An diese Hoffnung klammere ich mich auch gerade! Ich bin aber beim Lesen doch erstaunt, an wie viel ich mich noch erinnere, und ich habe inzwischen auch wieder eine vage Ahnung, wie es endet. Schon erstaunlich, dafür, dass es über 25 Jahre her ist, eher 30.
Ich bin ingesamt dennoch froh, das Buch noch einmal zu lesen - ich habe das Gefühl, ich lerne dabei auch einiges über mich und meine veränderte Wahrnehmung von Liebe, Beziehung, Frausein. Ich hatte ja ein recht traditonelles Elternhaus, was das Rollenverständnis angeht; das erklärt für mich auch, warum mich damals vielleicht manches am Buch weniger gestört hat als heute. Als ich das Buch zu ersten Mal las, hatte ich noch noch nie einen Freund gehabt, heute bin ich Ehefrau und Mutter, mit den Höhen und Tiefen, die das so mit sich bringt. Da ich als junges Mädchen sehr schüchtern war, kam mir die Protagonistsin damals vermutlich gar nicht so „transusig“ vor wie heute, wo ich sie beständig anschubsen will. Der Danvers würde ich am liebsten mal so richtig die Meinung geigen.
Es ist schon interessant, wie man Geschichten je nach Lebensalter und Lebenserfahrung unterschiedlich wahrnimmt.
Jetzt kommt hier ja auch noch dazu, dass das Buch aus den 30ern (?!) stammt und der Umgang zwischen Mann und Frau auch noch anders war.
Ich frage mich nämlich auch die ganze Zeit, wo denn hier die Liebesgeschichte steckt. Wirklich „Liebe“ erkenne ich nicht und mir kräuseln sich bei den Dialogen von Maxim und seiner neuen Ehefrau fast schon die Zehennägel. Maxim ist ja wohl die reinste Red Flag, wie man heutzutage sagen würde
Was mich grundsätzlich aber auch immer kirre macht: Wenn Menschen einfach nicht miteinander sprechen. Und hier wird das Nicht-Sprechen ja absolut auf die Spitze getrieben.
(Ab dem 30.11. gehe ich dann genauer darauf ein, wenn der erste Abschnitt offiziell besprochen wird. Vorher wollen wir ja nicht Spoilern )
Ich sehe schon, wir gehen doch schon langsam in die Diskussion, aber ohne Spolier
Den ET der Originalausgabe habe ich auch gleich als erstes nachgeschlagen (1938). Natürlich darf man nicht vergessen, in welcher Zeit das spielt, das stimmt. Bei „Vom Winde verweht“ oder so stellt es mir heute auch die Nackenhaare auf. Und die Schicht, in der das Buch in England spielt, war sicher sehr konservativ. Allerdings habe ich mit „Ex-Wife“ (Ursula Parrot), „Die englische Scheidung“ (Margaret Kennedy) und „Dienstmädchen für ein Jahr“ (Sigrid Boo) in letzter Zeit auch Bücher gelesen, die sogar noch etwas früher veröffentlicht wurden und weniger verhuschte Protas hatten.
Das mit den Zehennägeln geht mir auch so Maxim geht gar nicht - allein den „Antrag“, den hätte ich ihm schon um die Ohren gehaut… (wobei der meines Mannes auch nicht berühmt war. Männer können sehr einfallslos und unromantisch sein…)
Ich muss ja sagen, dass mich das Verhalten von Mrs. Danvers jetzt gar nicht so überrascht. Unsere Protagonistin ist eine derartige graue Maus ohne jegliche Meinung und Rückgrat, dass ich es verstehen kann, wenn sie nur wenig von ihr hält.
Aber mal sehen was der Rest des Buches bzgl. Frau Danvers und ihrer Rebecca bringen wird. Da gibt es sicherlich noch den ein oder anderen Twist.
Andererseits macht Mrs Denvers es ihr auch vom ersten Moment an nicht leicht. Ich kann mir die abschätzigen Blicke direkt vorstellen. Das verunsichert noch zusätzlich.Ich kann mir schon vorstellen, dass die Angestellten damals auch Standesdünkel hatten und sich in gewisser Weise mit der Stellung ihrer Herrschaft identifizierten. Sie haben sofort gemerkt, dass die Neue nicht „von Stand“ war und sie das spüren lassen.
Na klar, absolut.
Es hatten schon alle Angestellten ihre Vorurteile als sie ankam und dann bekräftigt sie sie auch noch durch ihre extreme Unsicherheiten.
Hätte sie Mrs Denvers gleich zu Beginn in die Schranken verwiesen, dann hätte sie sich vermutlich mehr Respekt verschaffen können.
