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Buch-Setting in amerikanischen Groß- oder Kleinstädten

Inspiriert vom Thread „Englische Titel für deutsche Bücher - wie findet ihr das?“ würde ich gerne eine neue Diskussion lostreten. Das Thema beschäftigt mich schon länger und ich bin sehr gespannt, was ihr dazu zu sagen habt!

Englische Titel sind ja das eine - meinetwegen klingen die „cooler“ oder aktueller. Finde ich fragwürdig, aber in Ordnung. Viel schlimmer finde ich es, dass (ist mir vor allem im Jugend- bzw. YA/NA-Bereich aufgefallen) Bücher prinzipiell in den USA, ab und an in Kanada, spielen. Da handelt es sich dann um eine x-beliebige und generische Liebesgeschichte, die genau so gut in Deutschland, Ghana oder Lettland spielen könnte, aber das Setting ist so gut wie immer Amerika. Der einzige Unterschied ist dann, ob die Geschichte in einer Großstadt (90 % davon dann in NX) oder in einer Kleinstadt à la Stars Hollow spielen). Finde diese Verherrlichung eines (für mich) höchst problematischen Landes sehr schwierig und frage mich, was da der Hintergrund ist. Dass auch die meisten Serien und Filme in den USA spielen? Aber die werden ja wenigstens dort produziert? Woher kommt dieser USA-Wahn bei jungen Leuten?

Bin sehr gespannt, was eure Theorien sind und ob ihr das ähnlich problematisch seht wie ich oder ob es euch vielleicht einfach egal ist. :slight_smile:

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Theorie: Die meisten reichen und schönen wohnen da. Und das wollen Teenager halt auch, weil sie sich blenden lassen und sich mit der Problematik, die du ansprichst gar nicht auseinandersetzen. Sie leben in ihrer Blase.

Deshalb ist aktuell auch der größte Wunsch an Beruf Influencer. Sie glauben tatsächlich, dass sie fürs Reisen und Bikini Fotos schießen Millionen kriegen. Dabei lassen sich die Influencer von Scheichs erniedrigen… Aber auch hier bekommen die Teenager einfach nichts vom Schein mit. Sie bilden sich nicht, fragen nicht nach, recherchieren nicht.

Natürlich nicht everyone, aber viele. Wie viele haben Tiktok, insta etc. und wollen immer mehr follower?

Ach ja und nicht zu vergessen, eventuell kennt die Jugend auch noch „way of life“ und den american dream Vom Tellerwäscher zum Millionär. Dabei ist das ganz witzig, denn viele Amerikaner wollen im Gegensatz zu der deutschen Jugend nach Europa, genau weil sie ihr Land nicht ausstehen können mit all ihren Problemen und das Positive an Europa erkennen, was die Jugend aber nicht sieht. Sie wollen Metropolen voller Glitzer und Glamour.

Fazit: Die Medien sind in meinen Augen Schuld. Und die Bildung hat versagt. Wenn ein Tiktoker einmal all das mit humorvollem Hintergrund als content kreieren würde und einen Hit landen würde, dann würde es eventuell ein Teil von der Jugend verstehen.

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Finde ich jetzt nicht verherrlichend - bei den Büchern handelt es sich doch sehr oft um amerikanische Autoren, daher verwundert es mich nicht, wenn der Schauplatz dann in den USA liegt.
Klar, Du hast natürlich recht, die USA sind für de Zielgruppe „in“ - viele Teenager haben den Traum, die USA mal zu bereisen und finden eine amerikanische Stadt dann cooler, als z.B. eine in Lettland oder Ghana - solche Länder werden dann interessanter, wenn die Leser etwas reifer werden und sich die Lesevorlieben von YA / New Adult in Richtung historischer Roman / Literatur verschieben.

Ein weiterer Grund ist ganz sicher auch die Fernsehvorliebe der Zielgruppe. Da spielen sich Serien / Filme auch meist in den USA ab und das will man vermutlich dann auch im Buch.

