Die Zusammenarbeit einer Jury läuft ein wenig anders. Dort musst du in der Lage sein, dein „Baby“ mit Argumenten zu verkaufen und am Ende zu einer Übereinkunft zu kommen.
Der literarische Nerd hat mal sehr ausführlich berichtet, wie es in der Buchpreisjury war. Und ja, es ist so, wie du schreibst, dass natürlich jeder seine Lieblinge hat, aber es ist eben nicht so, dass der Börsenverein vorher sagt: „Dieses Jahr ist von uns ein Österreicher gewollt, der über Computerspiele schreibt“ (Echtzeitalter). Am Ende gewinnt der kleinste gemeinsame Nenner des Geschmacks der Jurymitglieder.
Ich habe immer noch nicht verarbeitet, dass Echtzeitalter damals gewonnen hat… ![]()
Nein, habe mir am Wochenende endlich Drifter gekauft, das war der Favorit vom Literarischen Nerd.
Für mich war damals „Vatermal“ DER Favorit.
So habe ich das gemeint, ich hab es ein bisschen blöd ausgedrückt. Ich wollte sagen, dass ich dieses Jahr den Eindruck habe, dass bewusst dem Rechtsruck in der Gesellschaft begegnet wird, indem migrantische Stimmen zu Wort kommen, queere Themen, feministische Themen und prekäre Jobs dabei sind. Also gesellschaftlich relevante, aktuelle Inhalte.
Ja, Christoph Schröder hat da vor Jahren mal ein bisschen Einblick gegeben, nachdem er selbst dort Jurymitglied war. Das ist schon erstaunlich, wer da zT alles Einfluss nehmen will.
Das war so sterbenslangweilig, dass ich nach wenigen Seiten abgebrochen habe.
Achso, meinst du, das kommt dann auch von außen oder auch von den Jurymitgliedern selbst? Vielleicht ist es auch in unterschiedlichen Jahren unterschiedlich, ob da Einfluss genommen wird? Bei Florian Valerius klang es nicht so.
Noch ne andere Frage: Sonst gab es doch die Longlist immer bei Netgalley?
Ich kam auch nicht weit bei dem Buch.
Mir war auch so…
Ich scheue mich vor dem Begriff langweilig. Aber es gibt Themen, zu denen hätte ich früher mit meinem 12-Jährigen diskutiert und davor mit migrantischen Nachbarn oder Kollegen. Zugegeben, Romane, die in anderen Kulturen spielen, waren in meiner Literaturgruppe immer beliebt, weil man dazu viel recherchieren konnte - und viele dann mehr Bücher aus diesen Kulturräumen lasen. Aber dieses Alleinstellungsmerkmal hält nicht mehr ewig …
Warten wir ab - es ist Urlaubszeit.
Ich habe mit dem Begriff kein Problem, jede Rezeption ist ja subjektiv, und ich fand es nun eben furchtbar langweilig, das formuliere ich dann auch so. Was meinst Du mit andere Kultur? Österreich ist jetzt ja nicht soooo anders. Aber diese Internatsgeschichte, kombiniert mit dem Age-Of-Empire-Zeug ist einfach nichts für mich gewesen.
Jetzt sind die Bücher der Longlist bei NG.
Schon gesehen, vielen Dank!
Da ich auch mal ein bisschen mitreden wollte, habe ich mir vorhin „Memories of Heidelberg“ gekauft. Lese sonst nicht so sehr Hochliterarisches. Nach ca 30 Seiten finde ich es ganz nett und witzig, sehe hier aber noch nicht so ganz den Anspruch für einen Buchpreis.
Kennt jemand hier den Roman schon?
Ja, habe ich auch gelesen - ich fand es recht unterhaltsam und abstrus, teilweise auch etwas eklig. Ich war überrascht, dass es auf der Longlist steht, dafür habe ich es fast zu „trivial“ gehalten - was nicht böse gemeint ist!
Ich kenne das Buch nicht, aber ich erwarte auch eher „literarische“ Werke bei Buchpreisen und bin dann manchmal doch sehr verwundert, was auf den Longlisten steht.
Überraschend fand ich zum Beispiel das Gewinnerbuch beim diesjährigen Womens Price for Fiction. „Die Briefeschreiberin“ hat mir zwar sehr gut gefallen, aber als Gewinnertitel hätte ich diesen Roman hier eher nicht gehandelt. Dafür war er mir nicht „anspruchsvoll“ genug.