Ja genau, damals im Englisch LK. Ich weiß noch, dass es mir damals gut gefallen hat, kann mich sonst aber kaum an die konkreten Inhalte erinnern.
Das Buch liest sich als Erwachsene und mit mehreren Jahren Erfahrungen im “Frau sein” doch ganz anders. Ich war damals auch schon stark politisch interessiert (sonst wäre ich wohl kaum Politikwissenschaftlerin geworden ), aber heute lässt sich die Dystopie anders einordnen als damals im Teeniealter.
Das hat mich auch beeindruckt, wie das System den Frauen als Schutz verkauft wird und das hat mich sehr an Narrative erinnert, die auch bei uns heute in der Politik von der rechten Seite noch kommen, wo der Schutz von Frauen auf einmal ganz wichtig ist, wenn man damit seinen Rassismus begründen kann. In vielen konservativen und religiösen Kreisen wird auch immer noch so argumentiert.
Das macht das Buch für mich bisher auch so gut, denn vieles kommt einem doch sehr bekannt vor, nur in abgeschwächter Form
Ich habe das so verstanden, dass sie nicht mehr versucht hat, wegzulaufen wie ihre Freundin Moira z.B. und ihre Rolle sozusagen akzeptiert hat. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass es eine Art Bewältigungsstrategie ist, denn natürlich ist es einfacher, wenn man sich einredet es wäre freiwillig. In der Szene ist sie ja auch geistig vollkommen getrennt von ihrem Körper. So hätte ich das interpretiert. Aber vielleicht steckt auch mehr dahinter und es kommt noch in der zweiten Hälfte.
Ich habe inzwischen weiter gelesen und frage mich, warum eigentlich alle Frauen der Kommandanten unfruchtbar sind. Gibt es auch welche, die das nicht sind?
Es gibt ja auch auch noch andere Frauen (ich weiß gerade die Bezeichnung nicht mehr), die Kinder haben, aber eben keine Ehefrauen, Marthas, Tanten oder Mägda sind. Deren Rolle im System habe ich auch noch nicht ganz durchblickt.
So, nach zwei Tagen Kindergeburtstag bzw. Vorbereitung, melde ich mich auch Mal mit ein paar Gedanken zu Wort.
Ich finde das Buch schon ein wenig anstrengend zu lesen, was aber nicht am Schreibstil liegt, der gefällt mir, aber die teilweise sehr abrupten Zeitwechsel machen mir doch ziemlich zu schaffen. Da habe ich dann Schwierigkeiten, mich zurechtzufinden.
Das Leben bzw. die Hierarchien oder wie man das nennen will, die von Desfred beschrieben werden, empfinde ich als wahnsinnig trostlos. Es gibt keine Freude, keine Individualität, nur Neid und Missgunst. Dass Frauen sich untereinander nicht mehr miteinander solidarisieren überrascht mich nicht so sehr, das ist ja heute auch nicht selten zu beobachten.
Was genau passiert ist wird hoffentlich noch näher erklärt und auch, wer das alles eigentlich entschieden und sich dieses groteske System ausgedacht hat.
Die Beschreibung des Zeugungsaktes hat mich tatsächlich in diesem ersten Teil fast am meisten schockiert. Das ist doch für alle Beteiligten einfach nur furchtbar. Ich glaube auch nicht, dass es den Männern in diesem Konstrukt gut geht, also nicht nur was den Akt an sich betrifft, sondern das ganze Leben.
Dass der Kommandant nicht mal mit seiner Frau Scrabble spielen darf, meine Güte. Ob die freiwillig verheiratet sind oder das von irgendwem bestimmt wurde? Dürfen nur unfruchtbare Frauen Ehefrauen werden?
Was ich mich gegen Ende noch gefragt habe. Sie betont ja mehrfach, dass ihre Erzählung nur eine Rekonstruktion ist. Bedeutet das, dass es gar nicht so passiert ist? Hat sie was weggelassen oder dazu gedichtet? Da war ich mir irgendwie unsicher, wie das gemeint ist.
Ansonsten bin ich aber durchaus gespannt, was noch so kommt.
