Ab und zu fallen mir in Kinderbüchern Sachen auf, wo ich denke, das Verhalten ist so fragwürdig, dass ich das Buch meinen Kindern gar nicht geben will.
Doch wenn ich mir die Rezis anschaue, bin ich oft die einzige, die unglücklich bin, und frage mich, ob ich einfach zu empfindlich bin?
Der letzte Beispiel: ich habe die Unendliche Klassenfahrt mit meinem Kind gelesen, da ich das Cover so schön finde. Ich war aber absolut erschrocken, wie viele schlechte Vorbilder im Buch sind. Und die Bewertungen scheinen durchgehend positiv zu sein.
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Gerade vor dem Abfahrt bekommt ein Kind ein Handy von seinem Vater, obwohl Handys verboten sind. Okay, der Vater macht sich Sorgen, aber die ganze Dynamik zwischen diesem Vater und dem Lehrer finde ich problematisch, und ein Kind gegen seinen Lehrer zu instrumentalisieren ist in einem Kinderbuch völlig unpassend.
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Die Kinder landen im Mittelalter. Auf einem Markt „kauft“ ein Kind 20 Ketten für einen in goldene Folie verpackte Müsliriegel, weil die Verkäuferin denkt, dass sie ein Stück echtes Gold bekommt. „Ein echtes Schnäppchen!“ sagt ein anderes Kind. Etwas später bezichtigt die Verkäuferin die Kinder, sie betrogen zu haben, wobei die Antwort des Kindes heißt „ich habe nie gesagt, dass es echtes Gold war“. Dafür wird der Lehrer zwar festgenommen, aber für die Verkäuferin gibt es keine Wiedergutmachung. Ich habe mit meinem Kind lange darüber reden müssen, weil er nicht verstanden hatte, dass ein solches Verhalten falsch ist. Dieser Handlungsstrang ist darüber hinaus überhaupt nicht notwendig für die Geschichte und hinterlässt nur ein schlechtes Nachgeschmack. Auch die Verhaftung des Lehrers finde ich problematisch: Tut ein Kind was Falsches, wird ein Erwachsene dafür bestraft.
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Der Lehrer wird von seinen eigenen Schülern (die auf dem Burg als Wächter „arbeiten“) festgenommen, mit einem „Tut uns Leid, ist halt unser Job.“ Als Erwachsene bekomme ich von so einer Aussage ein recht komisches Gefühl.
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Während der Nachtruhe schleichen sich Kinder aus ihrem Zimmer heraus, um einen Gegenstand zu klauen. Sie stehen vor einer verschlossenen Tür, aber zum Glück hatte ein Kind früher an dem Tag schon den Schlüssel geklaut. An der Stelle war mein Kind so gestört, dass es nicht weiterlesen wollte, bis ich festgestellt hatte, dass die Kinder den Gegenstand doch nicht stehlen konnten.
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Die Kinder gewinnen in einem Turnier, nachdem sie einen Tipp vom Schlossgespenst bekommen haben (also praktisch geschummelt). Sie verlangen vom Burgherrn den Hauptgewinn UND den Lehrer, „sonst nehmen wir Sie (den Burgherr, der verloren hatte) fest!“
Ich finde diese Punkte ziemlich problematisch, aber bin wohl die einzige, die davon gestört bin… ich bin gespannt, eure Meinung dazu zu hören.