„Atmosphere“ (wurde oben schon genannt, ist aber mein absolutes Lieblingsbuch). Ansonsten fand ich „Blue Sisters“ von Coco Mellors auch toll. In beiden Büchern geht es um lesbische Liebe.
„The Nightmare before Kissmas“ oder „Das sternenlose Meer“, besonders toll fand ich auch „Mr. Parnassus Heim für magisch Begabte“. In all diesen Büchern spielt gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Männern eine große Rolle.
„The Spirit bares its teeth“, für alle die gerne Horror/Fantasy lesen. Hier versucht die transsexuelle Hauptfigur, in einer dystopischen Welt zu überleben.
„Kein Bock Club“ , thematisiert Asexualität und kritisiert die Allonormativität in unserer Gesellschaft. (Mein Sachbuch Highlight 2026 bisher)
Nicht-binäre Protas kommen z.B in „sister, sister“ oder „Strange Familiars“ vor (letzteres hat generell viele diverse Charaktere, was mir sehr gut gefallen hat)
Ansonsten freue ich mich auf folgende queeren Bücher von meinem SuB: „Sunburn“, „Young Mungo“, „We fell in love in October“, „Greta & Valdin“, „Erdbeeren und Zigarettenqualm“ usw.
Young Mungo wäre meine Empfehlung. Man sollte allerdings darauf gefasst sein, dass vielfältige Aspekte von Gewalt thematisiert und beschrieben werden (Häuslich, religiös motiviert, homophob motiviert, pädophil, zwischen Jugendbanden, unter Alkoholeinfluss…). Daher würde ich es auch erst ab 18 empfehlen. Es ist keine leichte Kost, aber hervorragend geschrieben.
Bei z.B „Strange Familiars“ sind es auch Nebencharaktere die trans/nicht-binär sind. Ich muss aber sagen, dass ich es wichtig finde, wenn es verschiedene Arten queerer Repräsentation gibt. Also sowohl Geschichten die sich explizit mit queeren Erfahrungen beschäftigen, als auch Geschichten in denen queere Figuren einfach selbstverständlich existieren.
Das trägt dazu bei Heteronormativität (die immer noch vieeeel zu überrepräsentiert ist) aufzubrechen, weil das Queer-sein in Büchern oder auch Filmen/Serien ja oft noch als etwas „Erklärungsbedürftiges“ dargestellt wird. Deswegen fand ich das bei „Strange Familiars“ echt gut!
Was mich aber massiv nervt ist der Trend, in nahezu jedes Buch alibimäßig noch eine queere Figur hineinzubasteln, um die Thematik auch abgefrühstückt zu haben. Ganz schlimm fand ich diesbezüglich “All better now”, wo zB auf einer 1/4 Seite kurz ein nonbinärer Friseur auftrat (für den Plot völlig unwichtig), damit man schnell noch ein “xier” mit reinverwursten kann. Das sehe ich vor meinem inneren Auge schon das Kreuz auf der Checkliste des Autors, die abgearbeitet wird. (Ganz unabhängig davon, wie man zur Verwendung geschlechtsneutraler Pronomen steht). Entweder als Hauptthematik (wie bei Douglas Stuart) oder ganz selbstverständlich mit eingebaut (wie zB bei Kristof Magnusson), aber so nicht. Bei “Die Auster” von Inokai wirkt das Buch dadurch auch überfrachtet, weil es schon viele andere Themen bearbeitet, und das wirklich hervorragend. Die zusätzliche Queerthematik tut dem Buch nach meinem Empfinden nicht gut.
Ging mir nur kurz darum das aufzuklären, weil du von einer „inneren Checkliste“ gesprochen hast. Sollte nicht als Angriff rüberkommen, sondern als Hinweis, das Neal Shusterman die Themen schon immer ganz leger eingebunden hat.
Ich habe es nicht als Angriff empfunden. Von Shusterman war das mein erstes (und letztes, aber aus anderen Gründen) Buch, und ich empfand es als gezwungen und nicht leger. Aber das ist vermutlich Geschmackssache.
Ja seinen Schreibstil muss man wirklich mögen, das stimmt. Eine Reihe von ihm, die mir immer im Gedächtnis bleiben wird, ist Vollendet. Bei weitem nicht für alle etwas, aber definitiv ein Buch, an dessen Handlung ich immer wieder denken muss
Ich glaube viele Autor:innen haben erkannt, dass queere Geschichten gefragt sind (siehe z.B der Hype um „Heated Rivalry“) und wo eine Nachfrage ist, kann man natürlich immer Geld machen. Deswegen gibt es möglicherweise auch Autor:innen die queere Figuren nur einbauen um ihre Verkaufszahlen zu erhöhen. Die also Diversität nur als Marketinginstrument nutzen. Das ist vielleicht ähnlich wie bei den ganzen Firmen, die jetzt zum Pride Month ihr Profilbild in eins mit Regenbogenflagge verändern um Diversität vorzugaukeln, intern aber nichts an ihrer Unternehmenskultur verändern um queeren Menschen zu helfen.
