Ich finde es echt krass, dass im Haushalt des Kommandanten eine Zeremonie abgehalten wird, bei der jede/r von den Angestellten weiß, was danach im Schlafzimmer passieren wird. Dass man da noch so ein Brimborium drum macht! Und dann muss die Magd im Schoß der Frau liegen und auch die Geburt durch einen Geburtsstuhl, damit es so aussieht, als hätte er mit seiner Frau Sex und sie würde das Kind gebären. Dass die anderen Frauen der Ehefrau des Kommandanten den Bauch massieren, pff. Ich finde es aber schön, dass zur Geburt alle anderen Mägde zusammenkommen. Ich glaub, das kann der werdenden Mutter helfen, während alles andere sich um die Ehefrau dreht. Da spielt so viel Symbolik rein.
Dass der Kommandant nun einen Kuss von Desfred fordert ist wirklich schwierig. Macht sie es, verstößt sie gegen die Regeln, macht sie es aber nicht, wird der Kommandant sicherlich einen Weg finden um sie rauszuschmeißen. Hat er sich etwa doch verliebt? Und der Frauenarzt war ja mal echt schrecklich. Der hat doch genauso Macht wie die anderen und will sich Sex erzwingen.
Ich finde es interessant, wie spät im Buch wirklich klar gesagt wird, dass die roten Mägde als Gebärmaschinen dienen. Soll das da erst ans Licht kommen, zu was die Protagonistin ausgebildet wurde und warum sie bei der Familie des Kommandanten lebt oder weiß man das durch den Klappentext? Ich habs damals durch die Verfilmung erfahren und mich jetzt gar nicht mehr weiter über das Buch informiert.
Margaret Atwoods Schreibstil ist echt gut. Sie bringt die Dinge auf den Punkt. Ich hab den Eindruck, dass sie nicht unbedingt viel von Desfreds Gefühlsleben aktiv beschreibt, aber es kommt doch recht gut rüber, was sie fühlt. Z. B. die drei Szenarien, dass ihr Mann während der Flucht entkommen konnte und sie bald rausholen würde, aber andererseits auch die Option, dass er hoffentlich mit einem Schuss schnell gestorben ist und trotzdem auch das realistische Szenario, dass er geschnappt wurde und gerade gefoltert wird. Es bringt gut Desfreds Hoffnung, aber auch Liebe zu ihrem Mann wider. Und was wohl aus der kleinen Tochter geworden ist? Desfred ist ein interessanter Charakter, den ich sehr gerne mag. Sie sieht viele Dinge realistisch, hat sogar Mitgefühl mit der Frau des Kommandanten und folgt den Regeln, während sie aber in dieser „Schule“ ihre ehemalige Freundin heimlich getroffen hat. Ich finde es auch bemerkenswert, wie sie mit ihrer Rolle umgeht, während sie das Davor noch kennt und ein ganz anderes Leben geführt hat, damals an der Uni und später mit Mann und Kind.
Es ist ja mal typisch, dass auf die roten Mägde hinabgesehen wird, obwohl sie einen sehr wichtigen Beitrag für den Staat leisten, dies ja „freiwillig“ (sehen ja keinen anderen Weg) tun, aber so unterdrückt werden. Auch traurig, dass Desfred es so sieht, dass sie nicht vergewaltigt wird. Naja, das macht es für sie dann hoffentlich auch leichter. Den lateinischen Satz in ihrem Kleiderschrank hab ich direkt gegoogelt und bin gespannt, wann sie erfährt, was er bedeutet, und was sie darüber denken wird. Ist auch geschickt gemacht, dass überall ein „Auge“ sein könnte und z. B. die andere rote Magd eine Spionin sein könnte, damit sie sich ja nicht zusammenschließen und rebellieren.
Ich bin bisher echt begeistert von dem Buch. Toller Schreibstil (ich werde definitiv mehr von der Autorin lesen), erschreckende Idee und jetzt so einige spannenden Aspekte.