Ich freue mich schon darauf.
Ich bin auch seit ein paar Tagen fertig und freu mich auf die Diskussion:)
Hallo zusammen,
ich stelle gerade fest, dass wir heute den 15.12 haben und damit ist die Diskussion zum zweiten Abschnitt bzw. zum Buch als Ganzes eröffnet!
Los geht’s! Was ist euer Eindruck? Hat er das Buch gefallen? Wurden eure Erwartungen erfüllt?
Ich bin heute ziemlich eingespannt und versuche heute Abend meinen Eindruck zu schreiben. Spätestens aber morgen.
Achtung Spoiler!
Also mir hat das Buch insgesamt sehr gut gefallen, obwohl ich die Protagonistin teilweise frustrierend fand, aber der Schreibstil ist einfach toll und es war durchgehend spannend und unterhaltend (außer die ersten Kapitel). Ich find es super cool, wie viel einfach nur im Kopf der Protagonistin passiert und dass sie auch eine Art unzuverlässige Erzählerin ist, aber nicht weil sie lügt, sondern weil sie durch ihre Naivität und ihre Unsicherheit einfach viel falsch interpretiert oder nicht richtig versteht.
Die Plottwists waren leider nicht so wirklich überraschend für mich, obwohl ich nicht damit gerechnet hab, wie „böse“ Rebecca eigentlich war, sondern nur gedacht hab, dass sie eine Affäre oder so hatte. Das Ende mit dem Feuer ist auch sehr klischeehaft, wenn man an Bücher wie Jane Eyre etc. denkt, aber hat mir trotzdem gefallen, da Maxim so jedenfalls nicht komplett mit dem Mord davon gekommen ist, sondern eine Art gerechte Strafe bekommen hat.
Ich muss aber auch sagen, dass ich ein großer Fan von dieser Art Romanen wie Jane Eyre und Sturmhöhe bin, deswegen hat mir Rebecca auch so gut gefallen als eine modernere Art davon, also es ist einfach genau mein Fall, obwohl die Handlung jetzt nicht so super originell ist.
Das einzige was mich wirklich sehr genervt hat, ist die Szene wo Maxim offenbart, dass er Rebecca getötet hat und er ihr direkt danach zum ersten Mal sagt, dass er sie liebt und Rebecca gehasst hat und die Protagonistin einfach nur darüber nachdenkt, dass er sie doch liebt und kein bisschen Angst davor hat, dass er seine erste Ehefrau getötet hat. Aber es passt wohl zu ihrem Charakter. Sie vergleicht sich ja selber mehrmals mit dem Hund Jasper.
Übrigens eins meiner Lieblingsbücher von Jane Austen „Northhanger Abbey“ ist eine Art Parodie dieser Art Romane und sehr lustig und gut gemacht. An einigen Stellen wurde ich hier dran erinnert. Kann ich an dieser Stelle nur empfehlen, falls ihr danach noch einen englischen Klassiker lesen wollt:)
Mir hat der Roman auch sehr gefallen und ich bin froh, dass ich mich kurzfristig entschieden habe. Wenn man bedenkt, dass der Roman schon so alt ist.
Die Erzählerin ist wirklich eine Träumerin. Die Gedanken, die sie sich macht, sind manchmal recht absurd. Interessant war für mich, dass ich beim Lesen den Film vor Augen hatte. Das ging mir schon gleich am Anfang so. Der Roman eignet sich sehr gut für einen Film. Vielleicht zehn/zwölf wichtige Szenen, ansonsten Geplänkel.
Ich bin ja eine „Wiederholungsleserin“ von Rebecca und manchmal habe ich mich gewundert, warum ich damals das Buch so toll fand. Meine Einstellung zu dem Verhältnis von Mann und Frau hat sich anscheinend sehr geändert, so dass ich heute das ein oder andere nicht so ganz nachvollziehen kann. Und auch, dass Maxim von einem Inspektor geschützt wird, obwohl dieser meint, die Wahrheit zu kennen, passt nicht mehr in mein heutiges Rechtsverständnis. Aber man darf wohl nicht vergessen, zu welcher Zeit das Buch geschrieben wurde.
Insgesamt fand ich es interessant, nach so langer Zeit das Buch wieder zu lesen.
