Die neuen Leseproben - JUNIOR

Ich finde, es spricht sehr für die Phantasie der Kinder, wenn sie sich so mit ihrem Sportgerät beschäftigen.
Unser Holzpferd im Garten wird auch betüddelt, auch noch von 12 jährigen. Ich finde das großartig, gerade weil das ein echtes Spiel ist und nicht digital stattfindet.

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Ja, Spiel ist doch okay - aber beim Hobby-Horsing dehnt sich das Ganze komplett ins reale Leben aus und die Grenzen zwischen Spiel (Fiktion) und Realität verschwimmen. Das finde ich bedenklich.
Es geht wie gesagt weder darum, dass der „Sport“ problematisch wäre (z.B. in einem Verein / Gruppe, in einer Sporthalle etc.) oder das „Spiel“ als solches. Wenn dieses auch mal wieder beendet ist und es dem Allter des Kindes angemessen ist.

Rein interessehalber habe ich das Thema mal gegoogelt. In dem einen Artikel schrieb eine völlig verzweifelte Mutter über ihre 13 oder 14 jahre alte Tochter. Diese hat das Steckenpferd überall dabei, im Einkaufen, auf Ausflügen, bei Besuchen. Und lebt vollkommen in ihrer eigenen Welt, „reitet“ den ganzen Tag und kümmert sich um das Kunstvieh (das ja nur ein Kopf ist), baut ihre Hindernisse auf und hüpft. Die Mutter gab offen zu, dass sie sich schämt und ihr die Kommentare der Nachbarn und anderen Dritten nicht egal wären. Ich kann das nachvollziehen. Denn in dem Fall besteht ein großer Unterschied zwischen einem Sport (den man von mir aus zwei Mal die Woche für zwei Stunden in geschützter Umgebung macht) und dem normalen Alltagsleben. In dem Artikel stand sogar, dass das Mädchen auch Reitstunden auf echten Pferden nimmt und somit nicht kompensieren müsste, dass sie das nicht darf / kann.

In dem Beispiel ist das Mädchen 13 der 14, in dem Kinderbuch sind es Grundschüler - aber als Mutter lasse ich mein Kind nicht ins offene Messer laufen und setze es der Gefahr aus, ab einem gewissen Alter von anderen gemobbt oder ausgegrenzt zu werden. Auch in der Grundschule ist man in meinen Augen für sowas zu alt, wenn man sich so rein steigert wie die beiden Mädels in der Geschichte. Und das Buch befeuert dies auch noch. Darum wäre das Buch für mich keines, das ich meinem Kind kaufen würde. Ich hoffe, ich konnte in Worte fassen, wie ich meine - jeder kann das Hobby haben, was ihm gefällt. Solang es ein gesundes Maß nicht übersteigt (im Grunde ist es so ähnlich, als würde ein Kind / Jugendlicher nur noch in der Blase seines Videospiels leben. Das fände ich genauso bedenklich).

Ich hatte als Kind übrigens auch so ein Holzpferd, auf dem man richtig sitzen konnte, so groß wie ein Pony. Auch wir haben z.B. Cowboy und Indianer gespielt mit dem Teil, waren uns aber immer bewusst, dass wir keine Cowboys sind und das nur spielen. Bei der Steckenpferd-Nummer habe ich nach den Videos, die ich mir angesehen und den Texten die ich gelesen habe den Eindruck, dass das für so manchen Hobby Horser (was für ein Wort :joy:) nicht so wirklich klar ist, dass das nur ein Spielzeug ist. Und das gibt mir zu denken.

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In deinem Beispiel ist aber vermutlich ein anderes Problem vorhanden. Auch mit einem echten Pferd würden wohl die wenigsten in ein Einkaufszentrum.

Ich sehe das wie Du. Den Sport an sich - völlig okay. Das Brimborium drumherum empfinde ich auch als übertrieben und infantil, das „so-tun-als-ob“ („Haustier“) verorte ich eher im Kindergarten. Als Mama würde ich das Gehabe nicht unterstützen, die Sportart schon, wenn das Mädel das unbedingt will.

Das ist definitiv ein Sport, eine sehr gute Freundin von mir war da sogar schwäbische Meisterin (evtl. sogar bayerische :thinking: ) und es war bei uns zum Abi im Grundkurs eines der Wahlpflichtfächer. Für mich war dieser Sport der Endgegner, da kam meine fehlende Grazie so richtig zur Geltung :woozy_face: .

Neben dem furchtbaren Band gab es auch noch den Ball als Gerät (blauer Gummiball, etwa kleiner als ein Fußball): Das war für mich Horror. Der Ball ist mir ständig versprungen und ich musste ihm durch die Turnhalle nachjagen, mit dem Band habe ich mich binnen kürzester Zeit versandfertig verschnürt, und im Rhythmus der Musik war da bei mir gar nix. Das war die einzige Notenabnahme, bei der ich so die Schnauze voll hatte, dass ich um 0 Punkte gebeten habe, um zur Prüfung nicht antreten zu müssen (vor versammelter Mannschaft). Mit viel gutem Zureden seitens der Lehrerin hab ich es dann doch gemacht, aber die Punkte waren deutlich einstellig.

