Buchcover immer ähnlicher?

Ich glaube, dass die Leute ihren Frust über die „Rücksichtslosigkeit“ einfach nicht richtig kommunizieren können und es daher reflexartig abwerten: Ich finde, dass man seit ein paar Jahrzehnten schon erwarten kann, dass in der „Öffentlichkeit“ Hochdeutsch gesprochen wird und Dialekte „nur“ innerhalb der Familie oder im (entsprechend homogenen) Freundeskreis, einfach damit alle einen verstehen!?

Ich habe sehr viele Kollegen und Kolleginnen, die so richtig altes Schwäbisch sprechen, die sind auch zw. 65 und 85 (ja, wirklich 85!!!), und ich frage mich dann immer, wieso die sich nie angewöhnt haben, bei der Arbeit „allgemein verständlich“ zu sprechen.

Das sehe ich anders, und ich finde Dialektsprecher nicht a priori rücksichtslos. Toleranz ist keine Einbahnstraße, und wenn beide Seiten sich bemühen, dann sollte das klappen. Mein Chef früher hat breites Hessisch auch im Beruf gesprochen (IT, kein Kundenkontakt), und die bayerischen Kollegen haben ihn alle verstanden. Wenn man sich Mühe gibt, hört man sich da sehr schnell rein. Wenn die Dialekte immer weiter ins Private gedrängt werden, verlernen wir, unterschiedliche Dialekte zu verstehen. Vor einigen Jahrzehnten war auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch deutlich mehr Dialekt zu hören.

Wenn Du in Schwaben arbeitest, finde ich es völlig normal, dass Du da auch mit Dialektsprechern in der Arbeit rechnen musst. Wenn Du das wirklich nicht verstehst, sollten sich die Kollegen bemühen, sich mit Dir auf Umgangsdeutsch unterhalten, aber eine generelle Pflicht, Hochdeutsch im Beruf zu sprechen, fände ich falsch. Ausnahmen sind Berufe mit viel Kundenkontakt, hier sollte Umgangsdeutsch oder Hochdeutsch die Regel sein.

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Ja, wenn man „sesshaft“ ist kann man sich schon anpassen, aber viele Leute arbeiten heute ein paar Jahre hier, ein paar Jahre da, da kann man meiner Meinung nach nicht erwarten, dass sie den Dialekt immer lernen.

Zudem ist es ein verbreitetes, historisches Phänomen, dass Dialekte unter Druck geraten, wenn sich Gesellschaften verändern und unsere Gesellschaft wird nun einmal immer heterogener, was ich persönlich interessant und bereichernd finde.

Daher hat es für mich persönlich etwas mit weltoffen und modern sein zu tun, in der Öffentlichkeit allgemein verständliches Deutsch zu sprechen. Natürlich sollte es keine Pflicht geben, das darf es in einem demokratischen Land gar nicht, wie ich finde. Aber es gibt ja auch keine Pflicht in der Öffentlichkeit höflich zu sein, ich finde es dennoch einfach erstrebenswert - und wenn Menschen etwas „Nettes“ „Hilfreiches“ etc. tun, obwohl sie nicht müssen, dann denke ich: Schön, da geht jemand aufmerksam und rücksichtsvoll durch Leben.

Und: meine entsprechenden Kolleginnen und Kollegen arbeiten in einem Bereich, der zu 90% aus Kundenkontakt besteht, aber das beeindruckt die gar nicht :wink:

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Jetzt bin ich echt neugierig: versteht ihr echt “eure” Dialekte nicht?
Natürlich gibt es regional spezifische Ausdrücke, aber vereinzelt, die kann man nachfragen. Aber so insgesamt mein ich??
Ich hätte vielleicht nur Probleme bei “tiefstem Vorarlbergerisch”, aber ansonsten versteh ich nicht, dass ihr da solche Probleme habt, versch. Dialekte zu verstehen ?! :thinking:

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Wie bereits erwähnt, geht es um „altes Schwäbisch“. Wenn man einen schwäbischen „Akzent“ hat, aber „allgemein verständlich“ spricht, habe ich natürlich keine Probleme. Aber wenn sich spezielle Dialekt-Ausdrücke mit dem, für mein Empfinden, „speziellen Sound“ mischen, verstehe ich nur noch Bahnhof :wink:
Aber das ist doch nichts Besonderes? Bei Reportagen gibt es doch auch manchmal Hochdeutsch-Untertitel, wenn jemand etwas erzählt und dabei Dialekt spricht …

