Mir ist dazu noch ein anderer Gedanke gekommen. Sie schreibt ihre Geschichte ja rückblickend auf. Vielleicht hat sich bei ihr im Laufe der Zeit eine Schicksalsergebenheit eingestellt, die sich in der distanzierten Schreibweise ihrer Aufzeichnungen widerspiegelt.
Ich habe heute auch angefangen und bin mitten im ersten Abschnitt. So wirklich vom Hocker haut mich das Buch allerdings nicht. Ich finde auch krass, wie sie das alles so einfach hinnimmt. Dann sind halt alle tot, ihre Kinder mochte sie eh nicht so richtig, egal, dass sie auch nicht mehr leben…Das hat mich schon schockiert. Bisher liest es sich wie Leben auf einem Selbstversorgerhof mit Kuh, Katze und Hund. Hoffe, dass noch was Bahnbrechendes passiert, bisher kann ich die Lorbeeren für das Buch so gar nicht nachvollziehen.
Interessant. Da bin ich das absolute Gegenteil. Als mein Sohn 5 Tage alt war und plötzlich für ca. eine Minute nicht mehr geatmet hat, war ich völlig neben der Spur. Der Notarzt, der kam (und bei unserem Kind Affektkrämpfe diagnostizierte - sieht erst mal schlimm aus, ist aber harmlos), hat sich mehr Sorgen um mich gemacht und wollte mir eine Spritze verpassen, die ich dankend abgelehnt habe.
Ich bleibe dabei, dass mir das für mich alles zu emotionslos und unterkühlt ist. Selbst bei einem Bericht wünsche ich mir doch etwas mehr von der Autorin. Und es mag sein, dass es Menschen gibt, die eher nüchtern reagieren, aber bei solch einer extremen, apokalyptischen Situation wie hier erscheint mir das nicht glaubhaft. Es gibt ja stellen, wo von “Schock” die Rede ist, aber die Autorin benennt den Zustand nur kurz und geht nicht näher darauf ein. Das ist schade.
Ich vermute allerdings, dass es der Autorin schlichtweg weniger um die Reaktion der Protagonistin bzgl. der Wand ging, sondern der Fokus auf das neue Leben in Isolation liegen soll. Die Außenwelt scheint der Hauptperson ja mehr oder weniger völlig egal zu sein.
Ich finde das Buch bisher schlichtweg langweilig. Ich bin darum gestern Abend auf das Hörbuch umgestiegen, was mir von der Erzählerin gut gefällt und sich parallel zum Malen (habe ich aktuell mal wieder für mich entdeckt) gut hören lässt. Mir ist dann erst beim herunterladen aufgefallen, dass die Lesung gekürzt ist und sie gerade mal zwei Stunden lang ist. Ein vergleichsweise kurzes Buch, das gekürzt wurde, ist doch ungewöhnlich.
Durch diese Kürze fühlt sich die Geschichte nun eher nach einer Novelle an und für mich funktioniert es so besser. Ich finde es immer noch nicht super aufregend zu zuhören, aber zum Buch möchte ich eher nicht greifen, während ich das Hören okay finde.
Ich bin noch nicht ganz beim Ende unseres Leseabschnitts angekommen, aber das dürfte ich heute Abend schaffen.
Ich habe gerade weitergehört und mein Plan mit dem Hörbuch geht gut auf - ich habe nun sogar doch wieder zum Buch gegriffen und mir ein paar Stellen markiert.
Die Geschichte, so handlungsarm sie auch ist, hat natürlich sehr viel Raum für Interpretationen und dem Lesen zwischen den Zeilen. Darin liegt wohl auch die große Stärke des Romans.
Eindrücklich fand ich zum Beispiel dieses Zitat (in meiner Ausgabe von Ullstein auf S. 75), in der die Protagonistin die Freiheit reflektiert: “Um unsere Freiheit ist es sehr traurig bestellt. Wahrscheinlich hat es sie nie anderswo als auf dem Papier gegeben. Von äußerer Freiheit konnte wohl nie die Rede sein, aber ich habe auch nie einen Menschen gekannt, der innerlich frei gewesen wäre. Und ich habe diese Tatsache nie als beschämend befunden. Ich kann nicht sehen, was daran ehrenhaft sein sollte, wie jedes Tier die auferlegte Last zu tragen und letzten Endes wie jedes Tier zu sterben”.
