Nr. 560: Über welches Thema würdet ihr gerne ein Buch lesen, habt aber bisher noch nicht das passende gefunden?

Liebe Vorableser:innen,

über welches Thema würdet ihr gerne mal ein Buch lesen, habt aber bisher noch nicht das passende gefunden?

Mir fehlt weniger ein bestimmtes Thema als gewisse Sichtweisen. Ich vermisse bei den Erwachsenenbüchern momentan Romane aus männlicher Sicht. Hier kann man natürlich einwenden, dass über viele Jahrzehnte bis Jahrhunderte der Buchmarkt durch Männer dominiert war und es jetzt mal Zeit für Literatur von Frauen über Frauen ist. Das ist sicher auch richtig. Dennoch spüre ich bei mir einen gewissen Überdruss an Feminismus-Themen und Mutter-Tochter-Beziehungsaufarbeitungsromanen. Ich merke anhand meiner Lesestatistik, dass ich tatsächlich verstärkt zu Büchern moderner männlicher Autoren greife, und es ist sicher kein Zufall, dass von den 12 Neuerscheinungen, die für mich in 2026 Highlights waren, 9 von männlichen Autoren stammen. Da würde ich tatsächlich gerne noch mehr lesen.

Bei den Jugendbüchern ist es ähnlich gelagert: Für meinen Sohn, inzwischen 12, ist es zunehmend schwer, passende Bücher zu finden. Abenteuerbücher ab 10 sind oft schon zu kindlich, und während für Mädels in dem Alter langsam YA interessant wird, gibt es für Jungs wenig Vergleichbares. ich vermisse hier Autoren, die mit Humor Coming-of-Age-Themen für Jungs ansprechen, ohne zu plakativ gesellschaftliche Probleme zu wälzen (wie etwa William Sutcliffes “Genial normal”). Auch Krimis und klassische Abenteuerromane für Teenies wären prima, einfach gute Unterhaltung ohne einen “Schullektüre-Touch”.

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Ja, Fantasy für junge Leser, bei uns so ab 14 Jahren, ohne spice, moralisch okay, aber nicht belehrend, das findet man kaum.

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Ja, leider, gerade ohne Romantik oder Spice ist schwierig. Mit 12 rollt mein Sohn bei allem, wo ein Anflug von Liebesgeschichte erkennbar ist,momentan genervt mit den Augen, weil ihn das noch überhaupt nicht interessiert. Und Bücher, die belehrend wirken oder ernste Themen in den MIttelpunkt stellen, kommen auch nicht gut an. Das verstehe ich sehr gut, ich habe in dem Alter auch weniger die Bücher auf der Nominierungsliste zum Jugendliteraturpreis gelesen, sondern Abenteuerromane.

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Ja, ich auch Karl May. Obwohl es damals für Mädchen sehr ungewöhnlich war.

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Ja, genau, ich habe Karl May stapelweise verschlungen, verstehe allerding sehr gut, warum er heute kritisch gesehen wird, so dass ich die Bücher meinem Sohn auch nicht weitergeben würde.

Karl May kannst du ihm ruhig geben - sprich doch einfach mit ihm darüber, warum einige Sachen da mittlerweile kritisch betrachtet werden. Ihr könnt das sogar noch in den Zeitkontext einordnen (und natürlich mit der Tatsache verbinden, dass Karl May einfach nur ein exzellenter Münchhausen war).

Was haltet ihr von den Klassikern für die Jungs in dem Alter? Jules Verne habe ich mit etwa 10 angefangen zu lesen, meine Favoriten waren da Zwei Jahre Ferien oder Ein Kapitän von 15 Jahren. Oder die Schatzinsel von Stevenson oder Robinson Crusoe. Hab ich bestimmt alles fünfmal gelesen zwischen 12 und 16. Richtig coole Abenteuer und ganz sicher spicefrei.

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Ich hab die Karl-May-Bücher inzwischen gar nicht mehr, insofern hat sich das sowieso erledigt. Da ist so viel kritisch zu bewerten mittlerweile, dass mir das auch zu anstrengend wäre, das wirklich alles aufzuarbeiten.

Klassiker haben fast alle ein ähnliches Problem wie Karl May und müssten hinsichtlich Kolonialismus, Eurozentrismus, Rassismus u.v.m. kritisch eingeordnet werden. Gerade Robinson Crusoe kann ich da heute einfach nicht guten Gewissens einem Kind in die Hand drücken. Ich weiß nicht, wann Du jung warst, bei mir waren das die 90er, da wurde das noch sehr unkritisch gesehen und wir haben das alles gelesen, aber ich will nicht, dass sich da bei ihm unbewusst irgendwelche Denkmuster festsetzen. Mein Sohn ist jetzt auch niemand, der da jedes Buch anschließend mit Mama aufarbeiten will (verstehe ich auch, das hat dann wieder diese Deutschunterrichts-Attitüde).

Vom Geben durch die Eltern bin ich so gar kein Fan und halte mehr von Büchereibesuchen. Jugendliche lesen, wenn sie lesen, u. a. das, was auch ihre Peer Group interessiert. Da muss man erst sein eigenes Genre finden und die Erfahrung machen, dass einen nicht unbedingt anspricht, was der beste Freund liest.

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Stimmt, und ab und an holt er sich auch gerne Bücher aus der Schul-Bib, auf die ich nie gekommen wäre. Seine Kumpels lesen leider gar nicht, aber über die Graphic Novels der Warrior Cats tastet er sich nun langsam auch an die Romane ran. Er kommt aber tatsächlich noch oft auf mich zu und fragt, ob ich nicht ein Buch für ihn habe (das er natürlich dann am liebsten vorgelesen haben will, der kleine Schlawiner).

