Ich, die ich Männer nicht kannte

Ja, aber das hast Du wohl falsch verstanden - es ging darum, dass Experten innerhalb EINER DISZIPLIN bzw. eines Fachbereichs zu sehr unterschiedlichen Erkenntnissen kommen können.

OK; das habe ich aus Deinem Post tatsächlich so nicht rausgelesen.

Ich gebe auf jeden Fall Bescheid, sollte ich das Buch doch noch lesen. Neugierig wäre ich ja nach wie vor, aber die Lesepläne stapeln sich auch schon wieder. :books:

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Mit 244 Seiten ist es zumindest recht dünn, und es lässt sich sehr gut lesen. Mein imaginärer Will-ich-Lesen-Stapel wächst momentan auch zu schnell….

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Huch, ich hatte mir eigentlich so auf dieses Buch gefreut, mir richtig schön ausgemalt wie ich nach einer anstrengenden Woche mit einem so gut beworbenen Buch einfach mal ausspannen kann. Aber deinen Ausführungen lassen mich eher vermuten, dass es eine eher schwierige und seltsame Lektüre werden wird.

Ich bin sehr gespannt, hatte mich eigentlich gerade auch wegen des Vergleichs mit Atwood auf einen echt guten (feministischen ) eingestellt und wie gesagt auch ein bisschen aufs Wochenende mit diesem Buch hingefiebert. :melting_face:

Mit Atwood zu werben, finde ich fatal, weil ich (jedenfalls) dann eine historisch und naturwissenschaftlich gebildete Autorin mit listigem Humor erwarte. Und das ist eher unwahrscheinlich. - Ich habe gerade angefangen zu lesen und denke, das Buch hat etwas, aber auch viel, das die Lektüre mühsam macht.

Ja, die Ansprüche, die durch Werbung mit so einem Klassiker entstehen sind schon eher hoch, weiß auch nicht, ob man sich damit wirklich einen Gefallen getan hat. Ich werde sehen, was die Geschichte so bringen wird.

Gestern Abend hab ich das Buch beendet und bin tatsächlich wie ihr noch etwas im Nachsinnen. Irgendwie hatte das Buch einen Sog und gleichzeitig auch etwas Merkwürdiges. Ein bisschen wie ein schlechter Traum, der sich nicht ganz einordnen lässt.

Ob es ein feministischer Roman ist? Mmh, die Erzählerin ist ja die einzige, die nicht im klassischen Patriarchat aufgewachsen ist. Während die anderen Frauen rasch resignieren, aufgeben bzw. sich mit wenig begnügen, ist sie die einzige, die sich geistig anhaltend fordert, sich eher progressiv und weiterstrebend verhält. Am Ende landet sie dennoch in einem Keller - zwar wohnlich und gemütlich ausgestattet, aber einsam. Überhaupt hat mich die menschliche Isolation, was sich ja als Grundthema des Buches wirklich bis zum letzten Moment durchzieht, zutiefst deprimiert. Als Bild ist mir u.a. auch die landschaftliche Weite im Kopf geblieben, in denen es kaum Blumen und Insekten gibt (jaja, die Assoziation mit den Blumen und den Bienchen aus dem Sexualunterricht älterer Tage könnte man vielleicht haben). Es wirkt alles so karg und leblos.

Bei dem Buch wünschte ich mir tatsächlich ein gemeinsames Kaffeekränzchen mit der Autorin, weil ich soviele Fragen habe, auch was ihre Hintergründe für diesen Roman sind.

