Nachdem wir gestern schon den Leseproben-Thread anlässich “The Arcane Arts” mit dieser Diskussion gekapert haben, eröffne ich hierzu einen eigenen Thread, im dem bei Interesse zu der Thematik weiterdiskutiert werden kann.
Wir können dann hier thematisch nahtlos an den letzten Diskussionsbetrag anknüpfen:
Dass sich Lehrer im Deutschunterricht mit Trivialliteratur befassen, kann man tatsächlich nicht erwarten. Ich würde das eher als einen Programmpunkt bei Projektttagen sehen, die schulweit oder im Idealfall sogar landesweit/bundeslandweit durchgeführt und von (Sozial-)Pädagogen begleitet werden. Das könnten Projekttage rum um Sexualität und Empowerment sein oder zur Leseförderung/Lesekompetenz. Wer möchte, könnte diesen Programmpunkt wählen, oder sich eben für eine andere “Station” entscheiden. Natürlich stellt sich wie immer die Frage nach der Finanzierung. Ich erlebe als Mama allerdings, dass heute insgesamt mehr Projektttage durchgeführt werden als zu meiner Schulzeit, zum Teil auch gemeinsam mit anderen Schulen, insofern sehe ich da Hoffnung.
Das ist der wünschenswerte Optimalfall, an den wenigsten Schulen sind da Kapazitäten vorhanden. Wenn schon nicht genügend Pädagogen verfügbar sind, die den vom Lehrplan geforderten Unterricht abdecken können, fehlen für zusätzliche Angebote wie eben Gespräche über Medienkompetenz, Aufklärung usw. leider erst recht die Lehrkräfte.
Ist nicht ein „zeitgenössisches“ Buch sogar Pflicht im Lehrplan? Also ich kann nur von meinen Cousinen sprechen, aber die haben jedes Halbjahr ein Buch und durften auch schon selbst Bücher wählen, die sie im Unterricht lesen und näher besprechen wollten. Wir haben uns damals als ich so in der 7. Klasse war auch ein aktuelles Buch frei aussuchen dürfen, was wir dann als Klasse gelesen haben.
Ich persönlich halte den Begriff Trivialliteratur für „unnötig wertend“, auch weil vieles, dass heute in der Schule/Uni als literarische Klassiker behandelt wird, zur Zeit der Veröffentlichung als Trivialliteratur/Unterhaltungsroman oder sogar gefährlicher, moralisch verwerflicher „Schund“ galt.
Ich kenne das auch so: Aus eigener Erfahrung und von den Jugendlichen/Schülern und Schülerinnen aus verschiedenen Schulen, als ich noch in dem Bereich tätig war.
Also ich gebe ja offen zu, dass ich nahezu ausschließlich „Schund“ und „Trivialliteratur“ lese. Bevorzug Liebesromane oder Romantasy, gern nichts zu tiefgründiges bitte. Aber ich finde, auch solche Bücher sollten besprochen werden und haben ja ihre absolute Daseinsberechtigung.
Wir haben nur Bücher wie „Löcher“ und „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gelesen.. Und dann nochmal ein anderes, was ich damals als extrem verstörend empfand.
Ooohhh, Löcher hab ich tatsächlich unabhängig von der Schule gelesen. Wir hatten Emil und die Detektive und Das Tagebuch der Anne Frank und als von den Schülern selbst ausgesuchtes Buch In seinem Schatten. Einer der Englisch-LKs hat aber auch den ersten Panem-Teil gelesen und wir auch Auszüge daraus und dann verglichen mit Auszügen aus Orwells 1984. Das war ziemlich cool.
Die „Klassiker“ im Deutschunterricht hab ich eher gehasst, außer Die Physiker von Dürrenmatt. Das war cool. Aber Iphigenie, Kabale und Liebe, hell no, gar nicht meins und ich verstehe den Sinn bis heute wirklich nicht.
