Herbstleserunde: "Rebecca" von Daphne du Maurier

Gerade in einem Kommentar gelesen: „Bei einer Neuverfilmung würde ich gerne Alice Weidel in der Rolle von Mrs. Danvers sehen“.

Haha! Volltreffer! :dart::joy:

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Ich fand besonders die Entwicklung der Erzählerin interessant.
Auch ist das ja eines der Dinge, die Maxim ihr sagt - er wünsche sich, sie würde nie erwachsen werden.

Ob sie ihm den Wunsch erfüllen kann, verrate ich nun aber nicht.

Die Rolle würde gut zu ihr paassen😂

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Huhu, heute geht es ja los mit der LR zum ersten Abschnitt und ich werf gleich mal meine Gedanken in den Ring.

Es ist bei mir ja schon über 25 Jahre her, dass ich das Buch erstmals gelesen habe, und auch wenn ich mich, je weiter ich komme, an immer mehr erinnere, ist meine Rezeption doch eine andere als als junges Mädchen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mich damals Maxims Art so gestört hätte wie heute. Klar, das Buch ist von 1938 und das Rollenbild war damals noch völlig anders, aber so wie er die Protagonistin (Namen hat sie ja leider keinen) behandelt…puh. Von oben herab, eher wie ein kleines Kind oder Hündchen als eine ebenbürtige Partnerin. Da klingt doch deutlich eine erzkonservative Einstellung an. Allein der „Antrag“ :see_no_evil: . Und natürlich braucht sie keine Hochzeit mit allem Drum und Dran, denn er hatte ja schon eine. Das reicht dann ja auch, oder? Hmpf.

Und sie verhält sich, sicher bedingt durch ihr geringes Selbstwertgefühl und ihr sehr jugendliches Alter, leider auch genau so: Eher wie ein Kind als eine Frau. Insofern ergänzen sich beide hier gut, wenn auch auf eine sehr ungute, ungesunde Weise. Im Buch zeigt sich auch sehr deutlich, wie niedrig die Ansprüche an einen guten Ehemann damals waren: Früher dachte ich, es müsse schrecklich sein, verheiratet zu sein; der Ehemann würde trinken oder herumschimpfen oder sich beschweren, dass der Frühstückstoast zu weich sei; er würde alles in allem sehr unattraktiv sein, womöglich sogar schlecht riechen. Du tust das alles nicht. (Kap. 12) Na hallelujah. Allerdings deckt sich das tatsächlich mit dem Tenor meiner Großmütter/Mutter, wenn ich an Gespräche von früher so zurückdenke. Schon erstaunlich, wie viel sich da inzwischen zum Glück getan hat.

Der große Altersunterschied hat mich damals schon ein bisschen gestört, das liegt aber daran, dass ich persönlich mir keinen Partner vorstellen könnte, der nicht in meinem Alter ist, egal, in welcher Richtung.

Miss Danvers ist eine gruselige Figur, und ich kann mir sie wunderbar in einer düsteren Verfilmung vorstellen. Gerade ganz am Schluss von Kapitel 14 mit den Stimmungswechseln!

Ich würde beim Lesen die junge Frau am liebsten immer wieder anschubsen, damit sie Maxim endlich dazu bringt, sich mit ihr auf Augenhöhe zu unterhalten. Ihre unterwürfige, verhuschte Art bringt ihr beim Hauspersonal auch keinen Respekt ein. Sie ist natürlich in einer schwierigen Situation, weil sie Angst hat, alte Wunden aufzureißen, wenn sie konkret nach Rebecca und den Umständen ihres Todes fragt oder etwas verändert. Dass sie das Damenzimmer so unverändert übernommen hat, muss eine enorme emotionale Belastung für sie gewesen sein.

Ich glaube, dass sie zu Beatrice Vertrauen haben könnte. Sie ist ziemlich direkt und stößt einen damit vielleicht mal vor den Kopf, aber wenigstens weiß man bei ihr, woran man ist. Ich hätte mich wohl am ehesten an sie gewandt. In dem ganzen verdrucksten Haufen ist sie herrlich erfrischend :grin: .

Mit dem Besuch des unsympathischen Favell nimmt die Geschichte nach einem eher langsamen Beginn jetzt ein bisschen an Fahrt auf.

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Ich hätte es nicht besser beschreiben können.
Ich hatte das Buch ja auch schon vor vielen Jahren gelesen und so einiges vergessen, was mir inzwischen wieder einfällt.
Den Altersunterschied zwischen den beiden hatte ich beim ersten Mal ignoriert, heute ist er mir viel bewusster geworden. Vielleicht auch deshalb, weil mich Maxims herablassende Art seiner Frau gegenüber heute mehr stört als damals. Das ist aber auch das, was mich oft an historischen Filmen stört, wenn die Männer Frauen nicht an politischen, finanziellen o.ä. Diskussionen teilhaben lassen wollen mit der Bemerkung, mit diesen Themen „sollen sie ihr schönes Köpfchen nicht belasten“.
Was mich aber schon immer am Verhalten der namenlosen Protagonistin gestört hat (außer ihrem verhuschten, unsicheren Verhalten), dass sie nie jemanden gefragt oder um Rat gebeten hat. Beatrice wäre für mich auch für all meine Fragen die erste Wahl gewesen. Zumal sie kein Blatt vor den Mund nimmt und von ihr noch die ehrlichste Antwort zu erwarten ist.
Und die Danvers, na ja die nutzt es ja leider aus, dass die neue Hausherrin verunsichert und scheu ist, und lässt sie bei jeder Gelegenheit wissen, dass sie unerwünscht ist. Allerdings kommt auch eigentlich erst dadurch die richtige Spannung auf.