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Darüber habe ich auch lange gedacht, ob die Passivität der Frauen, die die alte Welt kannten, dem Patriarchat zugeschrieben werden soll. Aber irgendwie ist mir das zu einfach. Die Autorin weist ja mehrfach darauf hin, dass die Frauen einen niedrigen Bildungsstand hatten, aber ein Studium braucht man zum Überleben in der Wildnis eher nicht, Kopfmenschen sind da vielleicht sogar schneller überfordert. Und die namenlose, aber engagierte junge Frau ist die ungebildeste von allen. Die Sehnsucht der Frauen nach Männern, Sex und Fortpflanzung implizit auf das Patriarchat zu schieben, greift für mich zu auch kurz. Sexualität dürfte ein Grundbedürfnis der meisten Menschen sein, und der Wunsch, die Gene weiterzugeben, damit nach dem eigenen Tod etwas bleibt, ebenso. Wenn das Buch mir sagen will, dass die Frauen nie gelernt haben selbstständig zu denken, weil sie vom Patriarchat unterjocht waren, und somit mit der Lage in dieser merkwürdigen Welt völlig überfordert waren, finde ich das zu allgemein. Ich kann mir nicht helfen, auf mich wirken sie wie kopflose Hühner, auch wenn das jetzt gemein klingt, und ich ärgere mich richtig über die Darstellung der Frauen. Sie ziehen zB die versifften Matratzen aus den stinkenden Räumen mit den uralten mumifizierten Leichen, um darauf zu schlafen??? Warum haben sie denn nicht wenigstens versucht, sich neue zu machen, aus alter Kleidung, gefüllt mit Moos und getrocknetem Wassergras? Und sie können Eiben nicht von Buchsbäumen und Lärchen unterscheiden? Das gelingt sogar mir, und das will was heißen. Sie laufen in ihren zerfetzten Kleider rum, anstatt sich die Hemden und Hosen aus den Spinds in den Kellern zu holen?

Mir ist das Buch heute tatsächlich auch den ganzen Tag nicht aus dem Kopf gegangen, und ich überlege immer noch, wo es spielt. Eigentlich muss es die Erde sein, weil alles viel zu erdähnlich ist, um auf einem Exoplaneten möglich zu sein. Aber wenn alles radioaktiv oder biochemisch verseucht ist, woher stammt dann das unbelastete Essen in den Kellern? Aus einem unversehrten Teil der Erde? Und warum spüren die Frauen keine Auwirkungen, immerhin trinken sie Flusswasser, arbeiten mit dem Lehm, atmen die Luft ein. Offenbar sind fast alle Tiere und Pflanzen ausgestorben, aber dennoch gibt es zB Wald, einzelne Bäume, Gras. Nirgendwo steht, dass das irgendwie krank aussieht, was eigentlich zu erwarten wäre zB bei Radioaktivität (siehe roter Wald von Tschernobyl).

Die Grundidee des Buches finde ich super, aber die Umsetzung ist schon sehr speziell.

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Ich hab mir auf Reddit einige Diskussionen zum Buch durchgelesen und muss sagen, dass es sich mir dadurch doch noch mehr erschließt. Auch wenn man Hintergrund der Autorin bedenkt.
Ich sehe es als eine Art Rohrschach Test in Buchform. Jede und jeder kann und soll sich selbst seine Gedanken machen.
Es war überhaupt nicht das was ich erwartet hattet. Es hat sich aber trotzdem ziemlich in meinem Kopf breit gemacht und ich habe viel und lange drüber nachgedacht und es letztendlich auch gut bewertet.

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Das kommt wahrscheinlich hin. Die Reaktion auf das Buch dürfte sehr viel über den Leser selbst verraten. Extrem methodisch-analytische Menschen wie ich können ihm vermutlich wenig abgewinnen, weil das Grundkonzept logisch hanebüchen ist. Ich habe knappe 3 Sterne vergeben (und das auch nur, weil ich die Grundidee mag und den Schreibstil) und keine Leseempfehlung.

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Ja, absolut nachvollziehbar.
Die Autorin hatte wohl einen Faible für Persönlichkeitstests, Psychologie und Weltraumforschung. Das ist da irgendwie alles rein geflossen würde ich sagen.
Und ja, es ist im logischen absolut hanebüchen.

Die Reddit Theorien waren entsprechend auch weit gefächert. Es gab auch welche die anhand der wenigen Informationen die man im Buch bekommt, vollkommen nachvollziehbar auf die Idee kamen, dass es sich um ein Computerprogramm handelt das abgestellt wurde und nun langsam runterfährt.
Mir am besten hat die Theorie gefallen, dass es sich um ein Terraforming Projekt gehandelt hat das schief gegangen ist und somit quasi noch am Anfang gestoppt wurde und die Menschen dann sich selbst überlassen wurden (in den Käfigen).

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Immerhin regt das Buch zu Diskussionen und intensiven Nachdenken an, das ist doch auch etwas Schönes!

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Ich sehe es als Übungseinheit zur Teambildung. Entwickelt in drei Gruppen im Konsens Modelle zur Erkundung der Umgebung des Kellers. Wer überlebt?