Zur Grundschulzeit (schon 50 Jahre her) hatten wir phasenweise auch imaginäre Ponys oder Hunde (keine von uns hatte echte). So mit „kümmern“ und mal quer über die Wiese und ab in den Wald. Nach ein, zwei Stunden wurde was anderes interessanter und das Spiel gewechselt.
Bedenklich finde ich wirklich wenn es über Sport und kindliches Spiel hinausgeht. Erwachsene, die ein wildes Pferd (da ruckelt der Holzkopf heftig) erst noch zähmen und zureiten müssen.
Monchichi, Tamagochi, Pokemon - klar hatten wir Spaß am Spiel aber es war doch immer klar dass diese Dinge nicht lebendig sind.

Die Sache mit dem Band ging hier in der Wohngegend damals so weit, dass ein Nachbar tatsächlich sagte, dass das Mädel (damals Jugendliche) möglicherweise „nicht ganz richtig im Kopf“ sei. Gut, früher war diese Sportart auch eher unbekannter Art…

Den Ball kenne ich übrigens nicht (oder habs verdrängt) :rofl: :rofl:

Ja, das ist wahr - wobei ich trotzdem sage: wer hätschelt im Alter von 7+ Jahren einen Gegenstand in der Art, wie es die Hobby Horser tun? Mit dem Sport hat das null und nix zu tun und ist einfach infantil. Und das finde ich nicht unterstützenswert, auch nicht durch Bücher wie hier (Nach dem Motto: „Aber andere machen das doch auch, es gibt sogar Bücher dazu“). Sorry - nee. Das Steckenpferd als Ersatz für ein richtiges Pferd und das in allen Belangen (Zubehör, Pflege, Hingabe), das halte ich für gesponnen und gehört für mich wie @simonef sagte in den Kindergarten und sollte auch da bleiben.

Ganz meine Rede. Und auch wir hatten unsere „Spleens“. Dennoch meine ich zu behaupten, dass wir ganz gut trennen konnten zwischen Fiktion und Realität. Was Du sagst mit dem imaginären Pferd - hatten wir in der 1. Klasse auch und nannten es „Luftpferd“. Es bestimmte aber nicht unsern Alltag und war ein Spiel unter vielen, wie Playmobil oder dergleichen.

Weiß eigentlich eine(r) von euch, woher dieses Hobby Horsing ursprünglich kam, weil es jetzt so ein Trend geworden ist?

Es gibt sogar fünf Geräte bei der Rhythmischen Sportgymnasitik, neben Band und Ball noch Keule, Seil und Reifen. Seil und Keule blieben uns erspart, soweit ich mich erinnere, aber Reifen mussten wir auch machen :see_no_evil: Das wolltest Du bei mir echt nicht sehen, da war Hopfen und Malz verloren.

Der Nachbar war da wohl nicht ganz Up-to-Date, der Sport ist seit über 40 Jahren olympisch…

Meine Eltern wollten damals gerne, dass ich etwas „Mädchenhaftes“ in diese Richtung mache, oder Modern Dance, Ballett, Jazz Dance, Turnen, Gymnastik. Ich wollte in den Fußball- oder Tischtennisverein. Durfte ich nicht, weil es angeblich nichts für Mädchen sei, zu unelegant. Nun ja, bis auf 1 Jahr Zwangsballett (frag nicht, wie das bei mir aussah) hab ich eben dann gar keinen Sport mehr gemacht. Zum Glück sind diese dämlichen Rollenklischees heute passé.

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Ich hab das alles gehasst in der Schule… vor allem bei den Tänzen konnte ich mir nie die Choreografie merken. Das ist einfach alles nicht mein Ding. :blush:

Ja, da hast Du recht. Das bringt aber auch mit sich, dass Jungs im rosa Tütü mit Mama ins Einkaufen gehen. Das finde ich dann auch… na ja… gewöhnungsbedürftig.

Ja, aus Finnland. Durch Social Media schwappte es dann vor Kurzem zu uns. Ich habe mir noch ein paar Videos angesehen, als Sport ist es nicht schlecht. Man braucht Ausdauer, Koordination, Sprungkraft. Solange man das Bohei um das Pferd nicht übertreibt, ist es eine schöne Sache. Mähne flechten, Pferd aufhübschen etc. kann ich noch verstehen, man individualisiert eben das Sportgerät, machen andere bei einem Skateboard oder Surfbrett auch. Künstliche Leckerlis finde ich allerdings schon bedenklich.

