Mich überrascht, dass Denis Scheck so begeistert ist, Zitat aus der Augsburger Allgemeinen von ihm zu diesem Roman: „Man möchte jauchzen ob der perfekten Konstruktion, der hellwachen soziologischen Beobachtungsgabe, der feinen Charakterzeichnung. Ein Juwel der deutschen Gegenwartsliteratur.“
Ich hab ihn selbst nicht gelesen, weil Strunk generell nicht mein Geschmack ist (und Denis Scheck finde ich ziemlich unsympathisch, deswegen verfolge ich seine Kritiken auch nicht. Bin hier nur zufällig darübergestolpert).
Nicht, dass „Druckfrisch“ etwa hinterrücks zur Satiresendung umgeschneidert wurde und niemand bekommt es mit!? Oder eine KI hat die Dateien für den Teleprompter ausgetauscht?
Ich bin auch kein Fan von Denis Scheck - er wirkt auf mich zu oft zu voreingenommen.
Dass er „memories of Heidelberg“ nun in den Himmel lobt, überrascht mich es war auch wirklich kein schlechtes Buch - für den Lesepreis hätte ich es aber nicht vorgesehen
Denis Scheck: Ein kleiner Mann mit Napoleonkomplex, der mit diebischer Schadenfreude Jugendbücher zerreißt, aber nicht einmal Ahnung von Grammatik hat, wie allein sein gefeiertes Beispiel beweist:
Was diesen Roman vor dem Klischee rettet, ist die Sprachkraft der Autorin, die sich in Sätzen äußert wie: „Ein Tag nachdem Lis gegangen ist, bekommt Joseph das Gefühl, ein Tier bewohne ihn. Es ist klein, nachtaktiv und bösartig. Es frisst an seinen Eingeweiden, besonders seinem Herzen, versenkt die Krallen und Zähne in sein Fleisch.“
Es heißt: „Einen Tag, nachdem … blabla“. Und mir braucht keiner damit zu kommen, es sei die Innenansicht eines einfachen Charakters, der grammatikalisch nicht gut drauf ist. Wäre dem so, würde er nicht so geschwollen von dem Tier in seinem Inneren denken.
Ich halte das für einen satirischen Versuchsballon. Es wurde kritisiert, dass Scheck über leichte Literatur herumalbert und sie in die Tonne schiebt. Nun schiebt er kaum noch, das habt ihr davon …
„Das größte Vergnügen auf dieser Bestsellerliste: ein Ehepaar macht eine Woche Urlaub in Heidelberg, daraus wird das von Heinz Strunk furios inszenierte Endspiel einer Ehe – inklusive eines Italieners aus der Hölle. Man möchte jauchzen ob der perfekten Konstruktion, der hellwachen soziologischen Beobachtungsgabe, der feinen Charakterzeichnung. Ein Juwel der deutschen Gegenwartsliteratur“
satirisch gemeint sein soll, muss Herr Scheck wohl nochmal in die Satire-Schule gehen… oder es irgendwie anders kennzeichnen
Ich finde es grundsätzlich unproblematisch, dass Herr Scheck kein Fan von Unterhaltungsliteratur ist - frage mich aber, warum er sie dann überhaupt liest und bewertet und finde auch einfach die Art und Weise der Bewertung dabei immer wieder unter der Gürtellinie (und damit meine ich nicht das herablassende in den Müll schmeißen).
Erstens: Unkorrigierte LEs rauszugeben, halte ich von vornherein - gerade für Kritiker - für unmöglich.
Zweitens: Wie ich sagte - Erzählstimme passt nicht. Ich weiß, dass es nicht von Scheck ist, aber er hat genau diese Sätze in den Himmel gelobt. Selbst jemand wie er muss sehen, dass genau das vorne und hinten nicht passt, aber genau das dann zu loben, zeigt mir, dass er aus lauter heißer Luft besteht.
Ja, dass er einen grammatikalisch fehlerhaften Satz als Beispiel für Sprachgefühl zitiert, entbehrt nicht einer gewissen Komik (das LEX war noch unkorrigiert, der Fehler ist tatsächlich so drin. Inwieweit Diogenes diese Fehler noch erkennt und behebt, weiß ich nicht, ich hab da aber so meine Zweifel.). Insgesamt muss ich Scheck da aber rechtgeben, bei Elena Fischer schätze ich auch ganz besonders ihr Sprachgefühl (das war das einzige an „Wirf einen Schatten“, was mich überzeugt hat).
Es gibt nur ganz wenige Literaturkritiker, denen ich gerne zuhöre, viele sind mir einfach zu überheblich und stellen ihre Meinung als die einzig wahre dar. Ich habe manchmal den Eindruck, sie genießen ihre Macht und verreißen mit Genuß.
Das halte ich für fraglich. Es sind Titel der Bestsellerliste, deshalb noch keine „Juwelen der Gegenwartsliteratur“ - und das sollte uns doch ins Grübeln bringen …
Da stimme ich dir ausnahmsweise zu. Solange das endgültige Exemplar nicht zum Vergleich vorliegt, kann man eigentlich nur Thema und Setting bewerten und sonst nichts.
Vermutlich ist es oft nicht anders machbar, wenn der Verlag pünktlich zum ET Rezensionen im Feuilleton haben will. Mir scheint, die Produktionszyklen sind inzwischen extrem knapp getaktet, so dass das korrigierte, finale Werk oft erst relativ kurzfristig zur Verfügung steht.
Zugegebenermaßen gehört Diogenes neben HoCa bei NG mit zu den Verlagen, die ihre LEX extrem früh anbieten, und gleichzeitig zu denen, wo ich überdurchschnittlich oft Fehler finde. Da besteht sicher ein Zusammenhang. Während HoCa sehr schnell und nett auf gemeldete Fehler reagiert, ignoriert Diogenes das komplett.
Bei Diogenes fällt mir auch auf, dass es sich um keine Tippfehler handelt, die man ja auch als Käufer ignorieren könnte, sondern z. B. falsche Hypothesen, d. h. eine Handlung kann schon in der Originalausgabe nicht funktioniert haben. Wenn eine Kultur z. B. kein Eigentum an Grund und Boden kennt, kann ich dort kein Grundstück besitzen, sondern es nur nutzen.