Verstehe. Als mein Sohn 7 war, hätte ich ihm die meisten Aufklärungsbücher auch nicht gegeben, weil ich denke, dass man mit 7 noch nicht alles wissen muss, und es genügt, über das zu sprechen, wonach die Kinder selbst fragen bzw. was sie ggf. beschäftigt. In Bayern ist das Thema auch in der 4. Klasse erstmals im Lehrplan. Inzwischen ist er 11, da sollte das Buch zumindest laut Altersangabe passen, und in diesem Alter würde ich auch keinen Aspekt mehr ausklammern.
Ich habe mir gerade die Leseproben für Penis und Vulva! angeschaut und bin echt nicht beeindruckt.
Ich habe einen Unterschied in den Tonfall bemerkt, was unterschwellig einfach Stereotypen fortführt.
Schon bei der Erklärung des Gender-Sternchen weichen die Texte voneinander ab: Für die Mädels wird „Schüler innen“ als Beispiel benutzt, für die Jungs, „Lehrer innen“. Also schon vom Beginn an werden Mädchen unterbewusst eine passive Rolle vorgestellt, und Jungs, eine aktive Rolle. Warum war es notwendig, genau da einen Unterschied zu haben??
Und einige Seiten später, bekommen Jungs, in stolze Gliederungspunkte aufgelistet, eine volle Seite von Wörtern für Penis, mit einer ganz neutrale Erklärung, dass es einfach viele Wörter gibt. Währenddessen bekommen Mädchen fast eine ganze Seite über Scham und Tabus. Und ganz unten, unauffällig, ein paar Wörter.
Und auch das Diagramm für die Entwicklung der Genitalien: In Vulva! werden die Varianten vertikal abgebildet, also Vulva links, Penis rechts, aber in Penis! ist der Penis oben und die Vulva unten. Vielleicht bin ich da überempfindlich, aber als Mutter von 2 Jungs und sehr bewusst, dass unsere Kultur noch zu männlich-zentriert ist, finde ich es schade, dass hier auch, das Buch unbewusst (im Besten Fall) den Jungs den Eindruck geben, den „Vorrang“ zu haben.
Ehrlich gesagt bin ich da nicht so empfindlich, was jetzt vertikal oder horizontal abgebildet ist. Es sind ja auch unterschiedliche Autor:innen am Buch beteiligt und der Drucksatz muss zudem passen (gerade Seitenzahl, duch 8 teilbar etc). Und es ist - gerade durch das Patriarchat - nun halt mal so, dass v.a. die weiblichen Genitalien mit Scham stärker behaftet sind, so dass das im Vulva-Buch eine größere Rolle spielt. Ich empfinde Schüler:innen auch nicht als passiv - wozu auch, man lernt ja auch aktiv in der Schule, oder nicht?
Einen unterschiedlichen Tonfall habe ich auch bemerkt, das Vuvla-Buch wirkt auf mich insgesamt etwas zu bemüht um einen lockeren und kumpelhaften Ton. Mich stört viel mehr, dass hier eine so unnütze Wortneuschöpfung wie Vulvina propagiert wird, die exakt dasselbe bezeichnet wie Vulva. Und Vagina wird als negativ dargestellt. Man kanns echt übertreiben, hier ist mir das Buch viel zu politisch. Mir ist zudem aufgefallen, dass das Vulva-Buch bei der Entstehung der Geschlechtsteile inter-Ausprägungen im Phänotyp erwähnt, das Jungsbuch nicht.
Was mich stört ist, dass Mädchen stolz auf ihre Vulva sein dürfen (S13), Jungs aber offenbar nicht auf ihren Penis.
Davon abgesehen sind beide Bücher erfrischend anders, die Cover finde ich genial, und v.a. das Jungsbuch gefällt mir sehr, sehr gut bisher.