Witzige Anekdote von mir dazu: Vor über 10 Jahren war ich in München zu Besuch bei einer damaligen Freundin und konnte bei ihren Eltern übernachten. Da ich und ihr Vater die einzigen Frühaufsteher waren, saßen wir immer gemeinsam am Frühstückstisch. Ich komme aus einer Region, wo wirklich Hochdeutsch gesprochen wird. 0 Dialekt, wirklich gar keiner. Und er hat selbst wenn er versucht hat Hochdeutsch zu sprechen so einen Dialekt gehabt, dass ich keine Chance hatte, ihn zu verstehen. Es waren sehr unangenehme Frückstückstage für mich in der Woche, die ich da war :sweat_smile::rofl: Also ja, ich verstehe den Dialekt wirklich nicht und auch einige andere fallen mir sehr schwer. Das ist wirklich teils wie eine komplett andere Sprache.

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Stell dir das mal in umgekehrter Richtung vor. Pflegepersonal im Krankenhaus hat z. B. Deutsch an einer deutschen Schule im Ausland gelernt, aber den lokalen Dialekt noch nicht - und versteht einige Patienten gar nicht. Jemand ist in seinem eigenen Bundesland in der Reha und kann sich aufgrund seines Dialekts praktisch mit keinem verständigen (auch mit keinem anderen Patienten). Habe ich beides so erlebt - und bin seitdem Anhängerin davon, dass Dialektsprecher auch Deutsch als Fremdsprache beherrschen.

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Das habe ich in München im Praktikum auch so erlebt - und dann fragen sie dich noch, ob du mit deinem Dialekt noch nie Probleme hattest … :rofl:

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JA! Ich komme halt ursprünglich aus dem Norden von NRW/Raum Hannover… Wir haben einfach keinen Dialekt :smiley: Wirklich gar keinen. Darauf bilden sich die Leute da übrigens auch was ein, dass sie angeblich das beste Hochdeutsch dort sprechen. Ich würde mal sagen das beste ist es vielleicht nicht, aber sehr dialektfrei.

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Die Dialekte unterscheiden sich fundamental, niederdeutsche Dialekte sind völlig anders als zB alemannische. Wenn jemand Kölsch spricht oder Platt, verstehe ich kein Wort, in BaWü und Bayern verstehe ich alles, wobei manche niederbairischen Idiome für Auswärtige schon sehr schwer zu verstehen sind.

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Lustig finde ich, das Nichtbayern immer denken, der Politiker Hubert Aiwanger würde Dialekt sprechen. Der spricht aber in der Öffentlichkeit immer “Hochdeutsch”, allerdings ist die Aussprache so stark niederbairisch gefärbt, dass das viele fälschlicherweise für Dialekt halten. Wenn der privat wirklich Dialekt spricht, versteht ein Auswärtiger sicher kein Wort mehr.

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Ja und ich finde das immer witzig. :wink:

Sowas gibts tatsächlich? Kenn ich halt gar nicht, in Ö wird nirgends Hochdeutsch gesprochen. Auch das eher Hochdeutsche in Teilen Wiens und NÖ hat immer einen regionalen Einschlag.

Ich verstehs immer noch nicht. Wird in D nur in den jeweiligen Dialekten unterrichtet? Nicht in hochdeutscher Version des Dialekts?

Abgesehen davon bin ich erstaunt, dass Ausländer bei euch alle deutsch können? Wäre schön, wenn das bei uns auch so wäre…
So hab ich das nämlich schon genau andersrum erlebt: jemand im Spital konnte nicht begreiflich machen, was ihm fehlt, weil die entsprechenden Deutschkenntnisse gefehlt haben.

Was soll denn “altes Schwäbisch” sein? Dialekt sprechen heißt ja zwingend, spezielle Ausdrücke zu verwenden. Wenn ich auf Augsburger Schwäbisch “Pfütze” meine, ist das Dialektwort ebene “Batschlach”, und nicht Pfütze mit “schwäbischen Sound”. Hochdeutsch mit Dialektsound wird in der Dialektforschung als Regiolekt bezeichnet.

Sofern es nicht durch Geoblocking verhindert wird, schaue ich mir ab und an gerne mal Streams aus dem Schweizer Fernsehen an, weil ich mein Hörverstehen bei Schweizerdeutsch verbessern möchte. Das hat mich schon als Kind fasziniert, damals war SRF bei uns noch frei empfangbar.