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Von den Cat Warriors verspreche ich mir ja, dass er evtl. Tier-Fantasy für Erwachsene lesen wird. Die Serien für Kinder finde ich für 12-jährige etwas schlicht.

Oder so etwas
https://www.amazon.de/Vango-Zwischen-Himmel-Erde-Roman/dp/3423715472/

Die WC sind ja auch ab 9, insofern hast Du schon recht. Allerdings bin ich 1. froh, dass er überhaupt selbst was liest und 2. lesen das tatsächlich auch ein paar Mitschülerinnen von ihm. Vango ist leider nur noch gebraucht erhältlich.

Mir ging es nicht ums Aufdrücken durch die Eltern, sondern eher darum, dass sowohl Simone als auch ich Karl May gelesen haben und wir uns trotzdem bemühen, keine Rassisten zu sein. Dass Alltagsrassismus noch in jedem von uns lebt, darüber brauchen wir gar nicht zu diskutieren, aber das ist eine Sache, an der wir eh ständig an uns arbeiten müssen und die von Karl-May-Büchern oder Robinson Crusoe wohl eher nicht angefeuert wird.

@simonef Es besteht keine Notwendigkeit, Bücher bis zum Abwinken durchzukauen, aber ein kurzes Gespräch über Mays Ansichten und die Einordnung in den zeitlichen Kontext könnte auch für einen 12jährigen (? Bin nicht ganz sicher, wie alt dein Sohn ist) sein. Es war auch nur ein Vorschlag und da du die Bücher eh nicht mehr hast, erübrigt sich das sowieso.

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Ich würde mir wieder mehr Fantasy ohne unnötige Liebesgeschichten wünschen. Am liebsten mit Frauen, die eben keinen Mann brauchen, um das Ende der Geschichte zu erleben und ihr Schicksal selbst zu bestimmen.

Ja, ich finde die Aufmachung der Bücher, die derzeit den Markt fluten, auch alle sehr hübsch und ab und zu darf es auch gerne mal ein bisschen Romantik sein, aber es wird immer anstrengender die liebesarmen Bücher rauszufiltern.

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Mich würde das Thema interessieren, wenn “jemand Zigaretten holen geht” und nicht mehr nach Hause zurückkehrt. Warum, kann ich einigermaßen nachvollziehen. Wie geht für die Person weiter? Ein Leben auf der Straße? Wie schlägt man sich durch? Am liebsten würde ich einen Roman dazu lesen, dessen Autor das wirklich erlebt bzw. durchlebt hat.

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Das sind dann zwei verschiedene Bücher :wink:

https://www.amazon.de/Kleine-Abschiede-Anne-Tyler-ebook/dp/B01G3V17WO/

https://www.amazon.de/Fische-kennen-keinen-Ehebruch-Roman/dp/3442380677/

https://www.amazon.de/Weit-über-das-Land-Taschenbibliothek/dp/3596521742/

https://www.amazon.de/Renata-wasweißich-Roman-Catherine-Guérard/dp/3103976542/

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Mit der dominierenden weiblichen Sicht habe ich weniger Probleme, ich verdrehe eher die Augen, wenn Frauen in Romanen keine Berufsidentität haben, sondern durch ihre Liebesgeschichte definiert werden. Und damit meine ich noch keine Romantasy, sondern zeitgenössische Romane mit erwachsenen Protas.

Die beschränken sich leider oft auf die Behauptung, eine Frau wäre XY von Beruf, können es aber oft nicht darstellen. Oder Frauen vor 50, 60 Jahren werden moderne Denkweisen in den Mund gelegt. Meine Hass-Szene war - ausgerechnet - eine Ärztin, die in den 1950ern dringend mit 40 schwanger werden wollte. Glaubwürdig wäre eher gewesen, dass sie zwar mit ihrer Kinderlosigkeit hadert, aber das Risiko eines behinderten Kindes nicht wagen wird, da sie dafür keine Betreuung finden würde …

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Vielen Dank, Buchdoktor, ich werde gleich Mal nachschauen.

Ja, das nervt mich auch, allerdings nicht nur bei Frauen, sondern ganz generell fällt mir auf, dass meist relativ junge Autoren und Autorinnen die Denk- und Sprechweise dieser Zeit nicht mehr glaubhaft darstellen können. Deswegen hadere ich auch so mit “Wirf einen Schatten”.

Es gab immer Frauen, die ihrer Zeit voraus waren.
Vor gut 100 Jahren haben Frauen selbst für ihr Wahlrecht gekämpft, oft unter großem persönlichem Risiko.
Die Geschichte ist voll von Frauen, die ihrer Zeit voraus waren – von Wissenschaftlerinnen wie Marie Curie über Künstlerinnen wie Frida Kahlo bis zu Aktivistinnen wie Emmeline Pankhurst. Auch in Familiengeschichten findet man solche Frauen ständig.
Fünf von sieben Schwestern meiner Großmutter sind in den 1950ern zum Studieren in die Großstadt gegangen. Sie wollten nicht „ausschließlich“ Mutter und Hausfrau sein, obwohl das damals nicht nur üblich war, sondern fast schon erwartet wurde. Sie haben spät geheiratet und ihren Beruf nie aufgegeben. Manche haben ihre Babys dann einfach mit zur Arbeit genommen – damals war das noch möglich.

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