Mit den neuen Illustrationen bei der Schule der Magischen Tiere ist die Reihe für meine Tochter nun nicht mehr interessant. So schade ![]()
Aber wie stark doch die Junior-Vorschau in 14 Tagen ist! Gleich acht Titel und so viel Tolles dabei! Ich bin begeistert ![]()
Ohne schon in die Bücher hineingeschaut zu haben…
Aber zu diesem Punkt möchte ich ergänzen, dass es nun mal eher so ist, dass Mädchen häufig schambehaftet mit ihrem Körper/ihren Geschlechtsteilen umgehen, während Jungs in der Regel doch deutlich selbstbewusster mit ihrem Penis umgehen. Ich denke also, dass Mädchen hier eher Bestärkung brauchen und Jungs nicht „noch mehr“.
Ich weiß, was Du meinst. Aber ich finde es generell befremdlich, „stolz“ auf ein Genital zu sein, als wäre das eine besondere Leistung. Stolz ist sowieso ein schwieriges Gefühl, das schnell dazu führt, auf anderes herabzusehen. Wenn schon, dann kann man stolz sein, wenn man etwas Tolles geschafft hat. Ich bin nicht „stolz“ darauf eine Vulva zu haben oder eine Frau zu sein, für mich ist das Geschlecht wertfrei.
Den Aspekt kann ich verstehen, gleichzeitig läuft in Sachen eigener Körperwahrnehmung so vieles falsch. Insbesondere bei weiblichen Körpern. Warum da nicht ein bisschen „stolz“ sein?!
Ja, ein ganz schwieriges Thema. Ich bin gespannt, wenn jetzt mein Sohn in die Pubertät kommt, wie das heutzutage läuft. Ich erlebe viele Mädchen seines Alters als sehr selbstbewusst, und sehe im Gegenzug aber auch viele Jungs, die Selbstzweifel haben. Gerade durch Insta und Co. wird auch Jungs ein völlig falsches und utopisches Männerbild aufgebürdet, und man vergisst gerne, dass es auch Männer bezüglich des Erwartungsdruckes von außen nicht leicht haben, auch und gerade bei Intimthemen. Das alte Männerbild ist noch lange nicht passe, und gleichzeitig müssen sie ihre Rolle als moderne Jungs finden, das ist auch nicht immer einfach und manchmal ein Widerspruch in sich. Meiner Wahrnehmung nach ist es für beide Geschlechter nach wie vor schwer, die eigene Identiät und eine gesunde Körperwahrnehmung zu entwickeln.
Ich habe mir die Vorschau auch gerade angesehen und bin von der Auswahl begeistert. Auch wenn mein kleiner Leser für viele Bücher noch zu jung ist. Ein paar der Titel gefallen mir richtig gut und da werde ich mir sicher die Leseproben anschauen.
Und wieder einmal ist ein Marc-Uwe Kling Buch dabei. Gefühlt kommt derzeit alle paar Wochen ein neues Buch von ihm heraus. Oder es fällt mir derzeit einfach nur verstärkt auf? Ich weiß es nicht, aber langsam bin ich MUK gesättigt. ![]()
Genau den gleichen Gedanken hatte ich auch, als ich die Vorschau gesehen habe.
Ich musste über den Titel des MUK-Buchs herzlich lachen. Ich könnte den Namen „Max“ durch den Namen meiner Tochter ersetzen und das Buch würde perfekt zu unserer Fahrt in den Sommerurlaub gepasst.
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Hast du schön geschrieben!
Ich hab daheim zwei Musterbeispiele, mein Sohn sensibel und schon mit 4 Jahren hat er selbstzweifel, meine Tochter mutig und selbstbewusst! Beide wurden fast ausschließlich von mir betreut und meine tochter kommt jetzt erst in den Kindergarten! Vieles sind auch Charakterzüge und schon auch Biologie
man kann ihre Wahrnehmungen schärfen und auf gewisse Themen sensiblisieren, aber totüberlegen und zu extremisieren find ich auch nicht gut
bin gespannt auf die LP, die muss ich mir jetzt noch ansehen!
