mein Sohn ist knapp 12 Jahre alt und hat mich gefragt, ob es denn nicht auch Kinder- bzw. Jugendbücher für sein Alter gibt, die einen ganz normalen Alltag abbilden. Also kein Fantasy, keine Magie, aber auch keine Kriminal- oder Abenteuerromane, die „normalen“ Kindern ja eher nicht passieren. Also eher eine Handlung, in der er sich irgendwie wiederfinden kann.
Ich habe lange hin- und herüberlegt, und mir ist tatsächlich kein passendes Buch eingefallen. Ist irgendwie klar, denn ein gewöhnlicher Alltag bietet eben wenig Stoff für eine mitreißende Handlung, aber ich verstehe sein Bedürfnis. Ich habe als Kind auch gerne „Dolly“ gelesen, denn damit konnte ich mich prima identifizieren, weil ich meine Schule ebenfalls sehr geliebt habe und dort am liebsten auch gewohnt hätte. Die Handlung war relativ realistisch.
Kennt Ihr Bücher oder Reihen, die vielleicht in sein Beuteschema passen könnten? Danke!
Nachtrag: Wir suchen aktuell vor allem postive/fröhliche Bücher, also keine schweren gesellschaftlichen Themen wie Drittes Reich, tote Eltern, Krieg etc. Die aktuelle Weltlage belastet ihn aktuell schon genug, und er möchte vor allem zur Entspannung lesen.
Das habe ich als Kind auch gelesen. Vielleicht trügt mich meine Erinnerung, aber in der Rückschau fand ich die vermittelten Werte darin problematisch: Individualität wird unterdrückt, es wird massiv Gruppendruck ausgeübt, um die neuen Schüler „auf Linie“ zu bringen („Denkzettel“ in der Folterkammer verpassen, körperliche Abreibungen usw.), Abhärtung (Zwang zu kurzen Hosen) und körperliche Fitness werden propagiert, Gruppendruck, sehr klassische Männerbilder…
Vielleicht bin ich da überempfindlich, aber teilweise hat mich das an ganz ungute Zeiten erinnert. Ich weiß allerdings nicht, ob die Inhalte für die Neuauflagen und Verfilmungen überarbeitet und an den Zeitgeist angepasst wurden (so wie 5 Freunde).
Wie wäre es mit Gregs Tagebuch? Das wollen die „großen“ Jungs gerne hören, wenn wir auf der Arbeit ein Hörspiel anmachen. Oder Die ??? bzw. TKKG hat auch Fans bei uns.
Der Herr der Diebe musste ich vor kurzem auch vorlesen. Es hat sehr spannend angefangen. Und ein Junge hat von einem Buch erzählt, Zelten mit Meerschweinchen, hat er im Sommer gelesen.
Sonst fällt mir wahrhaftig Kästners Das fliegende Klassenzimmer ein. Das hat letztes Schuljahr ein Junge für ein Leseprojekt intensiv gelesen und war ganz angetan davon.
Bis circa 14 Jahre:
Von Null auf Held
Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen
Adresse Unbekannt
Best Bro ever
Das absolut wahre Tagebuch eines Teilzeit-Indianers
Der Asteroid ist noch das kleinste Problem
Der Zufall kann mich mal
Die Tasche
Feuerschlucker
Nennt mich nicht Ismael
Poet X
@buchdoktor und @misspider Vielen Dank für Eure Vorschläge. Ich werde sie mir in Ruhe ansehen. Zwei der Bücher kennen wir bereits (Wolf, Von Null auf Held)
Wir hatten vor etwa einem Jahr genau das gleiche Thema.
Meinem Großen haben folgende Bücher dann ganz gut gefallen:
Frei - Bester Sommer / Frei - Beste Freundschaft
People Pleaser
Die Falle (Andreas Brettschneider) - eher ab 14
Weiße Tränen (Kathrin Schrocke)
Die Welle
Vielleicht ist da ja auch etwas für deinen Sohn dabei.
Danke Dir! Das ist ja interessant, dass es Euch genauso geht und bei Deinen Kind auch der Wunsch nach Nicht-Fantasy vorhanden ist.
FREI Ist super, das haben wir schon hier. Vor allem der erste Band hat mir richtig gut gefallen (mein Sohn liest es demnächst), Band 2 fand ich nicht mehr so gut.
Wir suchen aktuell vor allem postive/fröhliche Bücher, also keine schweren gesellschaftlichen Themen wie Drittes Reich, tote Eltern, Krieg etc. Die aktuelle Weltlage belastet ihn aktuell schon genug, und er möchte vor allem zur Entspannung lesen.