Genau. Aber sie war mit 21 eben noch blutjung, wurde von der van Hopper vorher schon untergebuttert und hatte es wahrscheinlich auch in Kindheit und Jugend nicht einfach. Da ist es dann schon erklärlich, dass sie sehr unsicher und ängstlich ist. Maxim tut ja auch nichts, um es ihr irgendwie leichter zu machen.
Mir leuchtet Maxim und sein Verhalten noch nicht wirklich ein. Liebt er sie wirklich? Oder steckt da was ganz anderes dahinter? Ich finde die Beziehung der beiden total seltsam.
Ich bin mir auch nicht sicher wie viel Liebe zwischen den beiden vorhanden ist. Von ihrer Seite sieht es für mich mehr nach einer Teenie-Schwärmerei und Bewunderung ihm gegenüber aus. Bei ihm vielleicht eher der Wunsch nach einem „Kontrastprogramm“ zu seiner früheren Frau…
Ach spannend, ich hatte es bisher nicht so interpretiert, dass die Beziehung romantisch bzw. erstrebenswert sein soll, sondern eher von Anfang an problematisch und hatte es eher als eine Art Warnung vor dieser Art Beziehungen mit einem großen Alters- und Vermögensunterschied verstanden, wo sich eine junge, naive Frau komplett abhängig von dem Mann macht. Was ja auch immer noch ein aktuelles Thema ist. Ich dachte aber auch, dass es eine Art psychologischer Krimi ist und kein Liebesroman und mit der Erwartung bin ich auch reingegangen, also bin ich gespannt wie sich die Beziehung noch entwickelt. Aber da es schon 100 Jahre alt ist, kann es natürlich auch als romantisch gemeint sein. Es erinnert mich auch ein bisschen an Jane Eyre von der Dynamik her.
Den Eindruck hab ich auch, vor allem da es so extrem schnell ging mit der Hochzeit. Die Szene mit dem Antrag war schon sehr absurd. Sie bewundert ihn nur, aber weiß kaum etwas über ihn und er möchte wahrscheinlich nur nicht mehr alleine sein.
Total! Ich hatte dieses Jahr begonnen Jane Eyre zu lesen und fand es richtig gut - bis Mr. Rochester auftrat. Die Dialoge fand ich so nervtötend, dass ich das Buch zur Seite gelegt habe. Und am liebsten würde ich es genau so machen, wenn Maxim de Winter von oben herab mit der Protagonistin spricht
Vorsicht - jetzt folgt ein Jane Eyre Spoiler
Ich habe mich auch schon gefragt, ob es mit Rebecca ähnlich ist wie mit der Frau von Mr. Rochester in Jane Eyre. Ob Rebecca wohl auch irgendwo auf Manderley gefangen ist oder sich vielleicht bewusst irgendwo dort versteckt?
So nervös wie Maxim sich verhält, muss er ja fast etwas mit Rebeccas „Tod“ zu tun haben (…wenn sie denn wirklich tot ist)
Aber ist es nicht interessant, dass ich das Buch bisher irgendwie als etwas schleppend empfinde und gleichzeitig so voll drin bin? - das spricht doch sehr für den Roman!
Ja das frag ich mich auch, ob er etwas mit dem Tod zu tun hatte. Ich hoffe aber, dass das nicht der einzige Plottwist ist am Ende, dann wäre ich jedenfalls ein bisschen enttäuscht.
Das finde ich auch. Ich finde es sehr gut geschrieben, weil eigentlich nicht viel passiert (bisher jedenfalls), aber es ist trotzdem so eine angespannte Stimmung und man erwartet die ganze Zeit, dass jetzt endlich etwas passiert
Ich habe ja das Buch vor vielen Jahren schon einmal gelesen und weiß noch grob wie es weiter- und ausgeht. Deshalb ist es für mich besonders interessant zu lesen, welche Gedanken Neu-Leser/innen haben. Und ich erinnere mich vage, dass ich damals dieselben Überlegungen angestellt hatte.
Keine Sorge - ich verrate nichts🤐
Ich wollte ja erst nur als Hörerin bei der Herbstleserunde teilnehmen, habe mich aber spontan dazu entschieden den Roman zu lesen und bis jetzt gefällt er mir gut.
Bisher kannte ich nur den Film, ich kann mich aber auch nur noch dunkel an die Handlung erinnern. Doch mit dem Buch kommen die Erinnerungen wieder zum Vorschein, z. B. der Anfang, als über Manderley erzählt wird, da erinnerte ich mich an die düsteren Bilder und die sanfte Stimme der Erzählerin.