Nr. 462: Lest ihr gerne Übersetzungen?

Liebe Vorableser:innen,

zum Glück gibt es talentierte Übersetzer:innen, die uns Geschichten aus anderen Sprachen näher bringen.
Lest ihr gerne Übersetzungen? Gibt es Länder, deren Literatur ihr besonders gerne lest?

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Wenn es geht und ich der jeweiligen Sprache mächtig bin, lese ich lieber das Original. Bei asiatischen Büchern zum Beispiel muss ich zwangsläufig die Übersetzung lesen und hoffen, dass der Übersetzer gute Arbeit leistet, denn ich habe keinen Vergleich. Bei Übersetzungen von Sprachen, die ich selbst spreche, fällt mir manchmal auf, dass manche Übersetzungen recht viel interpretieren. Der Wortwitz des Originals geht dadurch leider teilweise verloren oder die Intention des Schriftstellers wird verfälscht. Allgemein bin ich jedoch der Meinung, dass die meisten Übersetzer ihr Handwerk verstehen. Was mir meistens nicht gefällt, ist die Übersetzung von Sprichwörtern, die klingen im Original treffender, witziger und schlüssiger.

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Mittlerweile lese ich viel mehr Übersetzungen als früher, da habe ich viel im englischen Original gelesen. Und meistens finde ich die Übersetzung wirklich super, da ist nichts zu vermissen.

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Ich sollte zwar wieder mehr im Original lesen, aber sind wir doch mal ehrlich, es ist bequemer, Bücher in der eigenen Sprache zu lesen. Da viele Autoren, deren Bücher ich gerne lese, aus anderen Ländern kommen, lese ich zwangsläufig gerne Übersetzungen.

Ich gehe davon aus, dass die meisten Leser nicht nur Autoren lesen, die in der eigenen Sprache schreiben, oder anders gesagt, glaube ich nicht, dass sehr viele Leser gern in einer angelernten Sprache lesen (oder gar mehrere so gut beherrschen, dass sie ohne Wörterbuch lesen können). Das löst sicher wieder einen Shitstorm aus, ist dennoch meine höchstpersönliche Meinung.

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Ich hatte in der Schule Englisch, aber mit fehlen so viele Vokabeln, dass ein englischsprachiges Buch für mich nicht in Frage kommt. Außerdem denke ich, dass sich, wie auch in der deutschen Sprache, viele englische Redewendungen ändern.

Ich lese gerne Übersetzungen und habe größten Respekt vor dem Beruf. Besonders interessiert mich seit einiger Zeit Literatur aus Nigeria und Kamerun, da gibt es einfach noch so viel zu entdecken!

Da kann ich mich nur anschließen. Ich lese auch gerne Übersetzungen, denn wenn ich mich auf rein deutschsprachige Autoren beschränken müsste, würde mir sehr viel entgehen. Da ich außer Englisch keine lebendige Fremdsprache gelernt habe (Latein hilft mir jetzt nicht viel weiter), muss ich für alle anderen Sprachen zwangsläufig auf Übersetzungen zurückgreifen. Das ein oder andere Buch habe ich auf Englisch gelesen, aber ich bin ehrlich, meistens bin ich dazu zu bequem, weil es auf Deutsch einfach schneller geht.

Ein Buch das ich vor 25 Jahren sehr geliebt habe, „Angela’s ashes“, auf deutsch „Die Asche meiner Mutter“, von Frank McCourt, habe ich damals im Original gelesen und meiner Mama auf Deutsch geschenkt. Interessehalber habe ich das deutsche Buch mal angelesen, und muss sagen, dass bei vielen Wörtern das Original schöner/treffender war bzw. in der Übersetzung schon einiges verloren ging. Ich erinnere mich noch, dass „wee little brother“ immer mit „kleinwinziger Bruder“ übersetzt wurde, und den Begriff fand ich im Deutschen schon sehr komisch und unnatürlich, ich kenne zumindest niemand, der das so sagen würde. Sprichwörter und Wortwitze lassen sich oft auch ganz schlecht übersetzen.

Wie stark sich Übersetzungen unterscheiden ist mir letztes Jahr wieder aufgefallen, als „1984“ gemeinfrei wurde und viele Verlage eine Neuübersetzung auf den Markt brachten. Auf diversen Internetseiten wurden die Übersetzungen gegenübergestellt, und das war (bzw,. ist, die Seiten gibt es ja noch) schon erstaunlich, wie frei manchmal übersetzt wird. Ich bevorzuge nach wie vor die Übersetzung aus dem Jahr 1984 von Michael Walter (Ullstein) und habe mir sofort nochmal eine Ausgabe gekauft, weil ich Sorge hatte, dass es diese Übersetzung bald nicht mehr geben könnte.