Ich hinke im Moment mit dem Lesen etwas hinterher, aber jetzt habe ich Kapitel 24 beendet.
Es ist schon eine verstörende Geschichte, die ich jetzt das zweite Mal lese. Einiges hatte ich schon wieder vergessen, an anderes konnte ich mich noch gut erinnern.
Ich glaube, man kann ein solches Leben nur aushalten, wenn man hofft, dass alles wieder so wird wie es war. Und Hoffnung lässt einen Menschen vieles ertragen und dazu kommen noch die Meldungen und Gerüchte von Untergrundbewegungen, die eine Möglichkeit auf Besserung bedeuten können.
Ich weiß nicht mehr, ob noch geklärt wird wie dieser totalitäre Staat entstanden ist, aber es hat anscheinend Kriege gegeben, die auch noch andauern. Und die Unfruchtbarkeit der Frauen und dehr wahrscheinlich auch der Männer ist wahrscheinlich durch radioaktive Verseuchung entstanden. So habe ich es herausgelesen.
Da hatte ich gar nicht mehr dran gedacht. Aber ich nehme das beides mal als Aufhänger, um nochmal über die Hierarchie der Frauen nachzudenken:
Als Desfred und ihre Partnerin einkaufen gehen (in meiner Ausgabe S. 38), beschreibt sie, dass es Ökonofrauen gibt, die an gestreiften, billigen Kleidern in rot/grün/blau zu erkennen sind und die für die ärmeren Männern alles tun müssen, sofern sie können.
Bei der Geburtsszene, als gesagt wird, dass ca. 25-30 Mägde aus der Umgebung zusammen kommen, heißt es dann, dass es auch Ehefrauen gibt, die Kinder bekommen können (meine S. 158). Daher scheint die Trennung in Ehefrauen, Mägde und Marthas einerseits doch nicht so strikt zu sein. Andererseits kam es mir so vor, als wäre diese Trennung und eine einzelne Rolle zu haben, irgendwie besonders chic und zu würdigen.
Dazu sagen ja auch die Tanten in der Ausbildung: Nur das wird geschätzt, was selten ist (gebärfähige Frauen). “Denkt euch, ihr seid Perlen.”
Und das bekomme ich dann irgendwie nicht mit der Eifersucht, der Erlaubnis zu Schlägen und der im Haushalt gelebten Geringschätzung überein.
Hatten die Ehefrauen und die Marthas kein Ausbildungszentrum, wo ihnen Respekt gegenüber den anderen Frauen beigebracht wird? Schließlich hängt das Überleben der Gesellschaft von der Gebärfähigkeit ab, die scheinbar nur noch bei wenigen Frauen gegeben ist. Und gerade wenn die Unfruchtbarkeit den Frauen komplett in die Schuhe geschoben wird, sind die, die noch Kinder bekommen können, doch umso wertvoller.
Dazu kommt dann dieser Bibelspruch, in dem die Ehefrau ihre Magd zum Gebären anbietet: dass sie auf meinem Schoß gebäre und ich durch sie aufgebaut werde. Wenn man sich daran hält, muss man als Ehefrau doch nicht eifersüchtig sein, sondern kann froh sein, einen so reichen Mann zu haben, der sich einen Haushalt mit Magd leisten kann. Gerade weil man selbst eben nicht die Schmerzen und Gefahren einer Geburt ohne Medikamente und technischer Hilfsmittel ausgesetzt ist. Da kann doch jede Frau nur froh sein, wenn die “Drecksarbeit” (sorry!) eine andere macht.
Irgendwie fehlt mir auch hier die Logik oder der Zusammenhang, wie trotz dieser Aufwertung von Mägden gleichzeitig ein System voller Groll, Eifersucht und Mißgunst zwischen Frauen entstehen kann.
Daher finde ich das einen sehr guten Gedanken: Wie glaubhaft ist eigentlich unsere “Reporterin” Desfred?! Ist es das System, was so krude ist, oder ihre Schilderung?
In der Theorie mag das so sein, aber der Mensch ist eben nicht perfekt und ist u.a. eifersüchtig.