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Ohne den Bereich zu kennen, ist das jetzt schwer zu beurteilen, ob das problematisch ist. Aber Du schriebst ja oben, dass die Kollegen zwischen 65 und 85 sind, es muss also irgendwas Freiberufliches sein, nehme ich an. Für Ältere ist Dialekt eben noch selbstverständlich, mein Vater kann auch nur Dialekt, was anderes hat er nie gebraucht.

Zu den Unetrtiteln: Untertitel sind OK, aber Voice-Over in Hochdeutsch ärgert mich immer, weil die Übersetzung nie identisch mit dem Gesagten ist, Nuancen gehen verloren. Sofern ich den Dialekt verstehe, möchte ich das Original hören.

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Keine Ahnung, was diese Personen in der Schule gelernt haben. Offiziell wird natürlich Hochdeutsch unterrichtet.

Das ist ein heißes Eisen. Die Krankenhäuser unternehmen hohen Aufwand, selbst aus den eigenen Mitarbeiter:innen möglichst viele Übersetzer bereitzuhalten. Aber nicht alle Patient:innen sind so engagiert … Als ich mal im Ausland im Krankenhaus lag, habe ich mein Print-Wörterbuch mitgenommen. Das habe ich hier noch nicht erlebt …

Nein, in der Schule wird auf Hochdeutsch unterrichtet, ich denke, @buchdoktor meint einfach, dass jeder auch Hochdeutsch können sollte, selbst wenn das für eingefleischte Dialektsprecher quasi eine Fremdsprache ist.

Schön wärs, das ist bei weitem nicht so. Häufig nur Sprachbrocken, und auch das Verstehen ist sehr eingeschränkt. Kürzlich wurden bei uns zB Glasfaserkabel verlegt, die Kommunikation mit der Brigade war nicht möglich (wir hatten ein Anliegen, das zu klären war.). Kein einziger konnte mehr als ein paar Brocken. Wir haben es mehrere Tage lang versucht und dann die Telefonnummer von Chef bekommen. Der hat uns dann verstanden.

Als Nichtbayerin hab ich selbst damit schon teils Probleme :smiley: Das mit dem kein Wort verstehen kann ich so unterschreiben. Es ist einfach eine andere Sprache für mich.

@petzi_maus Jap, die Region rund um Hannover und im Norden von NRW. Früher war Platt der lokale Dialekt, aber das ist schon in der Generation meiner Großeltern verschwunden, man kann es teils noch in VHS-Kursen und AGs in der Schule lernen, aber es ist wirklich selten. Bei uns gilt es schon als Dialekt wenn man „nich“ statt „nicht“ sagt :rofl::rofl::sweat_smile: Einige wenige Worte Butjer und Masematte haben sich noch im Sprachgebrauch gehalten, aber das sind wirklich einzelne Worte wie Leeze zum Fahrrad.

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Es gibt von Patientenseite von bis… ich hab in meinen Notdiensten oft Leute, die Familienmitglieder zum Übersetzen dabei haben, oft Kinder, da ist dann fraglich, wie viel wirklich rüberkommt. Dann klassisch Google-Übersetzer… und auch schon Leute gehabt, die sich aufgeregt haben, dass ich als einzige Notdienstleistende Apothekerin vor Ort leider kein Russisch/Türkisch/Arabisch/insertlanguagehere spreche. Tja, ich kann leider nur sehr gutes Englisch, das muss dann ausreichen.

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Das, was wir in Bayern schon Hochdeutsch nennen, wäre dann für Euch wahrscheinlich immer noch Dialekt :grin: . Ich sage im Alltag so gut wie nie “Wir haben”, da rutsch mir immer “Mir ham” raus. Das muss schon ein sehr offizielles Gespräch sein (Telefonat Krankenkasse oder so), dass das nicht passiert. Sagt hier einfach jeder so.

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Eine Anekdote aus meiner Reha in Deutschlands Süden: Der Gärtner vor dem Haus gibt seinem Azubi (der Hochdeutsch sprach) Anweisungen: irgendwas mit „Sackerl“. Ich fragte mich, was die Kronjuwelen des jungen Mannes seinen Chef angehen. — Er sollte nicht barfuß in Arbeitsschuhen laufen, sondern Socken anziehen.

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