Mir persönlich (ich bin aber auch nicht mehr YA-Zielgruppe) wäre es egal, wo eine Geschichte spielt, da ich Wert lege auf eine spannende, mitreißende Handlung. Und die könnte sich an vielen Orten abspielen.

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Das habe ich mich letztens auch gefragt, als ich Ashwood Academy gelesen habe…
deutsche Autorin, relativ klassische „Mädchen kommt auf neue (magische) Schule“-Handlung, aber eben irgendwo im englischsprachigen Raum angesiedelt, ohne dass es für die Geschichte wirklich notwendig wäre. Ich persönlich fand es beim Lesen etwas irritierend…

Ich denke auch, dass es einfach „cooler“ und weltgewandter wirkt, als wenn die Schule jetzt meinetwegen im Schwarzwald oder irgendwo wäre?

Oder die Autoren schielen auf den potentiellen internationalen Markt?

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Der internationale Markt wird schon eine große Rolle spielen. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass es um die Phantasie allgemein geht. In Kleinkleckersheim ist es eben langweilig. Die große weite Welt ist aufregend. Sich da hineinzuträumen und hineinzulesen ist einfach eine andere Hausnummer und löst den Leser vom Hier und Jetzt.

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Meiner Meinung nach hat das weniger etwas mit Verherrlichung als einer Art gewohnten Exotik zu tun.

Amerika ist halt schon wie Deutschland, nur „cooler“. :wink: Und auch nicht ZU exotisch, dass man sich groß von der Mentalität unterscheidet.

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Danke für eure interessanten Antworten schonmal!! :slightly_smiling_face:

Tatsächlich ging es mir, das hatte ich nicht deutlich gemacht, um Autor:innen aus dem deutschsprachigen Raum, die ein solches Setting wählen. Und das beschränkt sich ja nicht nur auf Teenies, sondern es gibt ja auch genug „ältere“ Leser, die gerne YA lesen zB. :slightly_smiling_face:

Das mit dem internationalen Markt… prinzipiell ein sehr gutes Argument (wobei der Deutschland ja dann vielleicht sogar spannender fände, was für uns vielleicht „langweilig“ ist wie wortschaetzchen sagt), aber bei den Büchern die ich (primär) im Auge habe glaube ich auch kein maßgebliches Argument. Ohne den Autor:innen deutscher YA-Literatur beispielsweise zu nahe treten zu wollen, würde ich da das Schielen auf den internationalen Markt schon für sehr ambitioniert halten! :smiley:

Mich würde mal interessieren, wie es ankäme, wenn es zB mal eine magische Schule, um mal auf ellus` Story anzuspielen, gäbe, die in Ghana läge - würde das bei selber Story die Leser:innen weniger interessieren? :thinking: Wobei man natürlich wirklich sagen könnte, dass das dann „zu exotisch“ wäre. :laughing:

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Das ist einfach zu beantworten.

Angebot und Nachfrage.

Sowohl Teenies als auch Adults sind sicher nicht an einer magischen Schule in Ghana interessiert. Man kennt nichts von da. Irrelevant/uninteressant daher.

Gute Frage… allerdings müsste der Autor sich auch bei einer Fantasygeschichte in besagtem Land (in dem Fall Ghana) auskennen, damit es glaubhaft - oder zumindest so glaubhaft, wie ein Fantasybuch sein kann - ist. In Amerika kennt man sich doch eher aus, da bedarf es keiner größeren Hintergrundrecherche, wie die Leute da leben.

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So pauschal wüde ich das jetzt auch nicht verneinen - wenn es gut gemacht ist, kann das durchaus reizvoll sein, gerade wegen des exotischen Touchs. Aber es hat sich halt noch keiner die Mühe gemacht.

Stimmt schon, dass man nichs von da kennt - aber generell den Schauplatz für die magische Schule nach Afrika zu verlegen, wo es wilde Tiere, geheimnisvolles Brauchtum und Woodoo und was weiß ich noch alles gibt, das hätte sicherlich auch was. Ist aber wie gesagt aufwändiger im Gestalten des Weltentwurfs, gerade weil sich der Autor viel intensiver mit dem fremden Land befassen muss, als es bei den USA der Fall ist.