Das geht mir bei englischen Roman, die in den 30er bis 50er Jahren des 20. Jahrhunderts geschrieben wurden, oft so. Ich habe mich kürzlich durch das „Geheimnis der letzten Weihnacht“ gequält, das vermutlich in den 50ern spielt, und es ist zum Teil unfassbar, wie da ermittelt wurde. Klar, es ist ein Roman und kein Tatsachenbericht, aber die Standesdünkel, die bei der Beurteilung von Verdächtigen eine Rolle spielten, sind unglaublich. Auch Physiognomie etc. Klare polizeiliche Zuständigkeiten scheinen zu fehlen, und die Identitätsfeststellung ist ein Witz. Insofern wundert mich hier bei Rebecca diesbezüglich gar nichts mehr.
Ja die Beziehung der beiden und das Frauenbild ist auf jeden Fall sehr problematisch und ein Produkt der Zeit. Leider gibt es aber ja immer noch Leute, die so ein „traditionelles“ Rollenbild vertreten oder sich wieder zurück wünschen.
Interessant finde ich, dass Rebecca sich eigentlich wie viele Männer ihres Standes verhielt, also die Affären hatten und die Ehefrauen das einfach ignorieren mussten. Und sie verliert ihr Leben, während ihr Mann mit ihrem Mord davon kommt und sich eine junge Frau sucht, die die perfekte unterwürfige und gehorsame Ehefrau ist.
Ich hatte ja auch schon zur ersten Buchhälfte geschrieben, dass mich im „fortgeschrittenen Lesealter“ einige Dinge viel stärker gestört haben als als junge Frau. Insbesondere in Bezug auf das Rollenverständnis der Protagonistin als Ehefrau. Manchmal konnte ich da nur den Kopf schütteln, etwa bei „Ich wollte kein Kind sein. Ich wollte seine Frau sein, seine Mutter. Ich wollte alt sein.“. Nein, ich wollte noch nie die Mutter meines Mannes sein.
Oder „Du bist mein Vater und mein Bruder und mein Sohn“. Eher nicht.
Es gibt eine einzige Stelle, an der ich Maxim tatsächlich lachend zustimmen muss: „Mein liebes Kind, Männer sind schlichtere Gemüter, als du dir vorstellen kannst“.
Dass Maxim seine Frau wohl auch in Zukunft nicht als ebenbürtig behandeln wird, zeigt sich für mich auch am Schluss, als sie von London nach Manderley zurückfahren und er ganz selbstverständlich im Gasthof bestellt: „Favell hat recht mit seinem Whisky. Ich möchte auch einen und du bekommst auch etwas zu trinken. Einen Brandy“. Wuff. Braves Hündchen, bekommt auch ein Schälchen.
Dass die Protagonistin es so einfach hinnimmt, dass Maxim seine Frau erschossen hat, und es ihr einzig darum geht, dass Maxim Rebecca nie geliebt hat, fand ich erschreckend. Ja, Rebecca war eine durchtriebene, intrigante Person, aber dennoch war es ein Tötungsdelikt. Mir wäre es an Maxims Seite nicht geheuer. Es wirkt im Buch so, als würde Maxims Verhalten dadurch zumindest teilweise gerechtfertigt, dass Rebecca ihn auf miese Weise hintergangen und ihren Tod auch bewusst inszeniert hat. Eine Reflexion seiner Schuld kann ich weder bei ihm noch bei der Protagonistin erkennen.
Genau! Und wie immer wird der Unterschied damit gerechtfertigt, dass die Untreue der Frau dem Mann „einen Kuckuck ins Nest“ setzt und „die fremde Brut“ dann erbt. Erst diese drohende Gefahr lässt Maxim durchdrehen.
Ich bin heute super busy und habe eure Beiträge bisher nur überflogen (morgen lese ich noch mal gründlich nach), aber einen kurzen Eindruck möchte ich heute schon geben:
Mein erster Gedanke am Ende: War das jetzt echt alles?! ![]()
Ich fand die erste Hälfte ja eher gemächlich und habe die ganze Zeit auf den großen Knall gewartet. Meine Erwartungen waren sehr hoch, schließlich wird das Buch seit Jahrzehnten als Klassiker gefeiert und ist dazu noch von Hitchcock verfilmt. Dann die Sorge, dass der angekündigte „Gothic“-Part mich Angsthase schon zu viel sein könnte.