Es gibt zum Beispiel unter den Mormonen auch solche, die die Vielehe als Wunsch Gottes preisen und sie selber leben. Diese “Sister Wives” sollen in der Theorie in perfekter Harmonie zusammen leben, ist aber in der Realität nicht der Fall. Diese Frauen sind eben auch nur Menschen, selbst wenn sie ein anderes Ideal propagieren und versuchen danach zu streben.
Für mich zeichnet Atwood die Menschen mit ihren ganzen Schwächen, Machtstreben, Hierarchiedenken, usw. absolut glaubhaft.
Sorry, es gibt an dieser Sexszene nichts, worauf ich eifersüchtig sein könnte!
Und dadurch das Mägde zu schlagen, allgemein erlaubt zu sein scheint, wird diese Eifersucht ja sogar noch zu einem allgemeinen Gesetz erhoben. Da stimmt doch schon wieder etwas mit der gesellschaftlichen Struktur nicht. Davon bringst Du mich leider noch nicht ab. Obwohl ich natürlich verstehe, was Du meinst!
Ich glaube, die Eifersucht unter den Marthas zu den Mägden liegt daran, dass die Marthas für die Hausarbeit (waschen, kochen, putzen pp.) zuständig sind. Sie müssen ja nicht nur die Kommandantenfamilie versorgen, sondern auch die Magd (ihr müssen sie ja z.B. das Essen bringen und auch ihre Wäsche waschen pp). Die Mägde haben keine weiteren Aufgaben außer, dass sie den Einkaufen übernehmen und gebärfähig sein müssen. Dieser Neid wird auch von Desfred erwähnt.
Die Ehefrauen sind neidisch auf die Mägde, weil sie selbst keine Kinder gebären können und sie mit ihnen Haus und Ehemann teilen müssen. Die Mägde werden ja auch zugeteilt und nicht von der Familie ausgesucht. Die Magd ist also ein notwendiges Übel.
Ich finde den Roman auch jetzt beim erneuten Lesen erschreckend, aber gelungen. Vielleicht gibt es ein paar Ungereimtheiten, aber über die kann ich gut hinwegsehen.
Ja, aber den Mägden ist verboten zu helfen. Da kann ich doch nicht auf die einzelne Person sauer sein, sondern nur auf das System, das diese Regeln macht. Die Frau kann doch nichts dafür.
Ebenso Unfruchtbarkeit - wenn es zu einer atomaren Katastrophe kam, kann doch Desfred nichts dafür, dass ihr Körper das besser weg gesteckt hat.
Daher fragte ich ja, was die Marthas und Ehefrauen wohl für Ausbildungsinstitute gehabt haben. Dort kann nicht das gleiche gelehrt worden sein, wie in der Tanten-Schule, denn dann wäre ihnen Respekt vor den Mägden beigebracht worden. Und daher bleibe ich leider dabei, dass mir das gesellschaftliche System dahinter aktuell vollkommen unklar ist.
Auch hier denke ich, dass das in der Theorie so ist, aber in solch einer Extremsituation?! Ich glaube nicht, dass in einem derart extremen, totalitären System das Gute, das Miteinander und Rationale lange aufrecht erhalten bleibt. Stattdessen kommt das Schlechte zum Vorschein. Missgunst, Eifersucht, Macht, Frustration.
Guck dir doch an was historisch und aktuell alles so auf der Welt passiert. Rationalität und Solidarität steht da nicht gerade an oberster Stelle.
Zeitgleich gibt es ja auch Personen, die Desfred nicht nur abwertend begegnen. Es gibt Solidarität mit anderen Mägden und Cora ist Desfred gegenüber auch nicht nur negativ.
Ich sehe das auch wie @desiree1 und @ulgu1978 . Auch wenn ich an dem Buch momentan noch den ein oder anderen Kritikpunkt habe, was das übergeordnete, bisher nicht ausreichend erklärte System angeht, erscheint mir gerade die Eifersucht und Mißgunst unter den Frauen sehr plausibel. Sie sind vielleicht nicht logisch, aber das sind Emotionen selten. Auch wenn man als Ehefrau auf den Ablauf von Sex und Geburt wirklich nicht neidisch sein muss, sitzt der Stachel, selbst nicht gebärfähig zu sein, bestimmt tief.