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Ich kann deinen Eindruck eins zu eins so unterschreiben. Die Beziehung der beiden ist einfach - aus heutiger und aus meiner feministischen Sicht - absolut schräg. Maxim ist für mich die wandelnde Red Flag auf zwei Beinen :triangular_flag_on_post:

Dazu kommt die extrem schüchterne und unsichere Protagonistin. Ich kann verstehen, dass Daphne du Maurier ganz bewusst eine zurückhaltende, junge Frau für ihre Geschichte hat, finde aber, dass sie es teilweise mit der Charakterzeichnung übertrieben hat. Mein liebstes Beispiel: Ihr wird Favell vorgestellt und sie fragt nicht einmal, wer er ist? Lädt ihn aber höflich zum Essen ein?! Puh… Ich weiß ja nicht.
Das halte ich dann doch für unwahrscheinlich.
Ich bleibe dabei, dass die Protagonistin für mich einfach eine Trantüte ist. :sweat_smile:

Aber: Ich war trotzdem dennoch total drin in der Geschichte und das, obwohl in der ersten Hälfte ja kaum etwas passiert. Das liegt sicherlich an dem Kultstatus der Verfilmung und den vielen positiven Rezensionen, dass ich unbedingt wissen musste, wie die Geschichte weitergeht und welcher Knaller uns erwarten wird. Darum konnte ich das Buch auch nicht beiseite legen und habe es schon beendet. Sorry. :face_with_peeking_eye:
Ich frage mich aber, ob ich das Buch auch so gesuchtet hätte, wenn ich nicht die hohen Erwartungen gehabt hätte. Denn die erste Hälfte hat aus meiner Sicht wirklich sehr viele Längen.

Zu Mrs. Danvers: Mega gut! Dieser „gruselige“ Charakter ist Daphne du Maurier wirklich großartig gelungen.

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Das finde ich auch. Die Szenen mit Mrs. Danvers sind doch irgendwie die einzigen, die ein wenig Spannung bringen.

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Wie findet ihr es, dass die Protagonistin keinen Vornamen bekommen hat?

Beim Lesen hat es mich tatsächlich nicht gestört, für die LR ist es aber natürlich sehr unpraktisch. Da hat die gute Daphne wieder nicht daran gedacht :wink:

Ich bekenne mich auch schuldig und bin mit dem Buch bereits durch. Ich werde aber natürlich nicht spoilern.

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Da habe ich mich auch gefragt, ob die Briten da wirklich so ausgesucht höflich sind und ich das darum nicht verstehe, oder ob es einfach an der Protagonistin liegt, die dem selbstbewussten und jovialen Favell nichts entgegensetzen kann und sich nicht traut, ihn eher kühl und knapp zu verabschieden. Und ja, ich hätte auf jeden Fall auch nachgefragt, wer er ist bzw. in welcher Beziehung er zum Haus steht.

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Mensch, Daphne! :sweat_smile:

Die Namenlosigkeit der Protagonistin finde ich als Stilmittel ganz interessant. Es unterstreicht ihren unsicheren, unscheinbaren Charakter, insbesondere im Kontrast zur omnipräsenten „Rebecca“.

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Das stimmt, an diese Interpretation habe ich noch gar nicht gedacht, aber es passt perfekt!

Einen völlig fremden zum Essen einzuladen kann ich mir selbst bei den höflichen Briten nicht vorstellen. :sweat_smile:

Dass die Protagonistin keinen Namen hat, ist für mich gewöhnungsbedürftig. Ich weiß noch, dass ich beim ersten Lesen anfangs dachte, die Protagonistin selbst wäre Rebecca, was sich aber mit dem Auftauchen des ersten „R“-Schriftzuges erledigt hatte.

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Ich mag es sonst nicht, wenn Protagonisten namenlos bleiben. Hier passt es aber doch ganz gut.

Ich habe mich gerade durch „Das Geheimnis der weißen Weihnacht“ gequält, und auch da haben die Gutsleute kurzerhand (aber wenig begeistert) zwei ihnen völlig fremde Männer über Weihnachten für zwei Tage beherbergt, weil es sich um Bekannte ihres Verwalters handelte und dieser nicht genug Platz hatte. Ohne sie jemals zuvor gesehen zu haben. Daher dachte ich, das wäre da vielleicht so üblich gewesen. Keeping stiff upper lip sozusagen…

Das kann ich mir schon vorstellen, dass da jemand Unbekanntes eingeladen wird als Form von Gastfreundschaft (in anderen Ländern ist die Gastfreundschaft viel ausgereifter als in der deutschen Kultur).

Hier stört mich aber, dass sie nicht mal fragt, wer Favell ist. Sie fragt nicht, wer er ist, wie er zu Mrs. Danvers steht, was er im Haus macht, usw.
Das finde ich schon sehr seltsam.

Edit: Umgekehrt fragt sie ihren Göttergatten aber auch nicht, wie Rebecca verstorben ist. Das hätte mich ja doch als zweite Frau interessiert. Haha

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Auf jeden Fall hätte sie sich genauer erkundigen müssen, wer Favell denn ist, das stimmt.

Ja, schon aus Selbsterhaltungstrieb. :grin:

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Favell stellt sich als guter Freund von Mrs.Danvers vor, er spricht von Max und Jasper begrüßt ihn freudig, da hat sie wahrscheinlich gedacht dass er öfter in Manderley verweilt.
Das die Protagonisten keinen Namen hat, liegt wahrscheinlich daran, dass sie die Geschichte erzählt.

Ach, echt? Das ist an mir vorbei gegangen :sweat_smile: