ich oute mich: Ich schaue mir unglaublich gerne Longlists und Shortlist von diversen Buchpreisen an. Vielleicht haben auch andere Leser*innen hier Lust sich zu dem Thema auszutauschen?
Heute morgen wurde die Shortlist des Womens’ Prize for Fiction verkündet. Kennt ihr eines der Bücher? Was denkt ihr zur Nominierung? Könnt ihr Bücher dieser Liste empfehlen?
Die Nominierten sind:
Aria Aber, Good Girl Miranda July, All fours Sanam Mahloudji, The Persians Yael van der Wouden, The safekeep Nussaibah Younis, Fundamentally Elizabeth Strout, Tell me everything
Ich glaube bis auf Fundamentally liegen alle Romane bereits in deutscher Übersetzung vor.
Good Girl liegt hier noch als ungelesenes Reziexemplar, bei The Persians sagte mir damals die Leseprobe bei VL überhaupt nicht zu, aber The Safekeep habe ich gelesen. Hier hatte ich fest mit einer Nominierung gerechnet. Das Buch ist ganz eigen und wartet mit einem überraschenden Twist auf (bloß keine Rezis lesen!!! Sonst wird man ganz schnell gespoilert und die Überraschung ist dahin).
Was sagt ihr zur Liste? Welchen Roman seht ihr auf dem Siegertreppchen?
(Wichtig: Das hier ist kein Raum, um mir jetzt zu sagen, dass ihr Buchpreise total doof findet, sie euch nicht interessieren und dass das alles totaler Quatsch ist. Darum geht es mir nicht , denn ich habe einfach Lust auf Austausch zu nominierten Werken. Wer Lust hat sich hier auszutauschen, ist genau richtig. )
Ich habe auch eine Schwäche für Preise und fiebere jedes Jahr der Longlist des Deutschen Buchpreises entgegen!
Vom Womens’ Prize for Fiction habe ich, wie du, „In ihrem Haus“ schon gelesen und sehr sehr gut gefunden (und auch spannend, weil ich abseits von Anne Frank wenig über die NS-Zeit und vor allem dann auch den Umgang damit danach wusste).
Die Perserinnen haben mir damals auch gar nicht zugesagt, nun bin ich wieder am Überlegen. Es gibt sie schon bei meiner Bibliothek in der Onleihe.
Ich wollte heute mal kurz in Good Girl reinlesen - und kann nun nicht mehr aufhören mit lesen. Ich gebe zu, dass ich normalerweise ungern über Drogen- und Partyexzesse lese, aber Aria Abers Schreibstil ist eine Wucht!
Letztes Jahr hatte ja Demon Copperhead gewonnen und das Buch habe ich nach 400 Seiten abgebrochen.
Zum deutschen Buchpreis: Da bin ich auch immer wahnsinnig gespannt! Ich habe bisher von meinen gelesenen Romanen noch keinen ausgemacht, den ich auf der Longlist sehe. Aber ich tippe mal darauf, dass „Halbinsel“ auf der Liste landet, wo die Autorin gerade den Leipziger Preis der Buchmesse erhalten hat.
Bisher kannte ich diesen Preis ehrlich gesagt noch gar nicht. „In ihrem Haus“ klingt aber sehr interessant, das werde ich mir auf jeden Fall näher ansehen.
Ich verfolge Preisvergaben auch sehr gerne. Beim Booker Prize weiß ich inzwischen, dass die Nominierten eher nicht mein Geschmack sind, aber den Deutschen Buchpreis, den Leipziger Preis der Buchmesse, den Pulitzer Preis und auch den Deutschen Jugendbuchpreis verfolge ich immer und freue mich auf die Longlists.
Gerade beim Jugendliteraturpreis sind immer ganz tolle Inspirationen für uns dabei, und ich freue mich total, dass es „Elektrizität und Himmelsfische“ bei den Jugendbüchern unter die Nominierten geschafft hat. Ich fand dieses Buch ganz toll, aber es ist schon auch sehr speziell und tiefgründig, und nichts, was man mal so schnell nebenher wegliest. Eher die Kategorie Klassenlektüre. Der Titel ist ein bisschen seltsam auf Deutsch, im Original ist es „Sidi i smotri“ (Sitz und sieh") und damit eine herrliche Reminiszenz an den Antikriegsfilm „Idi i smotri“ („Geh und sieh“ in der DDR und wörtlich übersetzt; „Komm und sieh“ in der BRD) von Elem Klimov.
Einen heißen Kandidaten habe ich heuer auch noch nicht ausgemacht, aber ich würde natürlich Wolf Haas mit Wackelkontakt gerne auf der Longlist sehen. Halbinsel habe ich noch nicht gelesen, ich schätze aber auch, dass sie nach dem Preis von Leipzig gute Chancen hat. Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste fand ich ja auch sehr erfrischend, aber es passt beim Deutschen Buchpreis eher nicht ins Schema. Halbe Leben würde ich eine Nominierung auch gönnen.
Die Preisträger des Seraph 2025
Theresa Hannig, Freya Petersen und Kai-Holger Brassel sind auf der Leipziger Buchmesse mit dem renommierten Literaturpreis SERAPH ausgezeichnet worden. Oliver Graute erhielt einen Ehren-SERAPH für sein langjähriges Wirken im Dienst der Phantastik.
Für das Beste Debüt ging der begehrte Literaturpreis an Freya Petersen mit „Die Mutter der Masken – Säure“ (Nova MD). In der Kategorie Bestes Buch freute sich Theresa Hannig über den SERAPH, die sich nun dank ihres Romans „Parts per Million“ (FISCHER Tor) bereits die dritte Engelsstatue ins Regal stellen kann. Den SERAPH für den Besten Independent-Titel gewann mit „All An!“ (Tredition) der Autor Kai-Holger Brassel.
Beim Jugendliteraturpreis sind wirklich immer ganz tolle Nominierungen dabei. Ich habe hier immer noch „Durch das große Feuer“ und „Der beste Beweis bist du selbst“ liegen, die im letzten Jahr nominiert waren ( und hat Alice Winn nicht sogar gewonnen?!). Ich konnte beide als neuwertige Mängelexemplare ergattern und musste sie dann einfach kaufen.
Den Roman von Alice Winn hatte ich seit dem Kauf immer wieder in der Hand, doch dann hat mich das Kriegsthema jedes Mal abgehalten. Dabei wird der Roman so gut besprochen und ich bin mir sicher, dass mir das Buch gefallen wird.
Wackelkontakt ist sicherlich auch ein heißer Kandidat. Halbe Leben könnte ich mir auch auf der Longlist vorstellen.
Ich hoffe, dass es dieses Jahr auch mal ein paar mehr kleinere Verlage mit ihren Veröffentlichungen auf die Liste schaffen. Es sind ja doch überwiegend die großen Verlage, die eine Nominierung bekommen.
Das Buch von Alice Winn, das den Preis der Jugendjury bekommen hat, steht auch noch auf meiner Wunschliste. Ich hab mich da auch sehr für den kleinen Eisele-Verlag gefreut, der oftmals wirklich tolle Bücher hat (durch den Eisele-Verlag habe ich meine Vorliebe für Niccolo Ammaniti entdeckt).
Er schreibt ein bisschen speziell. Ich mag es, dass er mit ungeheurer Erzähllust seine Figuren ins Extreme treibt, menschliche Abgründe auslotet, was mich ein bisschen an Dürrenmatt erinnert. Ich habe von ihm Intimleben, Fort von hier und Ich habe keine Angst gelesen. Letzteres weckt sofort Assoziationen mit Goldings Der Herr der Fliegen, und interessanterweise wurde es früher auf Deutsch unter Der Herr der Hügel verlegt, bevor man die wörtliche Übersetzung des italienischen Titels nahm. Fort von hier ist sprachlich leider in manchen Szenen etwas vulgär, was auch am Milieu liegt, das er darin beschreibt, daher würde ich das eher nicht jeder/jedem empfehlen.
Oh, es heißt immer, man muss Demon Copperhead unbedingt lesen!
Ich tippe auch auf Halbinsel beim Buchpreis, außerdem würde ich mich neben Halbe Leben auch für Mit dir möchte ich im Himmel Kaffee trinken freuen. Ich glaube, die letzten beiden sind aber eher Longlist- als Shortlistkandidaten.
Gefühlt lieben alle Demon Copperhead, aber bei mir war nach 400 Seiten einfach die Luft raus. Das Buch ist überhaupt nicht schlecht, aber ich hatte irgendwann das Interesse an Demons Geschichte verloren. Ich hatte keine Lust mehr auf weitere 400 Seiten.