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Das mit den Ambitionen würde ich auch so sehen, ich denke da sind auch die jeweiligen muttersprachlichen Märkte mit genug eigenen Veröffentlichungen abgedeckt.
Davon abgehend wäre es interessant, ob diese Verortung im englischsprachigen Raum auch im anderssprachigen (vor allem) YA/NA-Bereich so passiert?

Interessante Frage: Wenn der Handlungsort, wie in meinem Beispiel, für die Handlung eigentlich unerheblich ist, könnte die Handlung eigentlich tatsächlich überall spielen. Komischerweise würde ich eine Verpflanzung der Story nach bspw. Ghana dann aber eher gimmickhaft finden, also nur um etwas exotisches zu haben, wenn es nicht inhaltlichen Bezug oder biografischen Bezug des Autors dazu gibt.
Ist die Frage, wie sehr man mit englischem Titel und englischem Schulnamen vermarktet: Schule in den USA, und wie sehr man Schule in Ghana (im Gegensatz zu irgendwo, es geht ja um die Story) vermarkten würde🤷‍♀️

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Den biografischen Bezug des Autors bräuchte ich jetzt überhaut nicht. Wichtig wäre mir aber, dass es inhaltlich glaubhaft ist. Also Bezug auf afrikanische Dinge, Legenden, was-weiß-ich. Bei den Büchern, die in den USA spielen, wird sich doch auch auf Landestypisches bezogen.

Andererseits: dass die Schule in einer fiktiven Welt steht, ist im Fantasybereich ja immer möglich. Von daher dürfte „man kennt nichts von da“ eigentlich keine Rolle spielen.

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Das stimmt natürlich… wobei bei den Büchern in den USA ja ehrlich gesagt auch oft klar ist, dass die Autor:Innen die nur aus TV und vielleicht von Besuchen kennen. Aber du hast natürlich recht - da hat man zumindest eher ein grobes Bild von. Wobei das, wenn die Story sich komplett in einem Internat oder so abspielt, im Ergebnis ja fast egal wäre. Aber eine solche, eigentlich sehr generische Geschichte, komplett woanders zu verorten, als man es erwarten würde, birgt ja nochmal ganz anderes Potential! Aber definitiv aufwendiger für den Autor, das ist richtig… Und vermutlich nicht so „Massentauglich“.

Das stimmt, wobei das ja irgendwie lustig ist. Weil beim Handlungsort UK, USA, Kanada denkt man das ja auch nicht, da gibt es ja auch oft keinerlei Bezüge! :smile: Frage mich, ob damit einfach mal jemand anfangen müsste.

Mit Ghana haben wir uns jetzt natürlich auch ein sehr „fremdes“ Land für die meisten unter uns ausgesucht, aber im europäischen Ausland gäbe es ja auch total viel… Glaube wirklich, dass es viel mit Film und Fernsehn zu tun hat und gerade im NA/YA Bereich die Autor:innen eben oft amerikanische Highschools im Kopf haben.

Was mich dann ein bisschen stört ist, dass die USA damit für einige, gerade junge Menschen, zu so einer Utopie verkommt. Leute stellen sich die USA als das absolute non plus ultra vor, als totale Hochglanzwelt ohne Probleme und mit riesiger Anziehungskraft…

Ich denke da wäre das Hauptrisiko für den Autor der Vorwurf von Cultural Appropriation, kultureller Aneignung, gerade wenn es so gelesen werden könnte, dass das exotische Setting dann nur ein herausstechendes Verkaufsmerkmal wäre.