Das fand ich auch im Gegensatz zu den anderen beiden Büchern interessant! Weiß nicht, warum wir nur komisches gelesen haben..
Aussuchen durften wir als Klasse selten. Dafür mussten wir jährlich eine Buchpräsentation über ein gelesenes Buch halten. Das fand ich cool und hatte sogar eine 1 bekommen und mein Ordner wurde damals ausgestellt
Hätte anstatt Wir Kinder vom Bahnhof Zoo lieber etwas von John Green oder so gelesen.. Das andere Buch fand ich so absurd, dass ich es komplett verdrängt habe. Weiß nur noch, dass ich’s direkt danach in den Mülleimer geworfen habe…
Löcher ist doch von John Green? Er schreibt sooo schön!
Das mit der Buchpräsentation kenne ich auch noch, da hatte ich auch sehr viel Freude dran. Haben wir aber nur einmal gemacht.
Wir Kinder von Bahnhof Zoo ist super schlecht, ich verstehe echt nicht, was den Hype um dieses Buch ausmacht. Wirklich gar nicht. Es ist schlecht geschrieben, es hat kaum eine Lehre außer: nehmt keine Drogen! und pädagogisch wertvoll aufgearbeitet ist es jetzt auch nicht.
Jaaa, von John Green ist alles lesenswert! Aber muss halt auch richtig begleitet werden. Eine wie Alaska ist echt nicht ohne, denke das ist ein Thema, was Lehrer nur mit weiterer schulpsychologischer Unterstützung angehen sollten.
Ja gut Das ist ja auch wichtig, aber ist halt die Frage, ob das Buch so abschreckend ist. Ich weiß nicht, hab es auch gelesen, aber mich hat es jetzt auch nicht vom Hocker gehauen.
Ich finde ja, wenn es etwas zu besprechen gibt und es eine Daseinsberechtigung hat, dann ist es nicht trivial
Ich denke das gilt für jeden Bereich, auch viele Popsongs oder Mainstreamfilme sind nicht so „oberflächlich“ wie es auf den ersten Blick scheint, wie ich finde. Und andersherum sind viele Werke, die als anspruchsvoll gelten meiner Ansicht nach im Grunde „viel Wind um wenig“
Diese „Schubladen“ sind für mich persönlich unzeitgemäß, aber ich verstehe, warum viele sie brauchen/wollen/verwenden.
Zeitgenössisch heißt ja nicht Trivialliteratur. Schullektüre sollte ja schon einen gewissen literarischen Anspruch haben, und das lässt sich nach literaturwissenschaftlichen Kriterien durchaus messen.
Ja, viele Klassiker waren zu ihrer Entstehungszeit auch umstritten, und auch ich habe einige Schullektüren nur augenrollend gelesen (Effi Briest fand ich total nervig, da konnte ich Null dran anknüpfen, weil Effis Probleme heute einfach keine mehr sind. Nur Werther hab ich noch mehr gehasst). Dass heute auch Zeitgenössisches wie Julie Zeh gelesen wird, finde ich völlig richtig, eine ausgewogene Mischung wäre ideal (Ich kann nur vom Gymnasium sprechen, in andere Schulformen hatte ich nie Einblicke).
Wie das heute je nach Bundesland mit der Auswahl gehandhabt wird, kann ich nicht beurteilen, aber DR dürfte sicher in keinster Weise den Kriterien des Deutschlehrplans entsprechen. Bis jetzt wurde bei meinem Kind die Klassenlektüre vom Lehrer vorgegeben, es ist aber auch erst in der 6. Klasse. Zu meiner Zeit durften wir gar nichts aussuchen, aber das war ja auch anno dazumal.
Bitte dreh mir nicht die Worte in meinem Post um. “Exakte Wissenschaften” ist ein stehender Begriff, und ich schrieb, dass diese vorrangig auf der Anwendung von Mathematik beruhen, nicht, das sie die einzigen sind, die sich dieser bedienen.