Die Freiheit als Illusion. Weder äußerlich, noch innerlich scheint es sie zu geben und die Protagonistin akzeptiert diesen Zustand, weil der Mensch von Natur aus nicht frei sein kann.
Ich komme immer mehr in der Gedankenwelt der Protagonistin an und die Geschichte regt stark zum Nachdenken an. Dennoch ist bei mir der Funke noch nicht recht übergesprungen, weil ich vermutlich mit der Protagonistin wenig anfangen kann. Ich bin emotional nicht wirklich gepackt.
Ergänzung: Aus feministischer Sicht sind auch die Gedanken zu ihrem Dasein als Frau spannend, wenn sie auf Seite 82 schreibt: “Ich konnte ruhig vergessen, dass ich eine Frau war”. Das Geschlecht spielt in ihrer isolierten Situation keine Rolle, womit wir bei der bekannten Diskussion angelangt sind, dass Geschlechter gesellschaftlich konstruiert seien.
Den Abschnitt habe ich mir auch markiert
Ich bin heute erst fertig geworden mit dem ersten Abschnitt und musste mich ehrlich gesagt ein bisschen dadurch quälen. Ich finde einfach die vielen Passagen über die Ernte, das Essen, die Arbeit etc. langweilig. Mich hat auch die Ruhe und Akzeptanz direkt am Anfang sehr irritiert und vor allem, dass sie sich sofort sicher ist, dass alle tot sind.
Ich frag mich auch wieso sie dort bleibt und nicht versucht weitere Überlebende zu finden oder herauszufinden, was überhaupt passiert ist. Sie macht ja nur Tagesausflüge. Wurde dafür irgendein Grund genannt und ich hab ihn irgendwie überlesen?
Die Passagen hab ich mir auch angestrichen, weil ich sie so interessant und richtig philosophisch fand.
Auf Seite 134 meiner Version fand ich diesen Abschnitt über ihr Leben vor der Wand auch ganz spannend:
“Ich wußte nur nicht, daß das ständige leichte Unbehagen Langeweile war. Sogar meine armen Kinder litten schon darunter und konnten nicht zehn Minuten allein bleiben. Wir waren alle ganz betäubt von Langeweile. Es war uns gar nicht möglich, ihr zu entfliehen, ihrem pausenlosen Dröhnen und Flimmern. Ich wundere mich über nichts mehr. Vielleicht war die Wand auch nur der letzte verzweifelte Versuch eines gequälten Menschen, der ausbrechen mußte, ausbrechen oder wahnsinnig werden.”
Also einfach ein Ausbruch aus der modernen Gesellschaft. Außerdem finde ich es sehr interessant und irgendwie befremdlich zu sagen, dass ihr jetziges isoliertes, eintöniges Leben nicht auf seine Art langweilig und quälend ist, vor allem wenn sie nicht weiß, wie lange und wofür sie noch überlebt.
Generell scheint sie sich zwar einerseits auch über das harte, isolierte Leben jetzt zu beschweren, aber andererseits redet sie eigentlich nur negativ über ihr Leben davor.
Diese extreme Passivität ist auch etwas, das ich nicht nachvollziehen kann. Ich kann doch nicht morgens aufwachen, von einer Wand eingeschlossen sein, sicher sein, dass alle Menschen tot sind - und das ohne weiteres so hinnehmen.
Gleichzeitig glaube ich, dass es der Autorin um diesen Aspekt gar nicht geht, sondern darum, wie eine Frau mit ihrer Isolation und Einsamkeit umgeht.
Ich habe heute wieder das Buch zur Hand genommen und finde es zum einen furchtbar langweilig, aber zum anderen möchte ich auch wissen, wie es weiter geht. Und dazwischen sind diese vielen, tiefen philosophischen Gedanken. Diese Stellen finde ich sehr stark.
Ich wechsel zwischen Buch und gekürzten Hörbuch. Beim Hörbuch habe ich bisher trotz der Kürze nicht das Gefühl, dass etwas fehlt. Auch wenn ich das Buch nicht beendet habe, würde ich behaupten, dass die Geschichte als Novelle auch funktioniert hätte. Wenn nicht sogar besser.