Dass die Frauen für ihre jeweilige Stellung, Fruchtbarkeit/Unfruchtbarkeit nichts können, schützt mE noch lange nicht vor Neid. Das ist im echten Leben doch auch so. Es ist doch viel leichter, die negativen Gefühle auf eine konkrete Person zu bündeln und an ihr auszulassen, als auf ein abstraktes System.
Absolut! Und das gilt quasi in allen möglichen Lebensbereichen und Situation. Hier geht es auch noch um das Thema Fruchtbarkeit/Unfruchtbarkeit, ein Thema, das auch in der realen Welt mit starken Emotionen verbunden ist (besonders dann, wenn es nicht klappen will mit dem Wunschkind)
Genau. Kaum etwas hängt so unmittelbar mit dem Frausein zusammen wie Fruchtbarkeit/Gebärfähigkeit, und wenn das nicht gegeben ist, stellt man sich schnell selbst infrage: Bin ich überhaupt eine richtige Frau, wenn ich nicht mal Kinder bekommen kann? Auch wenn das natürlich mit althergebrachten Rollenbildern zusammenhängt und sehr fragwürdig ist, aber gerade in einer sehr religiösen Gesellschaftsordnung kann ich mir das besonders gut vorstellen. Ich habe weiter oben schon mal einen SZ-Artikel der letzten Tage über Kinderwunsch zitiert, und der fällt mir hier auch wieder ein. Es ging um Azoospermie, also Männer, die null Spermien haben. Und der betroffenen Mann hat sich auch sofort selbst in seiner Männlichkeit hinterfragt, weil er nicht in der Lage war, seiner Partnerin das ersehnte Kind zu schenken. Ich denke, da unterscheiden sich beide Geschlechter kaum.
Was mir in dem Zusammenhang auch noch einfällt: Serena ist diejenigen, die sich selber als absolut gottesfürchtig und gläubig sieht, ja sogar schon vor dem eigentlichen Systemumbruch Gottes Wort propagiert.
Und dann bleibt ausgerechnet ihr das Wunschkind verwehrt! Natürlich lässt sie da ihren Groll an Desfred aus, die weder besonders gläubig war/ist und trotzdem bereits ein Kind geboren hat - mit einem Mann, der bereits verheiratet gewesen war. Für Serena ist Desfred wohl “unterste Schublade “ - um es mal einigermaßen nett zu formulieren.
Ich habe nicht gesagt, dass ich das Verhalten von Rita und Serena nicht verstehe. Ich weise nur darauf hin, dass man eine Wahl hat nach der atomaren Katastrophe auch glücklich zu sein, dass man noch lebt, genug zu Essen hat und in einem scheinbar großen Haus in Sicherheit lebt.
Ich sehe nicht, wo die Frauen, die im Haus leben “Extremsituationen” erfahren. Die Welt drum herum hat sich vielleicht geändert, aber sie arbeiten in der Küche und Gärtner. Das ist doch nichts schlimmes.
Und auch als unfruchtbare Frau hat man die Wahl: sich, eine andere Frau oder die Katastrope dafür verantwortlich zu machen.
Hier werden mir überwiegend Menschen präsentiert, die sich entscheiden, gemein zu anderen Menschen zu sein. Gut, das ist natürlich dem dystopischen Charakter des Romans geschuldet. Aber um es innerhalb des Romans schlüssig zu präsentieren, hatte ich gefragt ob diese Frauen auch entsprechend indoktriniert werden in ihren Schulen. Bisher kamen da keine Kommentare zu.
Nur das Verständnis für subjektiven Befindlichkeiten. Das verstehe ich, aber ich warne davor, es als Argument zu benutzen. Jeder hat Befindlichkeiten gegenüber Einzelnen oder Gruppen, mit denen er/sie sich verbunden fühlt oder die er/sie ablehnt. Was daraus wird sehen wir aller Tage. So etwas darf “natürlich” nicht zur Grundlage eines Rechtssystems oder zur Rechtfertigung von unmoralischen Handlungen heran gezogen werden! Weder in der Theorie noch in der Praxis!