrage bewilligt wird. Obwohl ich da auch die gesamte Bandbreite an Sternen nutze, habe ich eine Zusagequote von über 90%. Ich bin mir sicher, dass auch die Verlage Wert auf ehrliche Meinungen legen, denn diese können ein wichtiger Indikator für den Erfolg oder Misserfolg eines Buches sein und aufzeigen, was warum besonders gut läuft oder eben nicht. Und sollte es tatsächlich mal einen Verlag geben, der mir nach ein paar kritischen Rezis hintereinander eine Anfrage ablehnt, dann ist das so. Deswegen werde ich mich weder verbiegen noch mit meiner Meinung hinter dem Berg halten.

Die Verlage habe ja auch eine professionelle Distanz zu den Büchern, bei autorenbegleiteten LR sieht es da mitunter anders aus. Da wird von Seiten der Rezensenten auch am meisten beschönigt, meiner Erfahrung nach. Wenn ein Autor eine LR begleitet, mache ich selbst auch nur mit, wenn es sich um Lieblingsautoren handelt. Einige sind da sehr schnell sehr beleidigt, wenn man kritisiert, und das brauche ich nicht.

Fazit: Für mich ist Ehrlichkeit bei Rezensionen oberstes Gebot. Die Kritik sollte natürlich sachlich formuliert und gut begründet sein.

Natürlich versuche ich, vor einer Bewerbung so viele Infos wie möglich über das Buch einzuholen, eine LP zu besorgen etc. Dadurch lassen sich Fehlgriffe minimieren, aber es kann natürlich immer mal passieren. Gerade bei NG ist es schwierig, weil die Bücher dort oft sehr weit vor ET angeboten werden (zT 6 Monate im Voraus).

Wenn ich mich über ein Buch informiere, lese ich selbst übrigens vor allem die kritischen Rezensionen, denn erstens interessiert mich besonders, was andere stört, und zweitens kann ich mir da sicher sein, dass es keine Gefälligkeitsrezensionen sind.

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Mir ging es wie dir. Meinen ersten Buchgewinn fand ich schrecklich. Bis heute das langweiligste Buch, das mir untergekommen ich. Trotz negativer Bewertung habe ich ganz normal gewonnen. Also keine Sorge, das hat keine Auswirkungen.

Ich finde es persönlich wichtig sich nicht davon beeinflussen zu lassen, dass es ein Gewinn/Gratisexemplar ist. Die ehrliche Meinung ist mir wichtiger.

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Da fällt mir noch ein: Ich hatte tatsächlich schon mal die Situation, dass mir ein Autor geschrieben hat, nachdem ich ein Buch eher mittelmäßig bewertet habe. Die Leserunde war geführt von ihm und fast alle die teilgenommen haben, haben das Buch mit 5 Sternen bewertet. Ich aber nur mir 3 Sternen.
Er wollte dann wissen was mich gestört hat usw. Das ist aber eine Seltenheit, die ich bisher nur einmal erlebt habe.

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Das hat überhaupt keinen Einfluss auf die Gewinnchancen. Im Gegenteil - es ist doch gerade Sinn der Sache, dass Autoren und Verlage ein ehrliches feedback von den Test- bzw. Vorablesern bekommen. Wenn sie keine ehrlichen Meinungen zu einem Buch bekommen würden, könnten sie sich die Rezensionsexemplare ja auch sparen.

Wichtig ist so oder so nur, dass die Rezension nicht nur eine Nacherzählung des Inhalts ist oder grundlos gut oder schlecht bewertet, sondern man sich in der Rezension ehrlich mit dem Buch auseinandersetzt und begründet, warum die Bewertung so und nicht anders ausfällt.

Ich kann es schon nachvollziehen, dass man sich davor scheut, eine negative Rezension zu schreiben, gerade, wenn man das Buch vom Autor oder Verlag erhalten hat. Ich bleibe aber konsequent bei meiner Bewertung, weil ich mich selbst daran erinnere, dass sie ehrliche Rückmeldungen haben wollen, dass nur das weiterhilft. Also bringt es nichts, Bewertungen zu beschönigen. Das ist nicht Sinn der Sache. Ich glaube, mittlerweile würde ich mich sogar schlechter fühlen, wenn ich beschönigt bewerten und rezensieren würde, weil das eben nicht mein ehrliches feedback wäre!

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Wenn es sich dabei um ehrliches Interesse des Autors handelt, der vielleicht für seinen nächsten Roman Erkenntnisse sammeln will, finde ich das OK. Ich hatte vor Jahren mal eine Autorin, deren Krimihandlung maßgeblich auf der deutschen gesetzlichen Erbfolgeregelung basierte, nur eben völlig falsch wiedergegeben. Als eine weitere Teilnehmerin (sogar im juristischen Bereich tätig) und ich sie darauf aufmerksam machten, war sie hochgradig beleidigt und hat weiter auf ihrem Standpunkt beharrt, denn die Lektorin hätte es so durchgewunken und damit sei es auch richtig.