Aber nein. Der Typ hat seine Frau getötet, weil sie ein „durchtriebenes Luder“ war. Natürlich… Maxim kann ja quasi nix dafür, denn sie hat mit anderen rumgemacht und war durchtrieben böse. Rebecca hatte es ja quasi verdient und die gute zweite Ehefrau hält natürlich eisern zu ihrem Mann wie es sich gehört #sarkasmus
Wo war da eigentlich der Gothic? Hab ich den verpasst?
Das hätte ich eins zu eins so schreiben können.
Die Tatsache, dass wir Rebecca auch gar nicht wirklich erleben, lässt es für mich auch nicht zu, mit Maxim in irgendeiner Form „Mitleid“ zu haben. Im Gegenteil hören wir von der bösen Seite Rebeccas ja vorrangig durch Maxim, der den kompletten Roman über nicht einen einzigen Sympathiepunkt bei mir gesammelt hat.
Ich habe auch die Beziehung von Maxim und Rebecca nicht wirklich verstanden. Allerdings bin ich auch nicht schlau aus Maxim und seiner zweiten Ehefrau geworden.
Ich denke nicht, einen Gothic- oder gar Horror-Part habe ich da auch nicht verortet. Die Vermutung liegt eben nahe, weil Hitchcock den Roman verfilmt hat. Dass der „Meister des Suspense“ an dem Stoff Gefallen gefunden hat, kann ich mir aber schon vorstellen. Mrs. Danvers in einem düsteren Gemäuer - das hat echt Potential! Auch wenn ich den Film nicht gesehen habe, kann ich mir auch den Moment herrlich vorstellen, als die Protagonistin im selben Kostüm wie Rebecca die Treppe runterkommt und allen die Gesichtszüge einfrieren. Dass der Film so gruselig ist wie „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (zwar kein Hitchcock, aber ja auch Maurier) glaube ich aber auch nicht.
Ich glaub, der Gothic ist einfach mit den ganzen Tropes, also ein altes englisches Anwesen, wo es vermeintlich spukt, ein verschlossener, aber gut aussehender und reicher Mann mit vielen Geheimnissen, in den sich die unschuldige junge Frau verliebt. Alles sehr typisch für diese Gothic Romane.
Ich finde Maxim auch schlimm, aber in den noch klassischeren Gothic Romanen wie Jane Eyre und Sturmhöhe sind die Männer eigentlich genauso schlimm
Ich habe nach 20 Jahren „Von Mäusen und Menschen“ noch einmal gelesen und fand es beim zweiten Mal noch großartiger als beim ersten Lesen als Schülerin. Da lag daran, weil mir viele Zusammenhänge (insbesondere als Politik- und Sozialwissenschaftlerin) beim zweiten Lesen viel klarer waren. Ich fand den Re-Read nach so vielen Jahren klasse
Ich glaube meine Erwartungen waren zu hoch und es fehlte mir der große Knall, dazu nicht eine sympathische Hauptfigur, die Protagonistin eine Trantüte, der Mann eine wandelnde Red Flag und ein Mordmotiv, wo das weibliche Opfer auf Grund ihres Verhalten als böse Frau ja quasi „selbst schuld“ ist . Das war für mich und meine feministischen Überzeugungen eher schwierig.
Aber : Mrs. Danvers war super und ich konnte das Buch wirklich in einem Rutsch weglesen. Der ganze Stil war schon sehr cineastisch. Ich hatte beim Lesen quasi schon den Film vor Augen. Das war wirklich gelungen.
Danke für den Tipp!
Die Zitate habe ich mir auch angestrichen, weil die mir so übel aufgestoßen sind.
Sehr aussagekräftig fand ich auch, als der 40jährige Maxim sich darüber beschwert, dass durch die ganze Mordgeschichte seine neue Frau nun auf einmal erwachsen geworden ist und ihre Naivität verloren hat. Das ist natürlich auch Rebeccas Schuld hahaha
Ich finde aber dadurch, dass Manderly abgebrannt ist, hat Rebecca aber trotzdem irgendwie ein bisschen gewonnen, denn das Anwesen war ja das Wichtigste für ihn. Und sie wäre ja sowieso gestorben
Natürlich! Rebecca macht ihm selbst aus dem Jenseits das Leben schwer. Der arme Kerl. ![]()