Ich weiß nicht ob sie für sein alter noch passend sind, da ja ab 8Jahren, aber in meiner Erinnerung kamen durchaus Teenager Themen vor (zumindest in den späteren Bänden): Die wilden Kerle
Ja, schon interessant, wie sich Leseinteressen entwickeln. Für meinen Sohn hat es erst dazu geführt, dass er wesentlich weniger gelesen hat, bis wir dann endlich Bücher gefunden haben, die sein Interesse wieder geweckt haben. Für ihn war es aber auch in Ordnung, dass dann ernste Themen angesprochen werden.
Aber fröhliche Themen zu finden, ist gar nicht so leicht. FREI geht ja schon irgendwie in die Richtung, aber auch uns hat der 2. Teil dann nicht mehr ganz so gut gefallen. Ich glaube vielen Coming-of-Age Büchern werden dann ja doch auch oft ernste Themen angesprochen, aber eher auf der persönlichen Ebene. „Birk“ von Liv K. Schlett klingt zum Beispiel sehr interessant, aber der Klappentext klingt auch wieder ernster.
Leichte/fröhlichere Themen sind wohl oft eher in Geschichten mit einer Liebesgeschichte enthalten, die mein Sohn aber nicht lesen wollte. Ich weiß nicht, wie es da deinem Sohn geht, aber das war einfach (noch?) nichts für ihn. Und so Bücher wie „P.S. du bist die Beste“ sprechen dann auch doch eher meist Mädchen an. Natürlich können auch Jungs die Bücher lesen, aber ob sie sich da wiederfinden?
Falls dein Sohn geschichtlich interessiert ist, könnte „Wie wir Menschen die Welt eroberten“ von Yuval Noah Harari etwas für ihn sein.
Wenn das Buch aufmuntern und unterhalten soll, würde ich vom Problembuch „Birk“ abraten. Vor allem, weil ich die „Familie Simone“ bisher so erlebt habe, dass sie auf logische Abläufe Wert legt. Ich habe mich in Birk schon gefragt - wie bitte? in welchem Bundesland wäre das (… =Spoilergefahr) so möglich?
Wenn ein Buch kein Abenteuer, kein Krimi, kein Problembuch, keine erste Liebe und nicht phantastisch sein soll, wird es schwierig. Da bleiben eigentlich nur historische Stoffe, die dann oft wieder belastend sind.
Danke für den Hinweis zu Birk. Ich habe das Buch (noch) nicht gelesen und finde den Klappentext sehr uneindeutig. Es steht zwar dabei, dass es um Mental Health geht, aber worum es geht erfährt man nicht wirklich. Und Themen wie Freunde, Zocken, Sport, erste Liebe die eindeutig genannt werden, klingen erstmal harmlos.
In meiner Jugend gab es „Berts Katastrophen“ von Anders Jacobsson. Eine Reihe über einen pubertierenden Teenie, der Tagebuch schreibt, klamaukartig. Möglicherweise findet man das noch in der Bibliothek oÄ.
FREI wurde oben schon erwähnt.
Sonst sowas wie Die wilden Hühner von Cornelia Funke? Auch, wenn Mädchen die Hauptfiguren sind, ist es vielleicht was für ihn?
Und ich kann mich an „Freche Mädchen, freche Bücher“ erinnern, die Jungs als Protagonisten hatten - es geht aber natürlich immer um die Liebe
Die Figur ist 16 und hat Sex, das würde ich einem 11-Jährigen nicht anbieten, wenn er nicht ausdrücklich danach fragt. Gut, dass die Äußerungen so allgemein gehalten sind; denn sonst würde der Inhalt gespoilert …
Das ist ein toller Vorschlag, bei dem mir einfällt, dass Freunde meines Sohnes Phasen hatten, in denen sie Biografien lasen, teils zu aktuellen Themen oder zu welchen, von denen sie noch nie gehört hatten.
Das ist aber auch eher unrealistisch. Kinder, die obdachlos in Venedig leben.
Aber das könnte @simonef 's Sohn ev. tatsächlich interessieren. Es ist aber so ein bisschen von allem dabei und geht jetzt nicht speziell in eine Richtung.
Meine Tochter hat in der 2. Klasse Gymnasium „Boy2Girl“ im Deutschunterricht gelesen - ich kenne es zwar nicht, aber vom KLappentext könnte es ev. passen.
Berts Katastrophen hat mein Neffe auch gelesen vor 5 Jahren. Das scheint also irgendwie immer noch aktuell zu sein für Jungs.
FREI merke ich mir mal, mein Kind ist dafür noch ein bisschen zu jung.