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Ja, in dem Fall fand ich es auch in Ordnung, weil er nicht „vorwurfsvoll“ war, sondern einfach aus Interesse nachgefragt hat. Gerade weil es auch sein Debütroman war. Ich denke, es ist nochmal eine ganz besonders aufregende Situation, wenn das Buch dann endlich auf dem Markt ist.
Hab ihm dann einfach meine Punkte nochmal erklärt und er hat diese auch nachvollziehen können.
Wenn es aber Autor:innen gibt die unterschwellig Druck machen oder nach einer ehrlichen Rezension beleidigt sind, dann geht das natürlich gar nicht.

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Ähnliches habe ich auch mal bei einer Bewertung erlebt. Ein Ort wurde falsch zugeordnet und als ich das (war nicht der einzige Fehler) bemängelt habe, ging die Autorin so weit, mir eine Klage anzudrohen.
Ich hab dann die ganze Rezi gelöscht, hatte zu 100 % Recht, aber ich hatte weder Lust noch Zeit auf eine juristische Auseinandersetzung. Das war mir das (im übrigen nicht besonders gute) Buch dann nicht wert.

Ich muss allerdings auch sagen, es war tatsächlich das einzige Mal, das ich so eine Reaktion erhalten habe. Die meisten Autoren haben eher positiv reagiert, wenn man auf offensichtliche Sachen hingewiesen hat.
Einige haben gar nicht reagiert, damit kann ich aber auch gut leben.

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Es kommt ja nicht selten vor, dass Leseprobe, Klappentext und der Inhalt nicht harmonieren und ein zahlender Kunde später vom Buch enttäuscht sein könnte. Als Leserin der Rezension möchte ich doch genau das erfahren. Auf den Unterschied zwischen: “das Buch war langweilig” und “das Buch konnte micht nicht fesseln weil a+b+c” sollte man allerdings achten. Über einen lässigen Sprachgebrauch in einer Kritik würde ich mich als Autor durchaus ärgern.

Ich sehe keinen Zusammenhang zwischen Gewinnchancen und vergebenen Sternen. Bedenke, dass die Zahl der Vorablesen-User von einmal 2000 bis heute gigantisch gestiegen ist.

Ärgerlich finde ich allerdings, dass bei vielen Plattformen nachträglich keine Korrekturen von Kleinigkeiten an Rezensionen möglich sind. Falls man selbst einen sachlichen Fehler hat, den Autor oder Verlag kritisieren, ist nicht sichergestellt, dass Moderatoren auf den Plattformen Fehler auf Wunsch korrigieren - und vor allem wann. Darüber würde ich mich als Verlag ebenfalls ärgern.

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Puh, das ist ja heftig. Ich glaube, in dem Fall hätte ich meine Rezi erst recht breit gestreut, denn eine Klage ist einfach lächerlich und völlig haltlos. Ich kann aber auch verstehen, wenn man sich den Stress nicht antun möchte.

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Bis auf den Büchertreff kann ich bei allen Plattformen, auf denen ich unterwegs bin, auch später noch meine Rezis korrigieren bzw. sie löschen und korrigiert wieder einstellen (ich sei denn, ich war beim Rezensieren nur als Gast unterwegs und nicht angemeldet, aber das ist dann ja mein Problem. Bei Hugendubel und ebook.de zB sind solche Gastrezis möglich.)

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Ich hatte tatsächlich drüber nachgedacht. Aber mir war es die Sache nicht wert.

Oh oh! Da hab ich auch eine Anekdote! :wink:

Ich war mal vor Jaaahren bei einer Leserunde, wo die Autorin mitkommentiert hat… Ich habe da das Verhalten der Protagonistin bemängelt, da sie den Protagonisten gestalkt hat. Fand das einfach total uncool und es wurde meiner Meinung nach auch viel zu sehr romantisiert. (Es war kein Dark Romance Buch!)… Sie fand meine Meinung dazu nicht so gut und hat sich deswegen auch etwas missmutig geäußert. Mir war das aber tatsächlich total Schnuppe, weil ich mir da auch nicht meine Meinung absprechen lassen möchte. Ich wurde danach ziemlich gemieden und hab das Buch nach dem Lesen direkt in einen Bücherschrank gestellt.

In einer anderen Leserunde (war das Debüt einer anderen Autorin) habe ich das Buch schlecht bewertet und DIESE Autorin hat mit mir danach noch geschrieben und war total verständnisvoll. Wir haben uns trotzdem gut verstanden.

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Ich bewerte auch ehrlich und wenn es für mich drei Sterne sind, dann stehe ich auch dazu. Mir ist es dann auch egal, wenn ich bei den Communitys wie zum Beispiel buechereule.de oder buchertreff.de etc dafür statt die üblichen “likes” eben einige “unlikes” erhalte. Ich habe auch einen Verdacht, wer diese Leute sind…

Da ich sehr viele Bücher lese, bewerbe ich mich auch nur auf die Bücher, bei denen ich denke, dass die 5 Sterne wert sind. Daher bewerte ich diese auch meistens entsprechend gut (also nicht, weil ich das Gefühl habe, dass ich es “muss”).

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