Manche Mädels sagten einem Interview, dass sie ausgelacht werden, wenn sie mit dem Steckenpferd ausreiten. Ja, ich muss sagen, wenn mir damit auf dem Waldpfad jemand entgegen kommt, fände ich das auch urkomisch und würde mir wohl im ersten Moment ein Lachen nicht verkneifen können. Andererseits üben sie damit die verschiedenen „Gangarten“ des Sports. Schwierig.

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Ah, okay. Ich dachte mir schon was mit Skandinavien.

Wobei: warum den Stecken mit dem Pferd zwischen die Beine klemmen? Das ginge doch alles auch ohne. Das „Pferd“ scheint dann doch elementar dazu zu gehören. Es ist aber trotzdem ein riesen Unterschied, ob ich das alles mit einem richtigen Pferd zusammen mache (Pferd und Reiter als Partner - zieht einer nicht mit, wirds nix) oder nur so tue und selber hüpfe. Soweit ich das gestern in den Videos gesehen habe, machen die Mädels da auch „Dressur“. Nicht nur über Hindernisse hüpfen. Verrückt! :rofl:

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Gewöhnungsbedürftig im ersten Moment, weil es nicht alltäglich ist, zumindest nicht hier im ländlichen Raum, in Köln oder Berlin mag das anders sein. Für mich ist das aber völlig in Ordnung. Wenn Mädels heute endlich ganz selbstverständlich Fußball spielen, Kickboxen etc. dürfen, dann sollten auch Jungs alles ausleben dürfen. Und wenn ein Bub auf rosa, Glitzer und Kleid steht, soll er sich damit auch frei fühlen. Das kann einfach eine Phase sein, oder eben ein Ausdruck seiner Persönlichkeit. Viele wissen auch schon früh, wenn sie trans sind, Crossdresser oder, oder, oder, und dann ist es wichtig, dass sie vermittelt bekommen, dass in Ordnung ist, wie sie sind.

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Hölzerne Steckenpferde gab es schon Ende des 19. Jahrhunderts in bürgerlichen Familien und wurden von den weniger Begüterten selbst geschreinert. Ich kenne sie aus klassischen Werkbüchern, evtl. war das in Montessori-Schulen ein Thema. Die Modelle mit ausgestopftem Kopf finde ich handwerklich schon anspruchsvoller, damit sie gut aussehen und etwas aushalten. Ich finde das Hobby überhaupt nicht ungewöhnlich, weil Kinder doch schon immer Pferdestall „ohne Tiere“ gespielt haben. Wir z. B. haben uns mit Köcher, Pfeil und Bogen indianermäßig ausgestattet und unsere Fahrräder zu Pferden erklärt …

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Ja, das haben wir ja alle, aber eben nicht mehr mit 10 oder 11, und nicht in dem Ausmaß, wie es teilweise da betrieben wird. Mit Stall, Unmengen an Zubehör, etc.

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und @buchdoktor: Ja, auch ich hatte ein Steckenpferd, es war aus Holz ausgesägt und hatte einen langen Stiel bis zum Boden und hinten ein Rädchen. Aber das Spiel war im Kindergartenalter und irgendwann war man zu alt dafür. In dem Alter, in dem heute „hobby-gehorsed“ wird, war von uns damals keiner mehr und ist noch aufm Steckenpferd geritten.

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Das habe ich mich im ersten Moment auch gefragt. Allerdings sind die Bewegungsabläufe schon anders mit dem Ding zwischen den Beinen, es gibt eine ganz spezielle Zügelhaltung, und Oberkörper und Arme werden stärker mittrainert als ohne. Man muss das Teil ja halbwegs aufrecht halten.

Zügelhaltung? Wow. Ich hab da nur ein Video gesehen, in dem das Mädel den arm weggestreckt hatte, den Stecken in die Faust geklammt und rüber übers Hindernis. Ich dachte: würde ich mit oder ohne „Pferd“ nicht rüber kommen. :rofl: Respekt!

Vielleicht ist das je nach Disziplin anders, ich habe ein Video von 9 1/2 aus dem WDR gesehen, wo das Mädel dem Reporter erklärt, wie er für die Gangarten den Zügel halten muss.

Das Hindernisspringen ist für mich auch das Sportlichste am Hobby Horsing, da käme ich teilweise auch ohne Pferd nicht drüber. (Da werden Erinnerungen an den Hochsprung in der Schule wach :grimacing: So tief konnte die Latte gar nicht hängen, dass mein Hintern sie nicht gerissen hätte :rofl: )

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Du, ich glaube, Dir ging’s da wie mir :rofl: :rofl:

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Ich finde es so schön, wenn Kinder, und das sind sie mit 10 oder 11 Jahren, „infantil“ sind. Dann ist das genau richtig!
Ich finde es viel bedenklicher, wenn Grundschüler nicht mehr spielen können.

Und jeden Jungen in der Öffentlichkeit in rosa Tütü feiere ich. Aber das ist ja gar nicht das Thema, wobei es da auch mehr Kinderbücher geben könnte.

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