Nicht dass ich es so sehen würde, aber mit sowas kann man sich heutzutage ja schnell einen Shitstorm an den Hals wünschen🙊

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Puh das fände ich dann aber ehrlich gesagt schon krass, wenn man sagt „kennt man nicht, findet man irrelevant/doof“. Ich würde hoffen, das Lesende, egal ob jung oder alt, nicht so ignorant sind - mag auch Wunschdenken sein! Was stört denn an einer magischen Schule in Ghana? Das „man kennt nichts Argument“ zieht in einigen Genres bzw. bei einigen Stories ja wirklich nicht so. Und die meisten „kennen“ die USA eben auch nicht, sondern nur das, was sie aus Filmen und Büchern für die USA halten… :sweat_smile:

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Ja das Problem würde ich auch sehen, wobei man ja darüber diskutieren kann, welche Länder man da tatsächlich als Minderheit in dem Sinne einordnet, die Gegenstand von Cultural Appropriation sein kann… :sweat_smile: Finde das aber ohnehin ein wahnsinnig schwieriges Thema, bei dem ich mir in vielen Bereichen selbst nicht sicher bin, was ich davon halten soll…

Das finde ich dann doch sehr an den Haaren herbei gezogen - obwohl natürlich gleichzeitig auch denkbar. Trotzdem: darf man dann als Autor einen afrikanischen Schauplatz nicht wählen, einen amerikanischen oder europäischen schon? Wo ist da der Unterschied? Man muss ja nicht Amerikaner sein, um über Amerika zu schreiben - man sollte sich halt auskennen, um glaubwürdig zu sein. So darf man in meinen Augen doch auch über Afrika schreiben, wenn man gut recherchiert und sich mit der Kultur dort befasst.

Blockzitat Als kulturelle Aneignung wird die Übernahme von Ausdrucksformen oder Artefakten, Geschichte und Wissensformen von Trägern einer anderen Kultur oder Identität bezeichnet. In einem engeren Sinn wird als „kulturelle Aneignung“ angesehen, wenn Träger einer „dominanteren Kultur“ Kulturelemente einer „Minderheitskultur“ übernehmen und sie „ohne Genehmigung, Anerkennung oder Entschädigung“ in einen anderen Kontext stellen. (Quelle: wikipedia)

Danach würden die USA und die meisten Teile Europas bei einem solchen (durchaus an den Haaren herbeigezogenen) Shitstorm wohl ausscheiden. Ich würde aber meinen, dass ein „darüber schreiben“ keine „Übernahme“ in dem Sinne ist. Kulturelle Aneignung meint ja eher sowas wie Dreadlocks bei Weißen, da gab es ja letztens den riesigen Shitstorm für Fridays For Future. Denke auch, dass sich da, Voraussetzung ist natürlich eine gute Recherche, niemand auf die Füße getreten fühlen sollte. :slight_smile:

Auch wenn ich natürlich nicht ausschließen würde, dass „Überkorrekte“ da Kritik üben könnten. :wink:

Wie gesagt, Angebot und Nachfrage. Es gibt keine Nachfrage an Fantasy in Ghana. Ein Verlag will Profit…keine Ladenhüter, die nur Staub ansetzen. Über Ghana weiß der größte Teil der Bevölkerung Deutschlands nichts.

Und in die USA, GB, Italien etc., wo viele Romane von dt. AutorInnen stattfinden, reist man als Deutsche/r eher in Urlaub und fühlt sich damit mehr verbunden als Ghana. Man kennt die Orte, das Essen, die Kultur und kann das im Roman viel besser nachempfinden als Ghana. Ich könnte Ghana nicht mal in Afrika richtig zuordnen. Lernt man nicht in der Schule, weil Ghana halt nie etwas Großes erreicht hat. Die Geschichte um die USA war dagegen in der Schule wichtig… Englisch spricht man durch den Unterricht. Was spricht man in Ghana?

Wie gesagt, nicht dass ich es so sehen würde😉
Ich finde auch, dass es völlig legitim wäre, wenn man gut recherchiert und respektvoll und ohne Klischees darüber schreibt.

Sicher wird da vieles an den Haaren (oder sogar den Weißen Dreadlocks🙊) herbeigezogen, aber ich denke weder AutorInnen noch Verlage wollen sich heute gerne mit sowas angreifbar machen (guck dir die Ravensburger-Winnetou-Geschichte an), wenn der Shitstorm erstmal da ist bist du in der Rechtfertigungsposition, und siehst damit automatisch schlecht aus

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