Auch andere Wissenschaften nutzen zu einem gewissen Teil Mathematik, wenn auch meist in einem - verglichen mit exakten Wissenschaften - sehr eingeschränkten Umfang und leider oft ohne ausreichende mathematische Sachkenntnis. Gerade mit Statistik kann sehr viel Schindluder getrieben werden, wenn keine wirklich fundierte mathematische Ausbildung zugrundeliegt. Was teilweise in Vorlesungen wie “Empirie und Statistik” als “Mathematik” verkauft wird, löst bei mir als Mathematikerin das kalte Grausen aus.
Ich habe niemanden “herausgepickt” oder gar “diskreditiert”, sondern habe mich lediglich kritisch zu einer Passage aus einem Interview geäußert, das ich als Auszug zitiert habe (samt Hinweis, wie das gesamte Interview zu finden ist). Zur Nennung einer Quelle gehört nun mal auch der Name, und ich habe in keinster Weise die Person an sich oder ihre Arbeit beurteilt. Die Aussage, dass sie keiner exakten Wissenschaftsdisziplin angehört und es somit auch innerhalb ihrer Disziplin konträre Auffassungen geben kann, ist ein Fakt, keine Diskreditierung.
ist von Louis Sachar, es sei denn wir meinen alle nicht das gleiche Buch.
Biete Kind in der 10.ten Klasse: Andorra, Es war einmal Indianerland, die Physiker, Besuch der alten Dame → also immer noch mehr die Klassiker.
in der 5.ten/6. mussten sie ein Lesetagebuch führen: vier Bücher selbst aussuchen, beschreiben und bewerten. Aber da werden dann die aktuellen Lieblingsbücher genommen.
Zu dem Zeitpunkt war DR noch nicht auf dem Plan.
Jedesmal, wenn das Kind jetzt Bücher haben möchte, checke ich die Altersfreigabe und den Inhalt.
Finde ich nicht schlecht, dann ist zumindest eine gewisse Grundmotivation da, um auch die lesemuffeligen Kinder abzuholen. Mein Sohn gehört da ja leider auch dazu, und die vorgesetzte Lektüre will er nur ungern anfassen, egal, wie sehr ich versuche, sie ihm schmackhaft zu machen. In der 5. Klasse war es “Rico, Oskar und die Tieferschatten”, in der 6. Klasse wurde jetzt ganz zum Schluss “Schattenkinder” reingequetscht. Am Schuljahresanfang gab es auch noch eine Lektüre, die in der Klasse reihum vorgelesen wurde und die die Kids nicht kaufen mussten. Mein Sohn hat sich den Titel nicht gemerkt und den Inhalt auch schon vergessen, also keine Ahnung, was das war
Da kann ich dir nur zustimmen. Da dieses Genre so einen Hype gerade schlägt, sollte es irgendwie bei Projekttagen oder evtl. durch eine Unterrichtsstunde kurz besprochen werden. Vielleicht könnte man eine kurze Debatte führen was für und was gegen dieses Genre spricht, damit die Kinder sich mehr damit befassen müssen und so ein tieferes Verständnis aufbauen. Schließlich wird das Genre nur weiter wachsen und man sollte doch lernen damit “umzugehen”, anstatt es quasi “zu verschweigen”. Dadurch würden auch Schulen zeigen, dass sie für zeitgenössisches offen sind und sich um das Wohl der Kinder gleichzeitig sorgen.
Schließlich leben wir in einer Zeit der Beeinflussung durch Social Media. So fände ich es besser, wenn Jugendliche bereits in der Schule schon von dem Genre erfahren, um nicht so leicht einfach auf den Hype Train aufzuspringen.
Ja, das war der Lehrertest, wie und was die Kinder lesen.
Das Kind hat eine Freundin, da liest keiner in der Familie, die haben auch keine Bücher zu Hause, also kam sie vorbei bzw. mit in die Stadtbibliothek und hat sich etwas ausgesucht.