In letzter Zeit habe ich zufälligerweise immer wieder dieselben Übersetzer gehabt, etwa Verena von Koskull aus den Italienischen, und ich meine, hierbei gewisse Eigenheiten der Übersetzer/innen herauszulesen. So scheint von Koskull das Wort „Backfisch“ zu lieben, auch in modernen Kontexten, weil es mir mehrfach bei ihr begegnet ist (aus aus dem Mund heute 40jähriger Protagonistinnen, was ich sehr komisch fand, daher habe ich jedes Mal auf den Übersetzer gekuckt, und es war zufälligerweise immer Koskull :joy:)

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Das ist mir einmal bei einem Simultandolmetscher in Afrika aufgefallen. Der hat ins Französische übersetzt und immer wieder den gleichen Ausdruck benutzt. Da ich nicht die entsprechende afrikanische Sprache beherrschte, fiel mir das nur auf, weil der Dolmetscher in einem sachlich falschen Kontext seinen „Lieblingssatz“ verwendete. Das Problem bei solchen Übersetzungen ist natürlich, dass es in der Originalsprache manchmal keinen entsprechenden Ausdruck gibt.

Vor Simultandolmetschern habe ich größten Respekt - gleichzeitig zuhören, übersetzen und wiedergeben ist wirklich beachtlich. Noch dazu, wenn das Gegenüber vielleicht nuschelt, sehr leise spricht, einen dialektalen Einschlag hat oder Umgebungslärm vorhanden ist.

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Absolut

Ich bin Übersetzerin und habe es nach 20 Jahren Fachübersetzen endlich geschafft, auch die ersten Bücher zu übersetzen. Theoretisch könnte ich natürlich alle Bücher auch im Original lesen, praktisch ist das Hirn nach Feierabend oft so durch, dass ich dann doch auf Übersetzungen zurückgreife, wenn ich nur zum Vergnügen lese. Natürlich fällt einem da manchmal das eine oder andere auf, aber die meisten Übersetzungen gefallen mir richtig gut und wenn es doch mal stärkere Abweichungen zum Original gibt, dann haben die in 99 % aller Fälle einen guten Grund :slight_smile:

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Ich kenne mich in diesem Metier gar nicht aus. So wie du schreibst, klingt es, als wäre es sehr schwer, überhaupt als Übersetzer/in für Literatur einen Fuß in die Tür zu bekommen. Verstehe ich das richtig?

Viele der Bücher, die ich lese, stammen aus der Feder nicht deutschsprachiger Autoren / Autorinnen - von daher: Ja, ich lese übersetzte Bücher. Aus dem englischsprachigen Raum lese ich auch immer wieder mal Bücher im Original, dennoch ist mir eine deutsche Ausgabe lieber.

Ich oute mich und muss leider sagen, dass ich keine Fremdsprache so gut beherrsche, das ich ein Buch im original lesen könnte.

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Das ist leider der falsche Ansatz. Gerade durch lesen erweitert man seine Kenntnisse. Die meiner Meinung effektivste Methode, ist Zeitunglesen und Nachrichten schauen/hören. Natürlich ist das am Anfang extrem schwer. Aber bei nur 15-30 min am Tag kann man eine Sprache in einem Jahr lernen. Das ist dann kein Muttersprachenniveau, aber doch gut. Es gibt auch kein oft zitiertes Sprachentalent, sonst könnten kleine Kinder nicht im gleichen Maße ihre Sprache erlernen. Die meisten Menschen lernen einfach falsch. Und das Schönste, kann man eine Fremdsprache, fallen andere um so leichter. Wer Französisch kann, kommt mit Italienisch und Spanisch zum Beispiel gut voran. Also nur Mut und lernen aktiviert auch die grauen Zellen.:wink:

Ich lerne seit einiger Zeit Spanisch, aber so leicht wie du es darstellst ist es leider nicht. Wenn ich abends von der Arbeit heim komme bin ich einfach nur noch müde und mein Kopf kann nichts mehr aufnehmen. Liegt vielleicht auch an meinen Ü60. Ich hoffe auf die Rente, dann habe ich hoffentlich mehr Zeit und Hirn.

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Oh ja, ich wollte wirklich schon immer Bücher übersetzen, aber es hat fast 20 Jahre gedauert, bis ich endlich einen Fuß in der Tür hatte. Anfangs „nur“ Dark Romance a la 50 Shades of Grey, mittlerweile zum Glück auch Thriller. Literatur wie die, die hier auf Vorablesen verlost wird, ist da nochmal ne ganz andere Hausnummer. Ich habe im Moment die Gelegenheit, mich dank einem Stipendium des Deutschen Übersetzerfonds 4 Wochen mit den Feinheiten der Literaturübersetzens zu befassen, quasi als Bildungsurlaub. Vielleicht schaffe ich es ja dann irgendwann, bei einem großen Verlag den Fuß in die Tür zu bekommen :nerd_face:

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Ich habe gesagt, es ist einfach, wenn man Französisch kann. Und wie gesagt, die Methode ist wichtig. Nur Vokabeln und Grammatik lernen ist nicht die beste Idee.

Ich drücke Dir die Daumen!

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