Mhh was aber die Repräsentation von Queerness generell angeht, bin ich anderer Meinung. Wir haben gefühlt in jedem Buch seit Jahrzehnten immer eher eine heteronormative Darstellung von Liebe/Beziehungen und auch in unserer Gesellschaft gilt immer noch „hetero = der Standard = normal“. Selbst wenn Queerness positiv dargestellt wird, so schwingt trotzdem oft dieser Unterton mit, dass es „abweichend“ von einer „Norm“ ist. Deswegen finde ich es wie gesagt so wichtig, dass queere Figuren selbstverständlich vorkommen. Und wenn das dann (wie bei „All Better Now“) nur in kleinen Nebenrollen passiert, ist mir das persönlich immer noch lieber als unzählige Geschichten in denen wieder nur die klassische heterosexuelle Dynamik im Mittelpunkt steht.
Ich stimme Dir zu, darum habe ich ja Kristof Magnusson genannt, bei dem sie ganz selbstverständlich vorkommen. “Selbstverständlich” heißt für mich, dass sie Figuren mit allen möglichen Eigenschaften und Aufgaben im Plot sind, aber ganz beiläufig auch queer. Wenn Queerness ihr einziges Merkmal ist, dann wirkt es aufgesetzt. Ebenso, wenn durch zusätzliche Queerthematiken ein sowieso schon an Themen reiches Buch überfrachtet wird.
Ich habe schon den Eindruck, dass einige Autor:innen es vor allem als Marketing-Instrument nutzen (oder das Lektorat das Hineinschreiben einer queeren Figur in den Plot fordert, das kann ich natürlich nicht beurteilen).
Ermittlerteams bestehen auffallend oft aus je einem erfahrenem Kollegen, Berufseinsteiger, IT-Nerd, Migrant und homosexueller Person. Das ist schon beinahe das Klischee von Diversität. Normal würde ich erst wieder finden, wenn die Zusammensetzung mich überraschen kann und z. B. Ermittlungsleiterin eine jüngere Frau wäre …
Wenn man sich an Queerness nur bedient bzw. nur dann daran interessiert ist, wenn man daraus Geld schöpfen kann, geht das in eine völlig falsche Richtung. Oder wenn es Autor:innen gibt die Figuren nur oberflächlich einbauen, um sich als progressiv zu vermarkten und somit vom „Trend“ zu profitieren, ist das natürlich zu kritisieren. Hier wird nämlich nichts für queere Menschen getan und die Darstellung ist reiner Tokenismus. Hier stimme ich dir zu.
Aber ich glaube nicht, dass man ein Buch mit Queerness „überladen“ kann. Queerness wird aus meiner Sicht einfach nur schneller als „zu viel“ wahrgenommen als Heterosexualität, weil wir durch unsere Sozialisierung gelernt haben, dass letzteres „der Standard“ ist. Das ist genau was ich oben meinte. Würde also in dem Buch (habe es selbst nicht gelesen) z.B eine heterosexuelle Beziehung thematisiert werden, würde das nicht mal großartig auffallen. Hier wird das nicht hinterfragt. Weil wir von klein auf gelernt haben, dass der Prinz mit der Prinzessin, Barbie mit Ken oder später Hugh Grant mit Julia Roberts (in Notting Hill) zusammenkommt. Und davon gibt es ja tausende weitere Beispiele. Jetzt ändert sich das erst langsam und andere Sexualitäten bekommen zunehmend den Raum, den sie verdienen.
Aber ich glaube nicht, dass man ein Buch mit Queerness „überladen“ kann.
Es gibt aber bestimmte Themen, die überproportional stark queere Personen betreffen (konkret zB HIV in den 80er/90er Jahren, wie in “Die Auster”, Coming-Out etc.), Und wenn diese dann auch noch behandelt werden, tut das einem Buch ggf. nicht gut, weil es eigentlich einen ganz anderen Schwerpunkt hat.
Naja, aber HIV ist kein explizit „queeres Thema“ an sich, sondern ein medizinisch-gesellschaftliches Thema, das bestimmte Gruppen besonders betroffen hat (& immer noch betrifft). Wie du es auch geschrieben hast. Das heißt aber, in deinem Beispiel „überladet“ ja nicht explizit die Queerness das Buch, sondern die zusätzliche Auseinandersetzung mit dem HIV-Thema. Ich hab das Buch nicht gelesen, daher kann ich da nicht viel mehr zu sagen und mich in der Hinsicht nur auf deine Aussagen beziehen.
Ich empfinde es so, dass eine schreibende Person/Verlag/Lektorat sich sehr wohl mit dem Thema queer verheben können, wenn keine Substanz dahinter steckt. Das habe ich bei „Schmerz“ von Jón Atli Jónasson so erlebt. Die trans Jugendliche ist noch minderjährig, so dass man sich damit befassen sollte, was eine Minderjährige in Island rein rechtlich allein entscheiden darf, damit die Figur nicht nur behauptet wirkt.
Das sind aber zwei verschiedene Ebenen. Meine ursprüngliche Aussage war: Queere Repräsentation (die immer noch unterrepräsentiert ist) kann als solche nicht „zu viel“ sein, gerade wenn heterosexuelle Figuren ständig und ohne besondere „Markierung“ vorkommen.
Das was du kritisierst, bezieht sich ja eher auf die Figurendarstellung und wie überzeugend diese ausgearbeitet wurde. Aber das hat ja ebenfalls nichts mit Queerness an sich zu tun. Eine schlechte Ausarbeitung ist ja immer doof und nicht explizit nur bei dem Thema.