Ich habe auch einen sehr sensiblen und introvertierten Sohn, der sich zunehmend Gedanken macht, und ich erlebe die beginnenden Selbstzweifel hier hautnah mit.
Oh je, das war ja ein perfekter Start in den Urlaub! Als kleines Kind hab ich das auch mal fertiggebracht, allerdings auf der Heimfahrt. ich erinnere mich auch nach fast 40 Jahren noch daran…
Bin ganz deiner Meinung. Das Problem ist genau das: Jungs sollten stolz auf ihren Penis sein. Das impliziert auch, wer keinen Penis besitzt, hat diesen „Stolz-Punkt“ nicht.
Und was, wenn man sich mit einem Penis nicht wohl fühlt?
Liest Du das irgendwo aus der Leseprobe raus (ich bisher nicht) oder meinst Du das eher allgemein?
Ich meine im Allgemeinen. Es war nur ein Beispiel, wie solche Gefühle unbewusst vermittelt werden können.
Und als Mutter von zwei Jungs mache ich mir schon Sorgen, wenn ich höre, wie Jugendliche heutzutage radikalisiert werden.
Hmm, in unserem Umfeld ist mir das bisher nicht aufgefallen, vielleicht macht die kleinstädtisch-beschauliche Lage hier auch etwas aus. Problematisch sehe ich bis jetzt eher die (A-)sozialen Medien, von denen wir momentan unseren Sohn noch weitestgehend fernhalten, aber das wird sich nicht mehr lange halten lassen. Ich spüre aber schon, dass er jetzt, mit einsetzender Pubertät, sich viel stärker zu vergleichen beginnt und sich fragt, wie er auf andere wirkt.
Ist ein bisschen Off-Topic, aber kennst Du den Film KPop Demon Hunters? Der geht in der Jahrgangsstufe unseres Sohnes gerade auf Netflix viral und ich bin kürzlich erschrocken, als er ein Bild der drei Mädels, die darin vorkamen, am Bildschirm hatte und abmalen wollte. Diese klapperdürren Gestelle mit der Mini-Taille und den unnatürlich langen Beinen lassen selbst Barbie dick aussehen. Ich hatte echt gehofft, dass wir diese dämlichen Körperbilder mit den 90ern hinter uns gelassen haben, aber weit gefehlt. Mein Mann und ich haben ihm dann einen langen Vortrag über reale, gesunde Frauenkörper und -proportionen gehalten, was er natürlich augenrollend über sich ergehen ließ („Jaaaaaa, weiß ich doch Mamaaaa
…“). WARUM, frage ich mich, bringt die Pop-Kultur immer wieder so einen Sche*ß auf den Markt und macht alles zunichte, was man jahrelang mühsam errungen hat? Was ist mit Body Positivity usw? Sind das nur Lippenbekenntnisse und am Ende zählt doch nur wieder der ultradürre Size Zero Körper als schön? Man kann sich den Mund fusselig reden, die Bilder bleiben bei den Kids dennoch im Kopf
Als Eltern ist das echt zum Verzweifeln!
Ja, ich wir kennen KPop Demon Hunters. Meine Kinder lieben die Lieder, aber mein Großer (fast 7 Jahre) hat sich noch nicht den ganzen Film anschauen können, er hat nämlich bei der Szene, wo Rumi wegeh ihre Dämonenmuster abgehauen is, geweint. (Das ist ein Trigger-Thema bei ihm, wenn eine Figur traurig und alleine ist. )
Er hat aber irgendwann angemerkt: „MAMA! Ich glaube Kpop Demon Hunters und Frozen von der gleichen Firma gemacht wurden, weil sie alle gleich aussehen! Sie haben alle so lange Beine!!“
Also ja, auch ein Sechsjähriger merkt das.
Size Zero hat gerade tatsächlich wieder ein Comeback. Es werde auch wieder viele Pro Ana-Tipps verbreitet, häufig unter anderem Label.