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Ich bin gerade so grob bei der Hälfte und muss sagen, dass ich mich in weiten Teilen der Meinung hier anschließen muss. Bin mir noch nicht ganz sicher, wie ich darüber denken soll, ich glaub ich muss die Geschichte fertig lesen und dann auch noch etwas sacken lassen :sweat_smile:

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Ich hab das Buch gestern Abend tatsächlich noch beendet und es gehen mir noch einige Gedanken im Kopf um. Den Vergleich mit Atwood empfinde ich nach wie vor sehr gewagt, gerade auch weil der Klappentext ansonsten ja eher knapp gehalten ist. Und auch schon ganz allgemein muss ich irgendwie sagen, dass mir das Buch nicht wirklich feministisch vorkommt. Außer der Ich-Erzählerin haben die Frauen dafür für mich schon zu früh mit dem wie es (vermeindlich ) zu sein scheint abgeschlossen, ich hätte mir da irgendwie mehr Drang zur Veränderung, eine Art Aufbäumen gegen die Umstände, die sie versuchen klein zu halten, gewunschen. Auch die Tatsache, dass die Älteren nur so stückchenweise ihr Wissen weiter geben wollen, weil es ja “eh nichts bringt” hat mich stellenweise echt enttäuscht. Den Aufruf es zur Pflichtlektüre zu machen ( und allgemein den Hype, der auch gerade über Booktook entstanden ist) kann ich mir am ehesten damit erklären, dass es schon ein paar Ansatzstellen für Diskussionen enthält und dass glaub ich jede Person, abhängig von dem wie sie lebt und welche Erfahrungen schon gemacht wurden, die Geschichte etwas anders aufnimmt. Dennoch muss ich aus meiner eigenen Erfahrung leider sagen, dass genau solche Bücher als Schullektüre meistens eher untergehen. Wenn Lehrpersonen zwanghaft versuchen ein solches Buch für eine gesamte Klasse aus unterschiedlichsten Menschen ( manche, die bisher nur gelesen haben wenn sie mussten, andere deren Bücherregale mit den Jahren immer vielfältiger wurden) herunterzubrechen, geht angesichts des häufig eher straffen Lehrplans die Quintessenz verloren, weil für all die Diskussionen, die möglich und nötig wären, einfach die Zeit fehlt.

Ich würde sagen, ich kann all eure Kritikpunkte echt sehen und zu überwiegenden Teilen auch gut nachvollziehen. Für mich ist es alles im allem wahrlich kein schlechtes Buch, ich würde sagen die Idee ist super interessant, die Umsetzung teilweise eher schräg und das Marketing an manchen Stellen glaub ich etwas zu ambitioniert ( siehe Vergleich mit Atwood)

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Evtl. hätte hier ein informatives Nachwort gutgetan. Die Frauenbewegung hat sich ja im Windschatten von Antimilitarismus mit matrilinearen Gesellschaften befasst, suchend, ob reine Frauengesellschaften an sich “friedlicher” wären. Mit dem Erscheinungstermin Mitte der 90er und dem Wissen, dass Science Fiction von und über Frauen bis dahin ein Schattendasein geführt hatte, gibt die Einordnung “feministisch” zum ZEITPUNKT des ERSCHEINENS durchaus Sinn. Siehe Françoise d’Eaubonne - Der Mandelplanet (1981)

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Ja, so eine Einordnung wäre sicherlich hilfreich gewesen. Den Gedanken, dass die Welt sich in den letzten 30 Jahren (glücklicherweise) weitergedreht hat und dass der Feminismus sich deshalb auch gewandelt hat, hatte ich während des Lesens schon auch. Aber für mich sollte dann auch das Marketing irgendwie auch daran angepasst sein,…

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Das Nachwort hat mir auch gefehlt.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, trotz der vielen Fragen, die offen bleiben.

Das Feministische hat mir auch gefehlt, zumindest aus heutiger Sicht.

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Der Roman fand,soweit ich das übers Internet recherchieren kann, bei Erscheinen und in den letzten 30 Jahren auch kaum Beachtung, und der Vergleich mit dem Report der Magd, der überall gezogen wird, geht wohl auf eine Rezension von Kirkus Reviews (Büchermagazin) damals zurück. Woher der Hype jetzt genau kommt, ist niemandem so recht klar, wenn man sich Artikel zB aus dem Guardian dazu ansieht. Geschicktes Marketing, Booktok-Lawine, die sich verselbständigt hat, Inhalte die irgendwie den Nerv der jüngeren Generation treffen…

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