Ich bin überrascht, dass Ill sich noch so gefangen hat, dass er die Abstimmung seiner Mitbürger annimmt, egal was kommt, und insgeheim auch weiß, dass er sterben wird. Irgendwie aber traurig, dass er nie Stellung zu seiner Tat nimmt und sich zB bei Claire entschuldigt. Warum hat er damals überhaupt so gehandelt? Er dachte doch nicht wirklich, dass er ihr mit einen unehelichen Kind ein besseres Leben ermöglicht als in dem Kaff? Zumal Güllen auch erst später immer verwahrloster wurde, da Claire die Firmen aufkaufte und die Arbeit einstellen ließ. Sie will, dass Ill für seinen Fehler bestraft wird. Aber ist sie wirklich rachsüchtig? Ich verbinde damit Wut und aufgewühlte Gefühle, aber als die beiden im dritten Akt im Wald sitzen (und auch bisher sonst) schwelgen sie in Erinnerungen und Claire meinte hier auch, es wäre „schön ihn zu treffen“ (S 113). Claire agiert oft auch wie Männer, finde ich. Sie tauscht einfach ihre Ehemänner aus, lässt sich nach Lust und Laune scheiden, hat ihr Vermögen durch Heirat und Erbe angehäuft, heiratet im Münster in Güllen, weil sie sich das immer gewünscht hat, der Mann ist nur Requisite und schnell wieder geschieden. Sie sagt auch „Einen Mann hält man sich zu Ausstellungszwecken, nichts als Nutzobjekt“ So wie früher auch nach Adel und/oder Geld und eine hübsche Frau am Arm geheiratet wurde.
Die Anmerkungen finde ich gut. Interessant, dass die Güllener anfangs gar nicht mit Ills Tod gerechnet haben, sondern das Geld irgendwie anders zu bekommen (Irgendwie auch engstirnig, mir war klar, dass Claire nicht nachgeben würde, dass es kein Scherz ist). Dass sie sich später ihre Tat aber schön reden „Nicht des Geldes wegen“, „Wer reinen Herzens die Gerechtigkeit verwirklichen will“, ist auch tragisch. Doppelmoral, wie der Polizist und die anderen Ill für sein damaliges Verhalten beschimpfen (war schlimm), aber selbst nicht merken, dass sie gerade jemanden für Geld ermorden, während der Polizist eigentlich Recht und Ordnung sorgen müsste (Todesstrafe war ja schon abgeschafft). Wobei die Güllener lange gelitten haben, das Geld von Claire, ob es jetzt greifbar war und Ills Verurteilung gerecht oder nicht, war ein Hoffnungsschimmer, den sie nie und nimmer aufgegeben hätten. Alleine wegen der Armut und des möglichen Wohlstandes: „Entweder krepiert einer, oder wir krepieren alle“ (alternativer 3. Akt). Den alternativen 3. Akt finde ich besser, da kommt mehr Gefühl und Hintergrund zum Vorschein.
Wie ist Ill eigentlich gestorben? Der Moment war so versteckt. Wurde er in der Menschentraube erstickt oder zu Tode getrampelt? Letztendlich ist es wohl egal, wer er es getan hat, weil es die Gemeinschaft war, aber mich hätte schon interessiert, wie sie es lösen. Welche Person sie für die Tat auswählen etc.
Die Begriffserklärung am Ende finde ich teilweise seltsam. Man wird vom Kritiker, zu U und dann X geführt, aber nichts Sinnvolles dazu gesagt. Erinnert mich an die Redewendungen, jemanden ein X für ein U vorzumachen 