Ich frage mich ob diese starke Passivität vielleicht auch für eine Depression und innere Leere stehen könnte?!
Guter Punkt! Als ob das Leben so oder so nicht lebenswert sei.
Ich weiß nicht wie es euch geht, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr zieht mich das Buch irgendwie runter. Ich glaube mit einem ohnehin schon schweren Gemüt sollte man eher die Finger davon lassen.
Ich find es auch ziemlich deprimierend bisher. Ich bin gespannt wie es in der zweiten Hälfte weitergeht, vielleicht gefällt es mir dann besser.
Die Tagesausflüge macht sie wegen der Kuh, da diese täglich gemolken werden muss.
Ich bin von diesem Buch heute wie früher fasziniert. Es zieht mich auch nicht runter. Ich kann aber sehr gut verstehen, dass das vielen anders geht.
Ach ja stimmt, das wurde ja gesagt. Ich glaube aber ich würde in der Situation trotzdem versuchen irgendwie weiter weg zu kommen, um nach anderen Leuten oder wenigstens Informationen zu suchen.
Ja, ich würde auch versuchen mehr in Erfahrung zu bringen. Da müsste die Kuh einfach mal länger aushalten.
Ich bin auch viel zu neugierig und mich würde das Gefühl wahnsinnig machen, nicht alles versucht zu haben, um aus dieser Situation raus zu kommen oder jemand anderes zu finden.
Ich kann mich mit dem Buch nach wie vor nicht anfreunden. Besonders feministisch finde ich es nicht, aber offenbar genügte es in der Erscheinungszeit, dass eine Frau ohne Mann überlebt, um als feministisch zu gelten.
Dass immer wieder anklingt, dass das Geschlecht keine Rolle spielt, ist mir auch aufgefallen, sie schreibt ja, dass sie weniger weiblich wirkt, teils männlich, teils geschlechtslos. Allerdings glaube ich nah wie vor nicht daran, dass Geschlechter gesellschaftlich konstruiert sind. Bestimmte Rollenmuster schon, aber für mich gibt es klare Unterschiede zwischen Mann und Frau, die biologischen Ursprung haben und sich auch statistisch äußern.
Für mich zieht sich das Buch wie Kaugummi. Kuh versorgen, Katze streicheln, mit Hund rausgehen…das langweilt mich kolossal, vielleicht auch, weil ich selbst so gut wie keinen Bezug zu Tieren habe. Dass sie Tiere mehr liebt als Menschen kann ich nicht nachvollziehen, ich wollte allerdings auch nie Haustiere.
@annnna97 Dass sie nicht versucht,andere Überlebende zu finden, leuchtet mir sogar ein. Erstens erwähnt sie mal, dass man nie weiß, an wen man da gerät, und die Aussicht, auf einen übergriffigen Typen zu stoßen, fände ich auch besorgniserregend. Ich würde wohl auch sehr vorsichtig sein, was andere Überlebende angeht, denn im Notfall ist niemand da, der helfen kann. Zweitens wird für mich schon aus der Beschreibung ihres vorigen Lebens klar,dass sie es nicht so mit Menschen hatte. Für mich ist sie grundsätzlich jemand, der gern alleine ist und seinen Mitmenschen eher mit Argwohn begegnet.
Oh ja! Den Gedanken hatte ich auch!
Mich nervt die Protagonistin ehrlich gesagt. Dass sie in ihrem vorigen Leben so unzurfrieden/gelangweilt war, ist doch ein Stück weit ihre eigene Schuld. Das der Gesellschaft anzulasten und alles negativ zu sehen kann ich nicht nachvollziehen. Überhaupt bleibt bisher komplett vage, wie denn ihr auch so langweiliges Leben vorher aussah mit zwei Töchtern, die ihr so fremd waren.
Dass das Hörbuch, dessen Grundlage ein nur 200 Seiten langer Roman ist, gekürzt wurde, sagt ja schon einiges aus. Da fanden wohl auch die Verlagsverantwortlichen, dass man auf ein paar Szenen locker verzichten kann